_

Economy, Business & Finance: Umfrage/Dt. Aktieninstitut/SBI: Nachhaltigkeit steigt im Kurs der Unternehmen

Nachhaltiges Wirtschaften gewinnt für die börsennotierten deutschen Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Mehr als zwei Drittel der börsennotierten Unternehmen mäßen dem Thema Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert für die zukünftige Entwicklung bei, hieß es am Dienstag bei der Vorlage der Ergebnisse einer Umfrage, die das Deutsche Aktieninstitut in Zusammenarbeit mit dem Sustainable Business Institute (SBI) durchgeführt hat.

FRANKFURTWie die Umfrage ergab, stimmten 97 Prozent der befragten Unternehmen der Aussage zu, dass Unternehmen neben der Verantwortung gegenüber den Aktionären auch eine Mitverantwortung für eine gesunde Umwelt und eine faire gesellschaftliche Entwicklung haben. Für 86 Prozent der befragten Unternehmen trifft ferner die Aussage "Nachhaltigkeit bedeutet langfristigen ökonomischen Erfolg" zu. Besonders die im Dax notierten Firmen messen dem Thema dabei mit 91 Prozent eine hohe bis sehr hohe Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der Geschäfte bei. Dies ergibt sich auch aus dem mit 83 Prozent außerordentlich hohen Grad einer von diesen angestrebten Aufnahme in Nachhaltigkeitsfonds oder -indizes. Gegenüber kleineren Unternehmen stellt das Thema bei den Dax-Mitgliedern zudem einen vergleichsweise hohen Teil der normalen Investor-Relations-Arbeit dar. Messbar war die steigende Relevanz aber auch in der Anzahl erhaltener Anfragen. "Unsere Studie zeigt, dass die nachfragegetriebene Entwicklung beim Thema Nachhaltigkeit auf einem guten Weg ist", sagte Rüdiger von Rosen, Leiter des Deutschen Aktieninstituts. Etwas mehr als die Hälfte der Dax-Mitglieder hat gemäß der Umfrage in den vergangenen 12 Monaten zwischen 11 und 20 Anfragen von auf Nachhaltigkeit spezialisierten Ratingagenturen und Analysten erhalten. Seit der ersten Umfrage im Jahr 2003 ist die Zahl der börsennotierten Unternehmen, die überhaupt welche erhalten haben, von zwei Dritteln auf inzwischen fast 90 Prozent gestiegen. Nach Meinung von Paschen von Flotow bringt der Bedarf nach nachhaltigem Wirtschaften aber auch Probleme mit sich. "Viele Unternehmen sehen Zielkonflikte zwischen Anforderungen der Nachhaltigkeit und kurzfristigen finanziellen Zielen", meinte der Leiter des SBI. Für verbesserungswürdig hält er zudem die Durchschaubarkeit der Bewertung seitens der Investoren. "Die Studie verdeutlicht, dass es nicht hinreichend transparent ist, wie diese die Kriterien berücksichtigen", so von Flotow. "Unternehmen können nur dann davon profitieren, wenn die Anfragen qualitativ hochwertig sind und der Bewertungsprozess als kompetent und transparent wahrgenommen wird", konkretisierte Rüdiger von Rosen vom Deutschen Aktieninstitut den Verbesserungsbedarf. Laut den beiden Experten werfen zudem regulatorische Voraussetzungen Fragen auf. Von Flotow verwies im Zuge dessen auf den vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) angestrebten "Nachhaltigkeits-Kodex", im Rahmen dessen derzeit diskutiert werde, ob eine gesetzliche Verpflichtung angemessen oder sogar erforderlich sei. "Das Thema ist auch von der Politik als Feld für neue Regulierungsaktivitäten entdeckt worden", fuhr von Rosen fort. Dabei gehe die Tendenz aber zu einer gewissen Überregulierung. "Der Kodex wäre nur dann eine absolut sinnvolle Initiative, wenn er auf einen freiwilligen Verhaltensstandard abzielt."

Anzeige
Quelle: dpa
  • Video

Panorama „Terrex 2012“: Alpenländer proben den Ernstfall

Drei Tage lang haben Rettungskräfte und Soldaten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an einer Katastrophenschutzübung teilgenommen.