Brauchen wir mehr "Macher" in der Politik?

Letzter Beitrag 02-06-2008, 12:11 von Shareholder08. 8 Antworten.
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  •  15-05-2008, 23:02 17448

    Die Zeit der starken Persönlichkeiten scheint vorbei. Außer unserer Bundeskanzlerin Frau Merkel gibt es wenig Persönlichkeiten der deutschen Politik, die die Wertschätzung und den Respekt in der Gesellschaft haben. Viel zu viele "Hinterbänkler" versteifen sich auf Parteizirkel - ohne die Menschen auf der Straße von ihren Ideen überzeugen zu wollen oder auch zu können.

    Statt der Vision werden den Menschen heute kurzfristige Geschenke in der Politik verkauft. Die Zeit der kantigen Politiker mit Ecken und Kanten mit Herzensanliegen, Überzeugungen und Konzepten scheint vorbei.

    Aber das ist es wahrscheinlich auch was die heutige Gesellschaft von einem Austausch der Ideen mit den Politikern abhält.
    Es werden Konzepte in den jeweiligen Parteien entwickelt - am Ende findet sich ein Kompromiss der keinem gerecht werden kann:

    -> jüngste Beispiele: der Rentenkompromiss (weder Rentner noch die junge Generation kann mit diesem Flickwerk wirklich glücklich sein),
    die Raucher- bzw. Nichtrauchergesetze in den jeweiligen Bundesländern (nicht Fleisch, aber auch nicht Fisch) oder das Beste - die
    Mehrwertsteuererhöhung - aus einem Wahlversprechen von 0 % und 2 %-Mehrwertsteuererhöhung werden am Ende 3 %.

    -> aber auch personell sind die Bundes- aber auch die jeweiligen Landesminister nicht einmal mehr bekannt. Wer ist beispielsweise der
    deutsche Verteidigungsminister? Kennen Sie die Bundesforschungsministerin? Was macht eigentlich der Bundesumweltminister?

    -> und auch die Parteien unterscheiden sich weder personell, noch inhaltlich - aber auch nicht von ihrer Strategie und Wahlkampfführung von
    einander. Das amerikanische Merchandising, große Events und kleine Geschenke werden mithilfe einiger einflussreicher Sponsoren unter
    die Leute gebracht.

    Was ist die Reaktion in unserer Gesellschaft - immer weniger Menschen nehmen an den Wahlen teil - ein passiver Boykott des momentanen Systems.

    Ich bin überzeugt, dass sich diese Situation auch ändern würde - wenn es wieder mehr Politiker mit dem Format eines Helmut Schmidt, FJS, Otto Graf Lambsdorf/Genscher oder Josef Fischer/Trittin gäbe. An solchen Persönlichkeiten konnte man sich noch reiben - Inhalte, Funktionen und Persönlichkeiten passten bei den angesprochenen Politikern einfach zusammen. Ob man die Charaktere mochte oder nicht - man musste ihnen Respekt zollen. Wo bleiben solche Schwergewichte in der D-Politik? Glauben Sie auch, dass wir wieder mehr "Persönlichkeiten" mit Ecken und Kanten brauchen?
    Lieber3103
  •  17-05-2008, 0:36 17514 Antwort zu 17448

    Also Frau Merkel scheint mit ebensowenig Persönlichkeit wie Sarkozy, Brown oder Bush.

    In die Politik sollten die Besten eines Volkes gehen. Die Parteien lassen aber nur Mittelmaß nach oben.
    Das stößt die Besten ab. Im Nachkriegsdeutschland fanden sich noch engagierte Idealisten in der Politik. Im Nachwendedeutschland nur noch Erbsen....äh ich meine Stimmenzähler.
  •  17-05-2008, 12:27 17522 Antwort zu 17448

    HelgeHa ist nicht online. Letztmals aktiv: 22-07-2008, 14:53 HelgeHa
    Top 25 Mitwirkender Registriert am 30-08-2007 Beiträge 414
    " Glauben Sie auch, dass wir wieder mehr "Persönlichkeiten" mit Ecken und Kanten brauchen? "

    Nicht 'mehr', sondern überhaupt Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten.
    Wir erleben momentan ein Duckmäusertum, eine Drückebergerei (Beispiel Dalai Lama) ohnegleichen.
    Eine der größten Wirtschaftsnationen bekommt es nicht fertig, Flagge zu zeigen, sondern duckmäusert
    vor dem wirtschaftlichen Druck der Indstrie- und Handels-Lobbies.
    Wie in vielen Bereichen gilt: Weniger kann mehr sein. Unser Land geht nicht unter, wenn im
    Bundestag "nur" 350 Abgeordnete sitzen, die NACHweisen, was sie für Ihre Wähler eigentlich tun
    (ausser Hyper-Aktionismus vor Wahlen).

    HH
  •  18-05-2008, 12:25 17532 Antwort zu 17448

    yahel ist online. Letztmals aktiv: 23-07-2008, 22:58 yahel
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    @ Lieber3103
    Um politisch etwas sinnvoll und zukunftsweisend zu bewegen, brauchte es unabhängige Politiker, die auch bereit sind für Ziele einzustehen, für diese zu kämpfen und nicht beim leisesten Protest einzuknicken. Vor allen Dingen benötigten wir viel weniger und dem richtigen Leben viel näher stehende Politiker. Die heutige Politik ist nicht auf Zukunftsziele ausgerichtet, sondern auf Wahltermine und Kompromisse auf kleinstem Nenner. Daher auch der Hang zur Leisetreterei nicht nur im inneren, sondern auch im äußeren politischen Feld.
    Ich stimme meinen Vorrednern zu, die deutschen und europäischen Politiker geben ein eindrucksvolles Bild der Mittelmäßigkeit ab. Es sind Menschen die dem Zeitgeist folgen und darauf bedacht sind nirgendwo anzuecken oder unbequem zu erscheinen. Sie bedienen sich der Politik um persönliche und Parteiziele zu erreichen, die Wähler sind ihnen egal, lediglich Mittel zum Zweck.

    jens.muche@t-online.de
  •  19-05-2008, 21:36 17602 Antwort zu 17522

    "Wir erleben momentan ein Duckmäusertum, eine Drückebergerei (Beispiel Dalai Lama) ohnegleichen.
    Eine der größten Wirtschaftsnationen bekommt es nicht fertig, Flagge zu zeigen, sondern duckmäusert..."

    Gutes Beispiel!
    "Difficile est saturam non scribere" möchte man dazu sagen.
    Ein lächerliches Rumgeeiere war das in den letzten Tagen um diesen Besuch.
    Alle drückten sich um den Empfang herum, man will sich nicht in China unbeliebt machen.
    Schließlich wollen sie doch alle ihre Freikarten zu den olympischen Spielen haben.
    In Nürnberg war man dagegen aufgeschlossen, abseits der Weltgechichte ist man für jeden Besuch dankbar,
    selbst wenn es der Dalai Lama und Schalke 05 an einem Tag sind...beides eher mit...äh...mäßigem Erfolg!
  •  19-05-2008, 23:06 17604 Antwort zu 17522

    @ Mitredner

    "Wir erleben momentan ein Duckmäusertum, eine Drückebergerei (Beispiel Dalai Lama) ohnegleichen.
    Eine der größten Wirtschaftsnationen bekommt es nicht fertig, Flagge zu zeigen, sondern duckmäusert
    vor dem wirtschaftlichen Druck der Indstrie- und Handels-Lobbies."

    Ja, wir haben eine Abwärtsbewegung in der Moral der Politik. Die Gegner der Nationalsozialisten im 3. Reich waren noch wirkliche Persönlichkeiten die zu ihrer Überzeugung standen
    Las vor Kurzem das hochinteressante Buch von H.G. Ricardie; SS-Geiseln in der Alpenfestung - Die Verschleppung prominenter KZ-Häftlinge aus Deutschland nach Südtirol.
    Der österreichische Kanzler Schuschnigg wurde sogar freiwillig von Frau und Tochter bereits 1938 ins KZ begleitet.
    Kann man sich heute irgendjemand vorstellen, der derartige "Unannehmlichkeiten" freiwillig auf sich nimmt.

    Heute kuscht man doch schon, wenn irgendein Land mit geringeren Exportzulassungen droht. Wir Europäer sind zu einem degenerierten, satten und feigem Haufen verkommen. Da ist mir sogar ein Herr Bush lieber.
  •  20-05-2008, 11:56 17634 Antwort zu 17604

    yahel ist online. Letztmals aktiv: 23-07-2008, 22:58 yahel
    Top 10 Mitwirkender Registriert am 15-05-2007 Beiträge 1.114
    @ Baeckerbullerjahn

    "Der österreichische Kanzler Schuschnigg wurde sogar freiwillig von Frau und Tochter bereits 1938 ins KZ begleitet.
    Kann man sich heute irgendjemand vorstellen, der derartige "Unannehmlichkeiten" freiwillig auf sich nimmt."

    Das war wohl eher "freiwilliger Zwang", denn nach seinem "Besuch" beim Gröfaz auf dem Berghof hat er sich darüber gewundert, daß er noch lebt. Der Rest, nach Hausarrest und den Verhören bei der Gestapo, heißt Sippenhaft.

    jens.muche@t-online.de
  •  20-05-2008, 21:12 17671 Antwort zu 17634

    yahel:
    @ Baeckerbullerjahn

    "Der österreichische Kanzler Schuschnigg wurde sogar freiwillig von Frau und Tochter bereits 1938 ins KZ begleitet.
    Kann man sich heute irgendjemand vorstellen, der derartige "Unannehmlichkeiten" freiwillig auf sich nimmt."

    Das war wohl eher "freiwilliger Zwang", denn nach seinem "Besuch" beim Gröfaz auf dem Berghof hat er sich darüber gewundert, daß er noch lebt. Der Rest, nach Hausarrest und den Verhören bei der Gestapo, heißt Sippenhaft.


    @ yahel

    Nein, da muß ich Ihnen widersprechen. Ich glaube selbst die N....s haben 1938 noch nicht Sippenhaft geplant. Und ich glaube auch dem Autor des Buches. Frau Schussnigg ging freiwillig mit ihrem Mann ins KZ.

    Ich stimme Ihnen aber zu: Heute erscheint das so unglaublich, daß jeder versucht ein : Aber... anzufügen
  •  02-06-2008, 12:11 18240 Antwort zu 17514

    Ich teile die Meinung, dass in der Politik die Besten, d.h. diejenigen die die Interessen des Volkes am qualifiziertesten vertreten und umsetzen können, agieren sollten. Nur leider ist dieses Ideal, von etlichen beispielhaften Politikerkarrieren regelmäßig aufs Neue belegt, mit einer gewissen Utopie behaftet. Der Vergleich der Gehaltsstruktur zwischen ökonomischen und politischen Machern weist korellierend hierzu eine deutliche Abstufung auf, was fachliche Spitzenkräfte nicht unbedingt zum aufreibenden Einsatz im politischen Zirkus motiviert. Um einem gesellschaftlich weit verbreiteten und boulevardesk geförderten Aufschrei, dass die Diäten unverschämt hoch seien, vorwegzugreifen, bin ich dennoch der Ansicht, dass Politiker unterbezahlt aber überversorgt sind. Die äußerst komfortable monetäre Versorgung nach der aktiven Politikerlaufbahn verursacht exorbitante Kosten für den Steuerzahler bei keinem oder nur geringstem Nutzen. Möglicherweise könnte ein Zurückfahren der Versorgung bei gleichzeitiger Steigerung der Bezüge in der aktiven Zeit, wirtschaftliche Spitzenkräfte motivieren, sich politisch zu engagieren. Zugegeben ein gewagter Gedankengang, bei dem momentan schlechten Manager-Standing durch Veruntreuungen, Bespitzelungsaffären etc.