Zweiräder
Maxi-Roller liegen voll im Trend

Kleinroller mit 50 Kubikzentimeter Hubraum stehen in der Beliebtheitsskala ganz oben. Technische Neuerungen gibt es aber kaum. Bewegung herrscht dagegen in der Klasse der Großroller.
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Essen/MünchenWer schon ein paar Jahre Motorrad fährt, wird seit einiger Zeit mit wachsender Begeisterung zur Kenntnis nehmen, wie neben den üblichen Weiterentwicklungen der maßgeblichen Hersteller (leichter, schneller, stärker), die Trends zu Super-Moto-Maschinen, Streetfightern, Cafe Racern und Retro-Scramblern die Großserien und professionellen Individualisierer beeinflussen. Doch mit neuesten Trends und Schönheit allein kommt keine Butter, und schon gar keine Wurst aufs Brot. In puncto Marktwachstum spielt die Musik in einem ganz anderen Segment, den Rollern.

Beim Stichwort Motorroller denken die meisten an kleine Stadtflitzer. Jene praktischen Zweiräder mit 50-Kubikzentimeter-Motor, die gerade schnell genug sind, um im Stadtverkehr gut mithalten zu können. Hersteller und Kunden liebäugeln aber längst auch mit stärkeren und luxuriöseren Exemplaren. Dabei spielen auch alternative Antriebe hier längst eine wichtige eine Rolle.

Bereits 2009 hatte der italienische Hersteller Piaggio das Hybrid-Dreirad MP3 mit 125 Kubikzentimeter großem Verbrenner plus Elektromotor eingeführt. Neuerdings ist das eigenwillige Mobil, für das ein Autoführerschein ausreicht, auch mit 300 Kubikzentimeter großem Einzylinder-Viertakter und 25 PS zu haben. Aber nicht zum Schnäppchenpreis, denn für den MP3 Hybrid LT 300 i.e. sind knapp 9.200 Euro fällig. Zum Vergleich: Für den Groß-Scooter Beverly in der 300er-Version mit konventionellem Verbrennungsmotor und zwei Rädern verlangen die Italiener weniger als die Hälfte - rund 4.400 Euro.

Und die Sache mit dem Autoführerschein ist nur einer von mehreren Gründen, warum Roller derzeit so angesagt sind. Sie haben schon bei der Jugend den klassischen Mopeds und Kleinkrafträdern einfach schon vor Jahren den Rang abgelaufen. Mittlerweile sind Elektroroller in Asiens Metropolen das ganz große Ding, weil die Stadtväter dort erkannt haben, dass sie mit stinkenden qualmenden Zweitaktern der eigenen Bevölkerung keinen Gefallen mehr tun - sie werden immer öfter schlicht verboten, wie beispielsweise in Hongkong. Als praktisch empfunden werden von vielen Fahrern vor allem bei Großrollern zusätzliche Staufächer im Vergleich zum Motorrad. Sicherheit und Fortschrittlichkeit schaffen außerdem die Trends zu zwei parallelen Vorderrädern, die eine Kipp-, bzw. Sturzgefahr deutlich reduzieren.

Auf die wachsende Nachfrage nach Großrollern reagiert auch die Motorradabteilung von BMW: Nach dem mäßigen Erfolg des überdachten C1 bereiten die Münchner gerade ihre Rückkehr ins Roller-Geschäft vor. Die Serienausführung des 2010 vorgestellten Big-Scooters "Concept C" soll auf der Motorradmesse EICMA im November in Mailand enthüllt werden. "Zwei Versionen wird es geben: eine sportliche und eine, die eher Tourer ansprechen soll", kündigt BMW-Sprecher Rudolf-Andreas Probst an. Angetrieben werden beide Ausführungen von Zweizylinder-Motoren. Der Hubraum ist laut Probst an der Spitze des Segments angesiedelt und dürfte demnach rund 650 Kubikzentimeter messen. Eine Version mit Elektromotor soll bis spätestens 2015 folgen.

Mit seinem neuen Großroller wird BMW auf einem florierenden Markt vorfahren: Allein Piaggio bietet ein gutes Dutzend Modelle mit mehr als 125 Kubikzentimetern Hubraum an. Suzuki hat den Burgmann mit Motoren bis 650 Kubikzentimeter im Programm. Mit dem People GT 300i erweiterte der taiwanesischen Hersteller Kymco erst vor wenigen Monaten sein Portfolio. Peugeot bietet den Geopolis 300 an, Honda unter anderem den neuen SW-T600 sowie den optisch und technisch aufgewerteten SH300i. Bei Yamaha heißen die Maxi-Scooter X-Max, X-City, Majesty und TMax.

Neue Maßstäbe im Rollersegment hat Gilera mit dem GP 800 gesetzt: In diesem Roller entwickelt ein V2-Motor mit stattlichen 840 Kubikzentimetern Hubraum 69 PS.

Umsteiger verlangen Komfort

Dass die wachsende Zahl an Großroller-Kunden zulasten der Motorradverkäufe geht, glaubt Achim Marten vom Industrie-Verband Motorrad (IVM) nicht. "Das sind eher Umsteiger, die etwas mehr Komfort haben wollen, ohne dabei aufs Zweiradfahren verzichten zu müssen." Dank technischer Vorzüge wie einem Automatikgetriebe und der entspannten Sitzposition könnten sie es gemütlicher angehen lassen.

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