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Economy, Business & Finance: ANALYSE: 2012 wird anlagepolitisch ein Drahtseilakt - BNP Paribas

Das kommende Jahr wird nach Ansicht der französischen Bank BNP Paribas ein Jahr der Bescheidenheit und zugleich eines mit zahlreichen Herausforderungen. "Die Anlagepolitik 2012 wird zum Drahtseilakt", sagte Senior Economist und Portfoliomanager Reinhold Knaus von BNP Paribas Investment Partners am Donnerstag in Frankfurt. "Wir befinden uns derzeit in einem Prozess der Revision von Wachstumsperioden nach unten." Zugleich werden auch 2012 die Staatsfinanzen weiter im Fokus stehen und sich die Lage insbesondere im Euroraum stabilisieren müssen.

FRANKFURT"Die Krise hat fundamentale Zweifel am Funktionieren der Währungsunion geweckt", ergänzte Anlagestratege William De Vijlder. Die Probleme seien komplexer und die Anleger risikosensibler geworden. Zentrales Thema sei es daher, das Vertrauen zurückzugewinnen. Die Europäische Zentralbank (EZB) allein werde dies - sei es durch weitere Anleihekäufe, Zinssenkungen oder weitere expansive Maßnahmen der Geldpolitik - nicht bewerkstelligen können, auch wenn De Vijlder etwa unbegrenzte Anleihekäufe durch die EZB als möglichen Lösungsbeitrag nennt. Unverändert ist laut Knaus daher die Politik gefragt: "Wir haben damals in Europa mit der ökonomischen Integration begonnen, und das ist ein Webfehler, der uns nun einholt. Nun muss eine Lösung auf politischer Ebene erfolgen." Den Euroraum sehen Knaus und De Vijlder 2012 zunächst auf dem Weg in eine Rezession, auch wenn es Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern gibt. Für die Vereinigten Staaten rechnen sie dagegen insgesamt mit einer positiveren Entwicklung. "Die USA dürften wieder wachsen", zeigte sich Volkswirt Knaus überzeugt. Der Arbeitsmarkt hingegen werde weiter der Hemmschuh bleiben, so dass der Konsum allenfalls "untertourig" zulegen und der Immobilienmarkt sich weiter stabilisieren dürfte. Einen Hauptrisikofaktor sieht er in der Haushaltspolitik der weltgrößten Volkswirtschaft. Er rechnet erst 2013 aufgrund der enormen Staatsverschuldung mit massiven Ausgabekürzungen und Steuererhöhungen, nicht aber im Superwahljahr 2012. Eine Sonderrolle wird nach BNP-Erwartungen Japan im neuen Jahr spielen. Nach all den Katastrophen im zu Ende gehenden Jahr 2011 werden 2012 Aufholeffekte erwartet. Das größte Potenzial sehen die Experten daher bei den Schwellenländern, auch wenn sich deren Wachstum abschwächen werde. Als wirtschaftlich und finanziell stabil werden vor allem China, Indien und Indonesien eingestuft. Trotz der insgesamt weiter expansiv erwarteten Geldpolitik werde Inflation auch 2012 noch kein Thema sein. Auch in den Schwellenländern habe sie mit Ausnahmen in Indien und Brasilien ihren Höhepunkt überschritten. In China bleibe sie zwar wohl weiter erhöht, sei aber kein echter Grund zur Sorge. Anlagestrategisch sei das neue Jahr wegen der insgesamt weiter sehr unsicheren Gesamtlage daher unverändert schwer einschätzbar. Aktien etwa seien derzeit zwar billig, "können aber noch billiger werden, wenn die Risiken hoch bleiben", kommentierte Knaus. Eine Übergewichtung von Aktien und Anleihen aus den Schwellenländern sei dabei aber denen von Industrieländern vorzuziehen. Zudem sollte zu schwankungsärmeren und dividendenstarken Titeln gegriffen werden. Gold hingegen sieht der BNP-Experte allenfalls als Schutz gegen Extremszenarien. "Wo der faire Wert von Gold liegt, ist schwer zu bestimmen, denn der Preis hängt vom Risikomodus ab."

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Quelle: dpa
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