Bundespräsident Horst Köhler hat den Banken vorgeworfen, die Weltfinanzmärkte zu einem „Monster“ entwickelt zu haben. Teilen Sie diese Ansicht?


Bundespräsident Horst Köhler hat den Banken vorgeworfen, die Weltfinanzmärkte zu einem „Monster“ entwickelt zu haben. Teilen Sie diese Ansicht?

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Letzter Beitrag 21-05-2008, 11:53 von dingo. 23 Antworten.
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  •  14-05-2008, 10:21 17359

    Diskussion zur Umfrage:
  •  14-05-2008, 12:11 17364 Antwort zu 17359

    Jonas ist nicht online. Letztmals aktiv: 08-09-2008, 15:33 Jonas
    Top 10 Mitwirkender Registriert am 15-05-2007 Beiträge 868
    Natürlich, aber der Mann ist erst viel zu spät zu dieser Einsicht gekommen.
    Schon als es share holder value hiess, wussten die Schlaueren, daß der Finanzmarkt ein Monster für die Gesellschaft ist.
    Und die Bewertung eines Unternehmens durch Multiplikation des Preises der letzten gehandelten Aktie mit der
    Gesamtzahl aller nicht gehandelten zu berechnen ist seit je her aberwitzig und Ursache für die vollkommenen
    Realitätsverlust der Banker.
    Gut, solche Leute steckt man normalerweise in die Psychatrie und kümmert sich nicht mehr drum,
    aber gerade die Mächtigen dieser Gesellschaft haben den Kasinozockern der Börsen den gewaltigsten Einfluss auf die
    Gesellschaft ermöglicht, den eine gesellschaftliche Gruppe haben kann.
    Wer erst jetzt, ein paar Wochen nach der Krise, zu seiner Schlussfolgerung kommt, hat bisher offenkundig nicht
    aufmerksam genug hingeschaut.
  •  14-05-2008, 13:12 17366 Antwort zu 17359

    dingo ist nicht online. Letztmals aktiv: 27-07-2008, 7:52 dingo
    Top 50 Mitwirkender Registriert am 14-05-2008 Beiträge 74
    endlich ein gutes Wort.

    Habe der Bundesbank und etlichen Banken, die in dieser Zockerei dabei sind, seit Jahre zu erklaeren versucht, dass die Globalisierung basierend auf zeitgleichen Computersystem dazu fuehrt, dass jeder nur noch jeden ueber den Tisch ziehen will. Ausserdem: die Anwaelte, die die Vertraege entwerfen, habe gerade wieder einen von der Deutschen Bank erhalten (Anwalt in Delaware), schuetzen nur die Interessen des Kapitalnehmers, der Geber wird guten Worten (nicht einklagbar) abgespeist. Die Ratingagenturen haben total versagt ebenso wie die Aufsichtsbehoerden. Gut das die Zentralbanken bereit standen. Ohne die waeren wir heute Pleite.

    Das Ganze muss auf den Prufstand. Selbstregeln kann das der Markt oder die Beteiligten nicht.

    Was ich vorschlage ist:

    alle Kassegeschaefte laufen weiter.

    Alle Termingeschaefte muessen auf Handelsgeschaefte beschraenkt werden.

    Die Kreditschoepfungsspielraeume (Liquiditaetsgrundsaetze) muessen wesentlich enger gefasst werden.

    Ich weiss, dass das tausenden von Haendlern den Job kostet, aber was ist wichtiger? Ein Kasino, das sich vielleicht schon bei der naechsten Krise selber frisst und uns alle mit?

    Ich habe Ende letzten Jahres bei allen mir bekannten Banken und Broker gefragt wem kann ich noch vertrauen. Die offiizielle Antwort war: niemandem ausser uns (Gespraeche werden aufgezeichnet), die private Antwort war: keinem.

    Und so kaufe ich jetzt nur noch Aktien oder Anleihen. Und das nicht ueber Fonds, die ja ihrem Tagesgeschaeft keiner Kontrolle unterliegen, sondern ganz einfach fuer mein Depot. Das ich hoffentlich bei einer Bank habe, die keine Leichen im Keller hat.

    Uebrigens, die bisher bekannten Verluste enthalten noch nicht die Haelfte der Wahrheit.

    Eigentlich brauchen wir eine globale Zentralbank ebenso wie ein globales Finanzamt.........


    Ihr
    Dingo
  •  14-05-2008, 13:38 17369 Antwort zu 17359

    123Jochem ist nicht online. Letztmals aktiv: 14-05-2008, 13:46 123Jochem
    Nicht gereiht Registriert am 14-05-2008 Beiträge 1
    Ja, Bundespräsident Horst Köhler hat vollkommen recht!
    Warum brauchen wir dieses "Teufelszeug" (Hedgefonds, Fonds, Zertifikate, Derivate aller Art - kurz alle "neuen" Produkte) überhaupt?
    Sie machen nur die bestehenden "alten" Märkte und auch die "neuen" Märkte kaputt!

    Ja, durch die Hebel und das schnelle Geld kann man größere Gewinne machen, Renditen über 10%. Aber nur, wenn man zum richtigen Zeitpunkt ein und aussteigt. Wer schafft dies schon über lange Zeit und immer wieder. Durchschnittlich werden die Meisten unter 10% liegen. Dies ist auch schnell erklärt: Früher gab es Aktien, Renten, evtl. noch Festgeld und Optionsscheine (mit Endlaufzeit!). Heute gibt es immer wieder neue Produkte / Trends, in die kurzfristig Geld fließt, die Produkte stark im Preis steigen, Blasen bilden und platzen, und danach nie wieder hoch kommen. Weil es gibt ja neue Produkte / Trends in die das Geld abwandert um wieder das Gleiche zu tun.
    Früher konnte man Kriesen (Korrekturen) aussitzen, irgendwann kamen die Werte wieder, heute geht dies nicht mehr. Also ein Argument in Blue Chips, in die alten Basiswerte zu gehen? Auch dort ist nicht mehr alles wie früher, da ja so viel Geld in diese neuen Produkte abwandert fehlt es natürlich an der Basis.

    Früher hat ein Spekulant (überhaupt nicht negativ gemeint) mit seinem Geld spekuliert, evtl. mit Kredithebel, wenn er das Risiko liebte. Aber es war sein Geld! Heute sind die größten Spekulanten Fonds-, bzw. Hedgefondsmanager, leider verdienen sie Geld, egal wie es für ihre Fonds läuft. Also sie spekulieren mit fremdem Geld! Klar verdienen sie mehr wenn es gut läuft (noch mehr Geld), aber sie können auch gut leben, wenn es schief geht, oder?

    Aus früheren Beiträgen lernt man - nicht nur kritisieren - sondern konstruktive Vorschläge machen:
    Und jetzt kommts: Fonds, insbesondere Hedgefonds, alle Derivate und Zertifikate verbieten / abschaffen.
    Wer schreit jetzt auf? Nur diejenigen die mit diesen Produkten Geld verdienen und wer ist das? Banken, Fonds und ähnliche Gesellschaften.

    Moment mal, auch mit Aktien, Renten und evtl. noch Optionsscheinen kann man Geld verdienen. Natürlich nicht so verschleiert wie zur Zeit.

    Wenn wir die neuen Produkte schon nicht verbieten oder abschaffen können, dann aber die Kontrollen deutlich erhöhen. Warum dürfen Hedgefonds machen was sie wollen - Geld verdienen und dann Pleite gehen? Warum dürfen Geldmarktfonds in Immobilienwerten investieren und müssen nicht wie ursprünglich geplant in Festgeldern bleiben? Wo waren die Kontrollen?

    Wenn das investierte Geld sich auf viele Produkte und immer wieder neue Produkte verteilt, dann bleibt zu wenig Geld übrig für die Basiswerte (Blue Chips), und dadurch können alle am Ende nur zu kurz kommen!

    Heute geht das Geld z.B. in Zertifikate, diese steigen an, bilden Blasen und platzen. Das übrig gebliebe Geld geht in neue Produkte, die alten werden nie wieder hoch kommen. Früher konnte man Kriesen / Korrekturen (Konjunkturschwankungen) "aussitzen" irgendwann kamen die Papiere wieder hoch! Heute geht das nicht mehr, für die "Basis" ist zu wenige Geld da, da es in andere Produkte verteilt wird und diese anderen Produkte steigen, fallen tief und kommen nie wieder. Auf lange Sicht wird dieses "Teufelszeug" bei keinem Investor mehr Durchschnittsrenditen bringen, die man bekommen könnte, wenn alle zur Verfügung stehenden Gelder nur in die Basistitel investiert würden!

    Also zurück zur Basis!
  •  14-05-2008, 13:41 17371 Antwort zu 17359

    hrg aus ch ist nicht online. Letztmals aktiv: 05-08-2008, 21:43 hrg aus ch
    Top 150 Mitwirkender Registriert am 09-01-2008 Beiträge 7
    Die Politik sollte "ordentliche" Rahmenbedingungen für die Wirtschaft und Finanzwelt schaffen, sich aber sonst bedingungslos heraushalten.
    Politiker verstehen nichts von Wirtschaft, sonst wären sie nicht Politiker geworden, sondern hätten in der Wirtschaft ihren Weg gemacht.
    Gerade Herr Köhler sollte mit seinem beruflichen Hintergrund schweigen. Er hätte es in der Vergangenheit in der Hand gebabt, Vorgänge im deutschen Landesbank- und Sparkassensektor zu ändern. Erreicht hat er aber auch nichts. Jetzt Kritik üben ist hinterhältig.
  •  14-05-2008, 13:48 17372 Antwort zu 17366

    wanneslier ist nicht online. Letztmals aktiv: 14-05-2008, 14:49 wanneslier
    Nicht gereiht Registriert am 14-05-2008 Beiträge 1
    Dummheit erwartet man nicht bei einen Bundespräsidenten.
    Es ist nicht so dass die Banken keine Fehler gemacht haben. Gans grosse sogar.
    Aber seine Ausserungen beweisen das er kleine Kentnisse hat worüber es hier überhaupt geht.
    Schade.
    So können alle Beteiligten sich schützen, weil er dummes Zeug redet.
  •  14-05-2008, 14:45 17377 Antwort zu 17366

    dingo bringt die Dinge auf den Punkt:
    "...wem kann ich noch vertrauen. Die offiizielle Antwort war: niemandem ausser uns (Gespraeche werden aufgezeichnet), die private Antwort war: keinem."
    Das gilt aber nicht nur für den Bankensektor und grosse Teile der Wirtschaft sondern auch für viele Leistungen der öffentlichen Hand, auch wenn der Rechtsstaat eigentlich alles klar machen sollte, was er nicht tut. Daher die Frage: wenn man von den wirklichen wirtschaftlichen Leistungen alle diese abziehen würde, was bliebe dann übrig? Und: können wir uns das noch leisten?
  •  14-05-2008, 14:56 17378 Antwort zu 17359

    Wu-Fu ist online. Letztmals aktiv: 08-09-2008, 16:33 Wu-Fu
    Top 25 Mitwirkender Registriert am 05-03-2008 Beiträge 218
    Redaktion:
    Diskussion zur Umfrage:


    Ich denke Bundespräsident Köhler ist ein sehr gutes Vorbild, wie good governance (Kontrollmechanismus) zu verstehen ist. Es stimmt in Deutschland haben Politiker (agents) mal richtig etwas gegen den Wand gefahren und versuchen sich in Fahrerflucht - Das kann man nicht durchgehen lassen, weil der Schaden nunmal keine "Peanuts" sind, sondern dicke Steuermilliarden in den Sand gesetzt wurden.

    Herr Köhler beschäftigt sich doch nicht mit ein Finanzmarktfluktuationen, sondern adressiert, schon auf Grund seine Profession, mit der Finanzmarktstabilität - Ja, das ist so eine Art Wirbelsäule der Weltwirtschaft von der Deutschland ziemlich abhängig ist.

    Ich möchte hier vielleicht nochmal ein Anmerkungen ablassen:

    - Änderungen bezüglich der Eigenkapitalunterlegung ist insbesondere für Derivative-Handel wichtig. Wie wir gesehen haben, können ganz große Finanzintermediäre pleite gehen, weil diese Margin Calls bei extremen Änderungen der Volatilitäten auf den Underlyings nicht bedienen können. (Financial Engineering)

    - Finanzintermediäre sollte per Rechnungslegungsstandard ein Verbot erhalten außerbilanzielle Geschäfte ab einem gewissen Gesamtvolumen in Relation zur Bilanzsumme durchzuführen. Sprich die Banken werden gezwungen solche Projekte in die Bilanz zu nehmen. Investoren erhalten dadurch höhere Transparenz. (Rechnungslegung)


    Der Vorschlag eine Zentralbank aus den größten Landesbanken zu schmieden, kann ich mir zwar konzeptionell eben nicht so vorstellen. Aber dann hätten diese Landesbanken endlich mal eine konkrete Aufgabe, sprich eine Strategie. Die Sorgen, dass ja dann irgendwelche Finanzierungsaufgaben entfallen besteht nicht, weil ja die Sparkassen dezentral das übernehmen können - Also das finanzieren, was regional wichtig ist, was Sparkassen ohnehin machen.






  •  14-05-2008, 20:15 17400 Antwort zu 17359

    Noppe ist nicht online. Letztmals aktiv: 17-05-2008, 7:19 Noppe
    Nicht gereiht Registriert am 14-05-2008 Beiträge 1
    Ich denke, dass wir das heutige Phänomen nicht mehr nur mit der Tätigkeit der Banken und Zusammenhängen erklären können, die die Finanzwelt betreffen.

    Seit geraumer Zeit - und das hat m.E. viel mit der mittlerweile großen Anzahl von ausgebildeten Finanzwirtschaftlern zu tun - bewegen sich Unternehmen und auch Staaten anders als noch vor Jahren. Die meisten Unternehmen zocken und wenn es gut geht, verdienen sie damit eine Menge Geld. Hat man sich vor 30 Jahren vielleicht gerade mal gegen Währungsspekulationen abgesichert, so wird heute auf alles gesetzt, was sich bewegen kann. Hinzu kommt, dass die vielen Fondsgesellschaften immer aktiver den ersten Wirtschaftskreislauf beeinflussen, ob nun über die Börse oder nicht, Fakt ist, die verschmelzung von Finanz- und Industrie- oder Handelskapital wird immer größer mit mit Verwerfungen, die wir uns früher noch nicht vorstellen konnten.

    Bei politischen Entscheidungen nur auf die Globalisierung Rücksicht zu nehmen, reicht nicht aus, der Staat hat viele eigene Interessen und die der Lobbyisten.

    Die aktuelle Umfrage hier nach der Zukunft des Ölpreises halte ich für etwas kindlich. Es ist für die handelnden Akteure kein Problem, den Ölpreis auf 1000 $ pro Barrel zu pushen. Alle spielen mit und an solchen Transaktionen kann man gut verdienen.
    Hier liegt für mich auch die Antwort im Spiel. Der Einsatz darf sich nicht mehr lohnen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten, ob das Steuern sind oder Zölle.
  •  15-05-2008, 2:03 17407 Antwort zu 17359

    Wu-Fu schrieb:"Die Emittenten (was nicht alle Banken machen) entwickeln solche Konstrukte wenn es mit relativer hoher Wahrscheinlichkeit einen Absatzmarkt gibt und die Börsenzulassung erfolgt."
    Selbstverständlich gilt die Vertragsfreiheit der Kontrahenten solange sie nicht die Sittenwidrigkeit verletzt. Nun ist es aber so, und das hat dingo angesprochen, dass hier genau an diesem Punkt eine Sicherung durch ist. Nicht nur bei den Banken. Fasse es der es fassen kann.
  •  15-05-2008, 2:19 17408 Antwort zu 17378

    Wu-Fu schrieb: "Finanzintermediäre sollte per Rechnungslegungsstandard ein Verbot erhalten außerbilanzielle Geschäfte ab einem gewissen Gesamtvolumen in Relation zur Bilanzsumme durchzuführen. Sprich die Banken werden gezwungen solche Projekte in die Bilanz zu nehmen. Investoren erhalten dadurch höhere Transparenz. (Rechnungslegung) "
    Das geht in Ordnung so. Wird aber trotzdem nicht viel helfen. Keinem im Verwaltungsrat der IKB oder der Landesbanken wäre hier etwas aufgefallen, wenn die Geschäfte der Zweckgesellschaften in der Bilanz geführt worden wären. Und Ihr Verweis, dass hier eben die Gier dem "Produkt"auf den Leim gegangen ist beinhaltet genau den Verweis, dass mit dem "underlaying" der Produkte eben etwas nicht mehr stimmt.
  •  15-05-2008, 4:50 17409 Antwort zu 17359

    dingo ist nicht online. Letztmals aktiv: 27-07-2008, 7:52 dingo
    Top 50 Mitwirkender Registriert am 14-05-2008 Beiträge 74
    Lieber Realist:

    wenn wir das Gazne zusammenfassen dann ertgibt sich:

    verkauft wird, was sich verkaufen laesst. Richtig.

    Dazu braucht man:

    1) Jemanden der was verlkaufen will und der die Willigkeit der Kaeufer testet
    2) Kaeufer, die das Angebotene pruefen und fuer gut befinden.

    Soweit so gut.

    Was ist nun schief gegangen:

    Die Verkaeufer haben, mit Auge auf die enorme vagabundierende Liquiditaet, Produkte geschmiedt, die gut klingen, Nichts wert sind.
    Die Kaeufer haben Profit aus Anlagen gesucht....und gedacht, sie gefunden zu haben.
    Und die staatliche und private Aufsicht hat geschlafen.

    Was ist die Konsequenz:
    1) Wir machen weiter, wie bisher und rennen glatt in die naechste Krise.
    2) Die Finanzwirtschaft ist geschwaecht, was ein Krisenmanagment naechstes Mal schwerer macht,
    3) die Haendler, die das Ganze Spiel betrieben haben, sind, mit ein oder zwei Jahren Bonus im Ruhestand.

    Die Haendler machen das doch nur, weil sie ihren Bonus sehen. Zwei davon und es reicht. Haetten die ein schales Einkommen und muessten sie Jahrzehnte arbeiten um ihre Familie zu ernaehren, wuerden sie anders denken und handeln.

    Was muessen wir tun?

    1) Die Verguetungen drastisch reduzieren.
    2) Die gesetzlichen Regelungen global (und da liegt ein Problem, weil die Staaten ja konkurrieren, um die Finanzindustrie zu sich zu holen)
    verschaerfen, was Zulassungen und Kreditschoepfung angeht
    3) alle unregistrierten Produkte (Hedge Funds) vom Handel ausschliessen.
    4) Ein globales Handelsgesetz einfuehren, nach dem sich Vertraege beurteilen und einklagen lassen. (Habe gerade einen Vertrag gelesen, der nach Delaware Recht ist und eine Garantie beinhaltet, die nach deutschem Recht ist. Niemals einklagbar.)
    5) Harte Strafbestimmungen.

    Nehmen wir doch die Anregung des Bundespraesidenten auf und machen was draus.

    Ihr
    Dingo
  •  15-05-2008, 7:55 17410 Antwort zu 17359

    Realist ist nicht online. Letztmals aktiv: 08-09-2008, 12:44 Realist
    Top 10 Mitwirkender Registriert am 15-05-2007 Beiträge 742
    @ Dingo

    Financial Times Deutschland und Rheinische Post, um nur zwei zu nennen, sehen das ebenso wie ich es gestern beschrieb!

    Das macht halt den Realisten aus ....!

    mfg Realist
  •  15-05-2008, 10:46 17416 Antwort zu 17410

    Jonas ist nicht online. Letztmals aktiv: 08-09-2008, 15:33 Jonas
    Top 10 Mitwirkender Registriert am 15-05-2007 Beiträge 868
    Realist:
    FTD und RP, um nur zwei zu nennen, sehen das ebenso wie ich es gestern beschrieb! Das macht halt den Realisten aus ....!

    Pah, bezahlte Schreiber :-)

    Das Problem liegt tiefer, nicht in Hebelprodukten, sondern im kolossalen Ausblenden der Realität bei Bankern.
    Sie glauben, an der Börse könne man gewinnen.
    Das ist ein fataler Irrtum, die Volkswirtschaft kann an der Börse genau Null Komma Nix gewinnen, denn für jeden Gewinner gibt es auch einen Verlierer, das ist wie beim Pokern (und das Kasino ist der einzige der verdient).
    Man muss sagen, jeder, der an die Börse geht mit der Vorstellung "Ich verdien' hier mal 10 (Tsd/Mio/Mrd, je nach Größenwahn)" geht dort eigentlich hin mit dem Vorsatz "Ich such einen Idioten der 10 (Tsd/Mio/Mrd) verlieren will."
    Die meisten Verluste sind zwar, ebenso wie die meisten toll herausgestellt berichteten Gewinne, nur virtuelle Zahlen, Buchverluste, aber real hat die Börse leider trotzdem einen Einfluss auf die Gesellschaft: Weil solche virtuellen Werte in den Unternehmenszahlen auftauchen.
    Ebenso wie der schon geschilderte vollkommen realitätsbefreite Unternehmenswert (Aktienanzahl * Kurswert, statt z.B. Dividende / Umlaufrendite) haben sich Banker eine virtuelle Welt aufgebaut, leben in ihr, und glauben sie wäre die Realität, das ist ähnlich wie Second Life, doch dort wissen die Spieler um die Virtualität, der Realitätsverlust der Banker liegt tiefer in der Psyche, ähnlich dem Realisten.
  •  15-05-2008, 14:53 17424 Antwort zu 17410

    @ Realist
    "
    Financial Times Deutschland und Rheinische Post, um nur zwei zu nennen, sehen das ebenso wie ich es gestern beschrieb!

    Das macht halt den Realisten aus ....!"

    Nur weil FTD und RP etwas schreiben,ist das nicht richtig und das gewaltige Problem nicht geklärt.

    Das Problem liegt in den Risiken, die durch Banken hervorgerufen werden, und wie Banken rechnen.

    Banken machen die Erfahrung, daß z.B. 2% ihrer Kredite unwiederbringlich sind. Wenn also Anleger 100 € anlegen, können die Banken diese 100€ theoretisch auf z.B. 5000 € aufblasen, um diese auszuleihen.Selbst wenn sie diese 5000 nur mit 5% ausleihen, verdienen sie damit 250 € p.a.
    Bei einer Ausfallquote von 2% p.a. gehen 100€ von den ausgeliehenen 5000 € über die Wupper. Dann muß man auch noch dem Anleger 5€ an Zinsen zahlen. Unterm Strich bleiben der Bank immer noch 145€ an Deckungsbeitrag.

    Das geht solange gut, solange die Wirtschaft floriert und eine geringe Zahl von Krediten ausfällt. Wenn aber plötzlich 10% der Kredite dubios werden und die Sicherheiten (Immobilien) an Wert verlieren ist die bekannte K...e am Dampfen.

    Zentralbanken müssen daher überwachen, wieviel Geld ausgeliehen wird.
    In den USA sind dabei abstrus hohe Möglichkeiten gegeben. Außerdem ist im Gegensatz zu uns (Beleihungsobergrenze 60% einer Immobilie) dort 100% und mehr realisiert worden.
    Die Gefahr bei mangelndem Wachstum ist enorm. Ausländische Banken, die in den USA Geld anlegen oder Währungsreserven in $ halten wurden in der Vergangenheit um viel Geld gebracht. Vor 40 Jahren lag der Dollar noch bei 4 Mark, heute liegt er bei 70 Cent. Dieser schleichende Verfall des Dollars kostete Deutschland und Japan Milliarden und wird auch China Milliarden kosten. Gleichzeitig zwingen die Amerikaner die anderen Länder in den USA Produktionsstätten aufzubauen, wenn sie ihre Produkte noch in den USA mit Gewinn verkaufen wollen.

    Die USA wissen durchaus, wie sich Gewinne nationalisieren und Verluste internationalisieren lassen. Schließlich wird der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften nahezu ausschließlich an Amerikaner vergeben.

    So, jetzt ist der Realist dran einem Bäcker zu erklären wo er lieber bei seinen Semmeln bleiben soll
  •  15-05-2008, 15:41 17425 Antwort zu 17409

    Realist ist nicht online. Letztmals aktiv: 08-09-2008, 12:44 Realist
    Top 10 Mitwirkender Registriert am 15-05-2007 Beiträge 742
    dingo:


    Was muessen wir tun?

    1) Die Verguetungen drastisch reduzieren.
    2) Die gesetzlichen Regelungen global (und da liegt ein Problem, weil die Staaten ja konkurrieren, um die Finanzindustrie zu sich zu holen)
    verschaerfen, was Zulassungen und Kreditschoepfung angeht
    3) alle unregistrierten Produkte (Hedge Funds) vom Handel ausschliessen.
    4) Ein globales Handelsgesetz einfuehren, nach dem sich Vertraege beurteilen und einklagen lassen. (Habe gerade einen Vertrag gelesen, der nach Delaware Recht ist und eine Garantie beinhaltet, die nach deutschem Recht ist. Niemals einklagbar.)
    5) Harte Strafbestimmungen.

    Nehmen wir doch die Anregung des Bundespraesidenten auf und machen was draus.

    Ihr
    Dingo


    Lieber Dingo!

    Wie das praktisch aussehen soll, Ihre 5 Punkte umzusetzen, wäre interessant.

    Um konkret zu sein: Das ist doch nicht realisierbar, ohne Grundfesten des Weltwirtschaftssystems zu erschüttern. Und der Populist Köhler hat ja keine konkreten, brauchbaren Vorschläge gemacht. Weder als IWF-Direktor, noch als BP. Globalschelte wie der Saar-Napoleon. Seine Anregung nach mehr "Eígenkapitalunterlegung" ist ein Scherz. Die staatlich gelenkten Landesbanken (als größte Versager) würden postwendend noch größere Summen von den Ländern verlangen - und trotz blanker Haushaltsnot der Länder wohl bekommen!

    Einen ganz wichtigen Punkt sollte man nicht vergessen: Zu keinem Zeitpunkt war das "Weltfinanzsystem" wirklich am Kippen! Im Gegenteil: Alle Menchanismen haben doch funktioniert! Die Marktkorrekturen laufen doch, wie z.B. der Abbau der zuvor geschaffenen Arbeitsplätze.

    Nur der depperte deutsche Staat füttert seine öffentlich-rechtlichen "Monster" weiter mit Staatsknete. Eine beleidigte Politikerin der SPD ist unter "Absingen schmutziger Lieder" trotzig gegangen - wohl weil sie bis heute nicht ahnt, Hauptverantwortung für das Verlustgeschäft zu haben. Mir scheint, die wusste gar nicht, dass der Aufsaichtsrat/Verwaltungsrat die Geschäftsführung zu kontrollieren hat. Erkundigen Sie sich mal, welche "Fachkenntnisse" die einschlägigen Verwaltungsratsmitglieder von Sparkassen haben!

    Leider geht der Teil der Köhlerkritik, wo er die Reform der deutschen Landesbanken anfordert, ziemlich unter. Das bringt nämlich keine öffentliche Anerkennung, Landesbanken durch Verkauf zu "Privat-Montern" zu machen. Das will der Staat nicht. DA spekuliert er selbst auf bessere Zeiten und einen höheren Preis! (Warum sprach Köhler nicht vom "Monster Staatsbanken"? Vielleicht weil die kräftig mitgezockt und am meisten verloren haben?)

  •  15-05-2008, 15:52 17426 Antwort zu 17416

    Realist ist nicht online. Letztmals aktiv: 08-09-2008, 12:44 Realist
    Top 10 Mitwirkender Registriert am 15-05-2007 Beiträge 742
    Jonas:
    ....... für jeden Gewinner gibt es auch einen Verlierer, das ist wie beim Pokern ............


    Wer hier öfter liest muss wissen, dass ich kein Fan von Risikoprodukten bin. Aber was Sie da schreiben ist natürlich kompletter Unsinn:

    Selbstverständlich muss es nicht immer Verlierer geben. Schon mal etwas von der ganz normalen Kapitalbeschaffungsfunktion der Börse gehört? Ein Unternehmen wächst, wird börsenreif, macht sein IPO (Initial Public Offering), wächst weiter, zahlt Dividende an die Aktionäre und entwickelt sich irgendwie "normal", mit allen Höhen und Tiefen. Wo bitteschön sind in diesem weit verbreiteten Modell die Verlierer?

    Die Börse, wie sie von linken Systemkritikern gesehen wird, gibt es so nicht!

    Siew schrieben: "Die meisten Verluste sind zwar, ebenso wie die meisten toll herausgestellt berichteten Gewinne, nur virtuelle Zahlen, Buchverluste ....., "

    Könnten Sie das etwas genauer ausführen? Was sind "Buchverluste" und was sind "virtuelle Zahlen" in den Bilanzen? Und was verstehen Sie unter "Unternehmenswert"?

  •  16-05-2008, 16:12 17481 Antwort zu 17426

    Jonas ist nicht online. Letztmals aktiv: 08-09-2008, 15:33 Jonas
    Top 10 Mitwirkender Registriert am 15-05-2007 Beiträge 868
    Realist:
    Selbstverständlich muss es nicht immer Verlierer geben. Schon mal etwas von der ganz normalen Kapitalbeschaffungsfunktion der Börse gehört? Ein Unternehmen wächst, wird börsenreif, macht sein IPO (Initial Public Offering), wächst weiter, zahlt Dividende an die Aktionäre und entwickelt sich irgendwie "normal", mit allen Höhen und Tiefen. Wo bitteschön sind in diesem weit verbreiteten Modell die Verlierer?

    JEDES Unternehmen gibt es eines Tages nicht mehr. Die Anteilsscheine werden an diesem Tag 0 wert sein. Bis dahin müssen die Anteilsscheine nicht nur ihren Kaufpreis abgeworfen haben, sondern so viel Dividenden etc. eingebracht haben, daß sich die Geldausgabe im Vergleich zu anderen Geldanlagen gelohnt hat, zumindest also mehr als Inflation. Da Börsianer sich aber nicht mehr an Dividendenrendite orientieren, wird sich eine Aktie nicht so lohnen.

    Realist:
    Könnten Sie das etwas genauer ausführen? Was sind "Buchverluste" und was sind "virtuelle Zahlen" in den Bilanzen? Und was verstehen Sie unter "Unternehmenswert"?

    Wenn es an einem Tag wieder heisst, an der Börse wären heute wieder Milliarden vernichtet worden, sind das virtuelle Zahlen, Buchverluste.
    Wirklicher realer Verlust tritt erst ein, wenn jemand seine Aktie unter seinen Kaufpreis verkauft und dafür Geld fliest (kein Aktientausch).

    Und wenn man mal annimmt, dass eine Aktie beim IPO 10 EUR gekostet hat, und bei Aufkauf der Firma inflationsbereinigt immer noch 10 EUR kostet, dann gab es bei 10 aufeinanderfolgenden Verkäufen der Aktie zu beliebigen Kursen genau denselben Verlust wie Profit.

    "Aber eine Aktie steigt doch im Kurs" ist der übliche Unsinn den man dann hört. Auf lange Sicht: Nicht mal um die Inflation auszugleichen. (Schön am Dow Jones beobachtbar).
  •  19-05-2008, 8:56 17560 Antwort zu 17481