„Wirklich extrem leise“
Peugeot 407 Coupé: Der Hai mit dem Löwen

Schnittig, sportlich, schick: Gerhard Kinzl, Chef der Telefonbuch-Gesellschaft, testet das Peugeot 407 Coupé. Ein Auto „pour homme“.

KÖLN. Es fängt schon damit an, dass die Peugeot-Navigation partout keine „Bachem-Straße“ in Köln zu entdecken vermag. „B-A-C-H-E-M-E-R“, das ja, auch die „Minna-Bachem-Straße“ in Longerich zeigt der elektronische Routenplaner an – aber nicht die Straße, in der sich das Hauptquartier jener Firma befindet, deren Druckwerk mit seiner Auflage selbst mit Bibel und Ikea-Katalog mithalten kann: das Telefonbuch. 38 Verlage in der Republik produzieren 125 Ausgaben – mehr als 30 Millionen Stück.

Jetzt ist der Herr über die Nummern der Deutschen am Handy und erklärt, wie man zu ihm findet: „Nähe Agrippabad, kleine Seitenstraße. Die Mercedes-Navi kennt sie auch nicht“, witzelt Gerhard Kinzl.

Der neue Peugeot 407, den der Chef der Telefonbuch-Servicegesellschaft heute testet, hat die falsche Software erwischt: „Es gibt da zwei verschiedene Arten: Karten von Navtech oder Teleatlas“, doziert Kinzl, der ein Diplom in Informationswissenschaften hat. Sein eigener Dienstwagen, ein BMW 530d, kennt jedenfalls den Weg zur Arbeit.

Schließlich steht der 407 dann aber doch noch vor ihm, ein Auto „pour homme“, für den Mann, wie die Werbung den haigesichtigen Schlitten anpreist, der sich in tiefem Dunkelblau, mit schwungvoll geschnittenen Coupé-Fenstern an die Straße schmiegt.

„Ist doch ganz schick“, sagt Kinzl. „Dieses Haifisch-Design ist zwar gewöhnungsbedürftig. Man guckt aber zwangsläufig hin – das muss sein, wenn ein Massenhersteller sich in diesem Segment positionieren will.“

Mit dem 407 Coupé haben sich die Franzosen wieder einmal in sportlichere Gefilde begeben: Der vom Hersteller als „stilistischer Höhepunkt der Peugeot-Familie“ gefeierte Wagen will so luxuriös sein wie die 407-Limousine – und gleichzeitig aggressiv und sportlich.

Telefonbuch-Chef Kinzl fühlt sich an seinen Jugendschwarm erinnert, als er den großvolumigen, 204-PS-starken V6-Diesel auf die Severinsbrücke über den Rhein lenkt. „Anfang der achtziger Jahre, zu meinen Abiturzeiten, war das 504 Cabrio gerade neu“, erzählt der 44-Jährige. „Das war ein Traum.“

Gereicht hat es dann zwar nur zu einem VW Käfer, aber dem kantigen französischen Cabrio kann er bis heute eine Menge abgewinnen.

Jetzt gleitet der Hai mit dem Löwen unter seinem Kommando immerhin für eine ausführliche Ehrenrunde über den Kölner Autobahnring. Der dichte Verkehr verhindert, dass Kinzl den Motor voll aufdreht, aber zwischendurch tun sich immer wieder kleine Lücken auf, und er erlaubt sich den einen oder anderen Probe-Gasschub.

Vor allem im unteren Drehzahlbereich setzt der Diesel dabei spontan seine Kraftreserven frei: „Man merkt, dass es Spaß machen könnte, ihn auszufahren“, sinniert Kinzl. Er liegt straff, Fahrwerk und Beschleunigung sind so gut wie beim BMW.“ Das Automatik-Getriebe hat Kinzl gleich auf Tiptronic umgestellt.

Das hat aber nichts mit seinen Ambitionen auf sportliches Fahren zu tun, sagt er und lacht: „Ich bin noch nicht an die Automatik gewöhnt, deshalb habe ich gleich die Hand am Schaltknüppel.“ Auch am normalen „D“-Modus findet Kinzl Gefallen: „Das läuft sehr gut. Man merkt, dass er immer ein bisschen mehr will, als der Verkehr gerade hergibt.“

Kinzl regelt für das Telefonbuch, das in diesem Jahr 125 Jahre alt geworden ist, nicht nur den Gesamtauftritt, sondern auch die Werbung. Da erlaubt er sich ein paar Worte zur Positionierung des 407 als markiges Männerauto.

„Die Werbung finde ich witzig. Sie fokussiert aufs Produkt, ironisiert aber auch – darauf können sich alle einigen.“ Jedenfalls hätte er der Marke so ein Auto bisher nicht zugetraut. „Ist aber ein guter Zeitpunkt, jetzt, wo Volkswagen solche Probleme hat.“

Kinzl lässt den 407 sanft durch die Kurven schweben, hört aufmerksam auf den schüchtern brummenden Motor. „Wirklich extrem leise“, findet er. „Ich glaube, der BMW läuft als Diesel lauter.“

Überhaupt übt der 407 in gewisser Weise Zurückhaltung: Durch die nach hinten abfallende Dachlinie und die langen Türen wirkt er filigraner, als er ist, sagt der Telefonbuchmann.

Die langen Türen indes werden zum Problem, wenn man sie von innen – sitzend – öffnen und schließen muss, denn sie sind recht schwergängig. Und der Kofferraum, obwohl durchaus geräumig, lässt sich nur mit Mühe beladen. Die Ladekante ist ziemlich hoch, merkt Familienvater Kinzl an, der jeden Morgen 45 Minuten von Mülheim an der Ruhr nach Köln pendelt.

Jetzt kutschiert er den 407 durch Köln-Mülheim, den Multikulti-Stadtteil auf der rechten Rheinseite. Kinzl philosophiert gerade darüber, ob der Wagen nicht auch etwas für ihn wäre, als eine junge Polizistin uns rauswinkt.

Kinzls Presseberater, der die ganze Zeit über wie ein Schatten lautlos auf der Rückbank gesessen hat, war nicht angeschnallt. „Ich kann Ihnen ein Verwarnungsgeld von 30 Euro anbieten oder eine Anzeige schreiben“, sagt der freundliche Oberwachtmeister tonlos.

Fahrer und Beifahrer hätte das nicht passieren können: Vorne warnt der 407 mit derart penetrantem Piepsen, dass selbst der größte Muffel seinen Gurt anlegt – hinten kümmert sich die Bordelektronik nicht darum. Ein Coupé ist eben nichts für Familienväter.

Der Fahrer
Name: Gerhard Kinzl
Position: Geschäftsführer der Telefonbuch-Servicegesellschaft
Alter: 44 Jahre
Erstes Auto: VW Käfer
Aktuelles Auto: BMW 530 d
Traumauto: Audi S4, Ferrari
Hobbys: Badminton, Joggen, Lesen, meine Kinder

Das Auto
Modell: Peugeot 407 Coupé Sport
Motor: 2,7 l V6 HDi FAP Bi-Turbo (204 PS)
Maße: Länge 4,81 m, Breite 1,87, Höhe 1,40 m
Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h
Drehmoment: 440 Nm bei 1 900 U/min
Leergewicht: 1 798 kg
Verbrauch: 8,5 Liter
Grundpreis: 35 900 Euro

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