In Deutschland fehlen fast 100 000 Ingenieure

Letzter Beitrag 23-04-2008, 23:40 von Wu-Fu. 6 Antworten.
Beiträge sortieren:
  •  21-04-2008, 20:54 16396

    realis ist nicht online. Letztmals aktiv: 21-04-2008, 20:55 realis
    Nicht gereiht Registriert am 21-04-2008 Beiträge 1
    Ich beziehe mich auf den Beitrag:
    http://www.handelsblatt.com/News/Unternehmen/Industrie/_pv/_p/200038/_t/ft/_b/1420317/default.aspx/in-deutschland-fehlen-fast-100nbsp%3b000-ingenieure.html
    Ich selbst bin Ingenieur, seit 20 Jahren, Konstrukteur in einem Unternehmen mit 4000 deutschen Mitarbeitern .

    Woher kommt dieser Ingeniermangel, einige Anregungen:

    1. mangelndes Verantwortungsbewußtsein der jungen Generation
    es ist halt einfacher über wirtschaftliche Dinge zu labern als für techische Entscheidungen die Verantwortung zu übernehmen.

    2. völlig verfehlte Bildungspolitik in der Bundesrepublik
    Deutschland kommt mir zunehmend wie ein bildungspolitisches Entwicklungsland vor. Es fehlt das analytische, komplexe Denken. Die Schüler sind nicht mehr in der Lage Zusammenhänge zu finden, es wird nur noch dumm gelernt. Allen Problemen wird aus dem Weg gegangen.
    Harry Potter ist in der Schule wichtiger als die mathematischen Grundrechenarten.
    Die bildungspolitische Kleinstaaterei ist eine Katastrophe.

    3. Arbeitsplatzabbau im technischen Bereich der Unternehmen
    in meiner Arbeitszeit verschwende ich ca. 60 % meiner Zeit mit Tätigkeiten, die weniger qualifizierte Mitarbeiter früher erledigt haben, zu nennen sind Zeichner (1Zeichner-1 Konstrukteur wäre schon eine Verbesserung) , EDV-Mitarbeiter, Mitarbeiter im Dokumentationsbereich (gerade dieser Bereich nimmt dramatische Umfänge an) usw.

    4. mangelnde Anerkennung des Berufes
    Wirtschaftler werden in den Betrieben weit besser bezahlt, als die Ingenieure, die die Basis für die Produkte legen. Hinzu kommen die ddurch die roten Gewerkschaften erzwungenen steigenden Gehälter der Arbeiter im Vergleich zu den technischen Angestellten.

    5. verfehlte Qualifikationsrichtungen der Arbeitsämter
    wie üblich hat das Amt "Agentur für Arbeit" wieder auf der ganzen Linie versagt. Der Sinn dieser Institution erschließt sich mir immer weniger.

    6. Studium
    ich habe häufig mit Absolventen technischer Hochschulen zu tun, allgemein muß ich leider sagen daß ihr Selbstbewußtsein bezogen auf Ihren Bildungsstand enorm ist. Vielmehr positives ist selten. Wobei ich den Absolventen nicht mal immer einen Vorwurf machen will. Inwieweit die neuen Abschlüsse sich positv auswirken bleibt abzuwarten, Zweifel sind angebracht.

    Im Übrigen sollte man sich mal im Ausland umsehen, in Hochtechnologiestaaten, insbesondere bezüglich Punkt 2: Bildung!!!

  •  22-04-2008, 19:37 16466 Antwort zu 16396

    @ realis

    Der Gründe sind viele. Als besonders gravierend sehe ich an:

    1. Grundsätzlich werden von den meisten Schulabsolventen die mathematisch-technischen und naturwissenschaftlichen Studien als schwieriger angesehen, als die anderen "Wissenschaften". Nach meiner Meinung ist dies alleinige Schuld der pädagogisch unqualifizierten Lehrkräfte in diesen Bereichen. Es gibt noch immer viel zu viele Lehrer und Professoren an den Hochschulen, die ihr Fachgebiet selber nur ungenügend beherrschen, sich so arrogant benehmen, daß sie ihre Vorlesung so gestallten, daß sie in affenartiger Geschwindigkeit Dinge an die Tafel schreiben bei der niemand mitkommen kann und die mit dem Erreichen ihrer Position ihre eigene Weiterentwicklung einstellen.
    Vor Jahren war mal eine interessante Aufstellung über die Zitierungen von Wissenschaftlern durch Kollegen. Deutsche und britische Wissenschaftler (von der Zahl etwa vergleichbar) wurden etwa gleich oft zitiert. Aber: Von der Zahl der zitierten Wissenschaftler waren bei den Briten etwa 4-mal soviele wie bei den Deutschen. Wir haben noch immer zahllose Spitzenwissenschaftler, die immer wieder zitiert werden. Was fehlt ist die wissenschaftliche Breite.

    2. Der technische Studienaufbau ist nach meinem Dafürhalten noch immer zu sehr auf Abschreckung aufgebaut. Wenn in den ersten beiden Semestern noch immer 70% der Studienanfänger aufgeben, ist was am Studienaufbau falsch. Wenn einer ein derartiges Studium anfängt, hat er in der Regel in der Schule keine Schwierigkeiten in Mathe und Physik gehabt. Warum sind sie plötzlich an der Hochschule frustriert? Da hat die Hochschule ein Defizit und nicht der Student.

    3. Die jugendlichen Abiturienten erfahren, daß mit "Geldgeschäften" im späteren Leben viel mehr Geld zu verdienen ist als mit den schweren naturwissenschaftlich-technischen Studien. Warum soll man sich daher durch ein solch schweres Studium quälen? Daher studiert die überwiegende Zahl derer, die ein Hirn zwischen den Ohren hat, ein Wirtschaftsstudium. Eine in meinen Augen besonders fatale Entwicklung.

    4. Wir alle erinnern uns daran, daß Anfang der 90er Jahre prognostiziert wurde, daß eine Ingenieur- und Informatikerschwemme auf Deutschland zukomme. Das Ergebnis war, daß im Jahre 1998 die Zahl der Studienanfänger auf 40% der Studienanfänger des Jahres 1992 gesunken war. Die Auswirkungen spüren wir heute. Es dürfen aber nach wie vor allzu viele Dummschwätzer in den Medien ihre Meinungen verkünden (siehe heute abend im ZDF die Sendung, daß die nächste Sintflut kommt)

    5. Großkonzerne pflegen noch immer die Politik des Hire-and Fire, wenn die Nachfrage zurückgeht. Da werden dann halt auch Ingenieure entlassen. Da diese in der Regel keine Schwierigkeit haben, eine neue Stelle zu finden, sind sie nicht mehr verfügbar, wenn die Konjunktur beim Großkonzern wieder anzieht. Der kurzfristigen Gewinnmaximierung wird das Mittel- und Langfristdenken geopfert. Eine Schwäche der Europäer, die den Japanern half Weltmärkte zu erobern und die auch den Chinesen helfen wird.

    6. Die Politiker, die wie die Wirtschaft in kurzen Perioden denken. Zukunftssicherung in Form von optimierter Bildung unserer zukunftigen Leistungsträger wird kurzfristigem Stimmenfang durch Geschenke an Leistungsempfänger geopfert. Leistungsträger verlassen in Scharen des Land. Da könnte sich Deutschland von den USA eine Scheibe abschneiden. Die amerikanische Wirtschaft wurde durch deutsche Wissenschaft und deutsches Know-How enorm befruchtet. Welche unserer Immigranten haben unsere Wissenschaft und unsere Technologie befruchtet?

    Und verdammt noch mal, ich sehe niemanden, der daran was ändern will
  •  23-04-2008, 9:48 16491 Antwort zu 16466

    @Baeckerbullerjahn

    Absolut richtig.

    Leider fangen die Probleme schon im Grundschulbereich an und werden durch mangelhaft qualifizierte Lehrer in Sek. I und II noch verstärkt.
    Eine erfolgsabhängige Bezahlung der Lehrkräfte könnte die Motivation erhöhen einen qualitativ guten Unterricht zu machen.
    Die Wirtschaft muss mehr Verantwortung übernehmen! Über Wirtschaftsfinanzierte Lehrstühle kann auf die Qualität der Ausbildung unmittelbar Einfluss genommen werden. Hochschulen und Universitäten sind Steuerfinanzierte Dienstleister von Staat und Wirtschaft! Das muss den Damen und Herren Professoren immer wieder klargemacht werden. Ihre Aufgabe ist zuallererst die Ausbildung der Studenten, danach die Forschung und zuletzt eigene wirtschaftliche Aktivitäten. Nicht an der Zahl der Veröffentlichungen, sondern an der Zahl und Qualität der Absolventen, muss ein Lehrender gemessen werden.
    In der Gesellschaft ist die Wertschätzung für Ingenieure und Techniker gesunken. Es gibt sogar BWL/VWL-Absolventen, die alle technischen Berufe für gesellschaftlich nicht relevant halten. Hier sind auch die Medien gefragt um gegenzusteuern. Das strukturierte Finanzprodukte keine Werte schaffen, sondern nur umverteilen, sollte spätestens nach der US-Immobilienkrise allen klar sein. Die Stellung Deutschlands in der Welt ist nur über das Zusammenspiel von hervorragenden Forschern,Ingenieuren und BWL/VWLern zu halten.
  •  23-04-2008, 12:38 16497 Antwort zu 16396

    yahel ist nicht online. Letztmals aktiv: 22-08-2008, 1:03 yahel
    Top 10 Mitwirkender Registriert am 15-05-2007 Beiträge 1.137
    @ realis
    Ich habe mich schon gewundert, daß dies im HB-Forum kein Thema war/ist.

    „1. mangelndes Verantwortungsbewußtsein der jungen Generation es ist halt einfacher über wirtschaftliche Dinge zu labern als für techische Entscheidungen die Verantwortung zu übernehmen.“

    Das wird ihnen von vielen Lehrern/Vorgesetzten vorgemacht. Die Suche nach einem Schuldigen oder warum es nicht geht, ist einfacher, als eine zukunftsträchtige Entscheidung zu treffen und zu vertreten, auch wenn sie im Quartalsbericht nur Kosten ausweist.

    „2. völlig verfehlte Bildungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland kommt mir zunehmend wie ein bildungspolitisches Entwicklungsland vor. ................. Die bildungspolitische Kleinstaaterei ist eine Katastrophe.“

    Richtig, die Schüler lernen nur noch das, was zum „Erfolg“ notwendig ist, in den meisten Fällen auswendig. Nachhaltigkeit ist nicht gefragt, Zusammenhänge zu „erforschen“ macht Arbeit, die sich in keiner Note niederschlägt. Der größte Teil der Lehrkräfte fördert dieses Verhalten. Ihre im letzten Satz getroffene Feststellung ist ein Teil des Problems, ein weiterer die Herabnivelierung der Anforderungen an die Schüler, das beginnt schon in der Grundschule.

    „3. Arbeitsplatzabbau im technischen Bereich der Unternehmen in meiner Arbeitszeit verschwende ich ca. 60 % meiner Zeit mit Tätigkeiten,...“

    Viele Ingenieure werden heute in großen Firmen als Teamleiter eingesetzt und beschäftigen sich nicht mehr mit Entwicklungsaufgaben sondern mit Aufgaben, die früher ein Sekretariat oder andere Mitarbeiter für eine Abteilung erledigt haben.

    „4. mangelnde Anerkennung des Berufes
    Wirtschaftler werden in den Betrieben weit besser bezahlt, als die Ingenieure, die die Basis für die Produkte legen.“

    Die sitzen auch viel näher an der Firmenleitung. Das sind die, in deren Augen, die den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens garantieren und gleichzeitig auch mitverantwortlich sind, daß die Ausbildung von Fachkräften, Meistern, Ingenieuren unterbleibt, - aus Kostengründen.

    „5. verfehlte Qualifikationsrichtungen der Arbeitsämter wie üblich hat das Amt "Agentur für Arbeit" wieder auf der ganzen Linie versagt.“

    Das mag in weiten Teilen richtig sein, vor einigen Monaten hätte ich mit in diese Kerbe geschlagen, nur muß auch folgendes betrachtet werden. Viele Firmen melden Ausbildungsplätze an die Agentur, meldet sich ein Bewerber bei einer dieser Firmen, wird ihm mitgeteilt, daß die Firma nicht ausbildet. Der Anruf bei der Firma bringt zu Tage, daß man stattdessen zwei Hilfskräfte eingestellt hat. Die Frage nach einem Langzeitpraktikumsplatz mit dem Ziel darüber einen Ausbildungsplatz zu erreichen, wird mit Ausflüchten abgelehnt.
    Mein zwischenzeitliches Fazit: Wer nicht ausbildet oder jungen Fachkräften, Meistern, Ingenieuren keinen Arbeitsplatz bietet, muß sich über Fachkräftemangel nicht beschweren, er ist Teil des Problems.

    6. Studium
    „........., allgemein muß ich leider sagen daß ihr Selbstbewußtsein bezogen auf Ihren Bildungsstand enorm ist. Vielmehr positives ist selten.“

    Die meisten Abiturienten sind der Meinung, daß allein das Abitur sie zu begehrten, hochbezahlten Arbeitsplätzen führt. Sie glauben, daß der in der Schule anerzogene Minimalismus ausreicht im Beruf erfolgreich zu sein und mit wenig Aufwand viel Geld zu verdienen ist.

    „Im Übrigen sollte man sich mal im Ausland umsehen, in Hochtechnologiestaaten, insbesondere bezüglich Punkt 2: Bildung!!!“

    Das brauchen wir, denke ich, nicht. Es würde genügen die ideologischen Grabenkämpfe um die Schule/Bildung zu beenden und wieder zu den Wurzeln einer guten Allgemeinbildung zurückzukehren. Die beginnt im Elternhaus und zeigt, was in der Schule versäumt wurde bzw wohin die Schule in den letzten 35 – 40 Jahren abgedriftet ist.

    jens.muche@t-online.de
  •  23-04-2008, 14:05 16503 Antwort zu 16491

    yahel ist nicht online. Letztmals aktiv: 22-08-2008, 1:03 yahel
    Top 10 Mitwirkender Registriert am 15-05-2007 Beiträge 1.137
    @ zarakthuul

    „Eine erfolgsabhängige Bezahlung der Lehrkräfte könnte die Motivation erhöhen einen qualitativ guten Unterricht zu machen.“

    Huaaahh, Leistung, Erfolg, die roten Tücher für den größten Teil der Lehrkräfte. „Ob Sie was lernen oder nicht ist mir egal, ich kriege mein Geld auch so.“ Das ist die Haltung vieler Lehrer, die vermitteln sie auch noch ihren Schülern.
    Die Geisteswissenschaftler sind in den Gymnasien in der Überzahl und drängen die Naturwissenschaftler in den Hintergrund. Physik gehört zu den Fächern, das häufig ausfällt. Lehrer dafür werden von vielen Schulen gesucht, nur paßt in sehr vielen Fällen deren Fächerkombination nicht, was deren Einstellung verhindert. Dieses Land geht in weiten Teilen mit geistigem Potential um, als hätte es dies im Überfluß.

    „Es gibt sogar BWL/VWL-Absolventen, die alle technischen Berufe für gesellschaftlich nicht relevant halten.“

    Richtig, denn Meister und Ingenieure geben Geld aus um Produkte zu entwickeln und zu fertigen. Dazu benötigt man das „gewußt wie“, dies ist teuer und nach deren Meinung im Ausland viel „billiger“ zu haben.

    „Die Stellung Deutschlands in der Welt ist nur über das Zusammenspiel von hervorragenden Forschern,Ingenieuren und BWL/VWLern zu halten.“

    Made in Germany hat immer noch einen guten Klang. Wie lange noch? Man mag zum Transrapid stehen, wie man will, das Hickhack um eine Betriebsstrecke in D ist beredtes Zeichen für das Versagen dieser „Elite“. Bereichsübergreifendes Arbeiten fällt in D sehr vielen schwer.

    jens.muche@t-online.de
  •  23-04-2008, 22:02 16524 Antwort zu 16466

    @

    "Welche unserer Immigranten haben unsere Wissenschaft und unsere Technologie befruchtet?"

    Was, das wissen Sie nicht? Die aus Anatolien etc. und deren schreibunkundige Religionslehrer.

    Die Soziologie etc. hat immens profitiert, gibt es doch immens viele Studiensubjekte, die Religionswissenschaft doch auch, läßt sich direkt in einem freien Land untersuchen, warum Frauen sich mittels Religion unterdrücken lassen. Was die Technologie betrifft, so mußte die narrensicher entsprechend dem Bildungsstand der "Bildungsbilligimporte" angepaßt werden, was die Exportchancen enorm erhöhte ...

  •  23-04-2008, 23:40 16531 Antwort zu 16396

    Wu-Fu ist nicht online. Letztmals aktiv: 13-08-2008, 21:28 Wu-Fu
    Top 25 Mitwirkender Registriert am 05-03-2008 Beiträge 200
    realis:

    1. mangelndes Verantwortungsbewußtsein der jungen Generation
    es ist halt einfacher über wirtschaftliche Dinge zu labern als für techische Entscheidungen die Verantwortung zu übernehmen.


    Nein, die "junge Generation" hat noch nicht mal Ahnung von "Wirtschaft", weil man dafür fit in Erdkunde, Geschichte, aktueller Politik sein muss. Ohne solche Allgemeinkenntnisse wird kein Jugendlicher oder junge Erwachsener die weite Welt von klassischer BWL und moderner VWL nur im Ansatz "raffen" können. Selbst ein Großteil der BWL-Studenten - die dann irgendwann mal "Chef" spielen will - beschränkt sich oft das Wissen auf Pipi-Fax Management Bla Bla Sachen, wobei selbst dort eher theorieloses (=sinnfreies) Halbwissen vorzufinden ist.

    Verantwortung ist ein guter Punkt: Den Abiturienten in Deutschland wird anscheinend nicht mehr eingebläut, dass diese sich nicht an dem Ende der Gesellschaft befindet bzw. befinden wird, der als "hilfsbedürftigt" einzustufen sei. Nein diesen jungen Leute sollte eigentlich bewusst sein, dass der lieber "Papa Staat" (auch wenn es nicht so doll gerade ist) diesen jungen Leuten die Ausbildung bezahlt, damit diese mal Führungskräfte werden, sprich über irgendetwas "sinnvoll" entscheiden sollen - ob das am Ende technische, wirtschaftlioche, gesellschaftliche, usw. Entscheidungen sind ist dabei vollkommen egal.


    realis:

    2. völlig verfehlte Bildungspolitik in der Bundesrepublik
    Deutschland kommt mir zunehmend wie ein bildungspolitisches Entwicklungsland vor. Es fehlt das analytische, komplexe Denken. Die Schüler sind nicht mehr in der Lage Zusammenhänge zu finden, es wird nur noch dumm gelernt. Allen Problemen wird aus dem Weg gegangen.
    Harry Potter ist in der Schule wichtiger als die mathematischen Grundrechenarten.
    Die bildungspolitische Kleinstaaterei ist eine Katastrophe.


    Gehen Sie doch mal in eine Haupt-, Realschule oder Sekundarstufe und fragen Sie mal wie viel Chemie, Physik, Biologie oder Informatik die ganzen Jugendliche zu abbekommen - Von nichts kommt auch nichts... An der RWTH Aachen sollen sogar die angehenden Studenten "Nachhilfe" in Fächern bekommen, was eigentlich mal Stoff der Oberstufe war... Es ist doch großer Blödsinn, wenn der gewöhnliche nicht (naturwissenschaftlich interssierte) Abiturient noch nicht mal Differentialgleichungen berechnen kann, keinen "Schimmer" davon hat was Licht sind oder sagen kann welche Energie in einer Kohlenstoffverbindung steckt.
    Wenn Sie die aktuellen Jahrgänge mit ihren (ich gehe mal davon aus Sie sind 30 bis 40), dann sind bereits 1 bis 2 Klassen sitzen geblieben und wissen es noch nicht mal.
    Ja Punkt 2) trifft vollkommen zu. Ich würde sagen, dass noch nichtmal 20% eines Jahrganges (egal ob Haupt, Real oder Gymnasium) behaupten würde, dass diese sich für mind. 1 naturwissenschaftliches Fach "wirklich" begeistern (ohne geht es nicht). Das ist nunmal viel zu wenig um den Technologie-Standort Deutschland überleben zu lassen...

    realis:

    3. Arbeitsplatzabbau im technischen Bereich der Unternehmen
    in meiner Arbeitszeit verschwende ich ca. 60 % meiner Zeit mit Tätigkeiten, die weniger qualifizierte Mitarbeiter früher erledigt haben, zu nennen sind Zeichner (1Zeichner-1 Konstrukteur wäre schon eine Verbesserung) , EDV-Mitarbeiter, Mitarbeiter im Dokumentationsbereich (gerade dieser Bereich nimmt dramatische Umfänge an) usw.


    Haha, ich sagen nur "Qualitätsmanagement", oder meinetwegen auch "Prozessmanagement", was lediglich schicke Wörter für die alte "Made-in-Germany" Max Weber'sche Bürokratie sind... Naja, das passt nunmal auch ganz gut, weil eh alle diese Dokumente per Gesetz angesammelt werden müssen, damit irgendwann eventuell eventuell... nach 30 Jahren "da mal nachgucken" kann... Lassen Sie sich auch nicht "Knowledge-Management-Systemen" täuschen, die nichts anderes sind als die elektronische Version von Papierkriegen.

    Das mit den Mitarbeitern passt auch... In Deutschland muss alles schön "interdisziplinär" sein - Aber nicht dass das so wäre das ein Gruppen von "mehreren" Menschen mit unterschiedlichen Fachkennentnissen oder Bildungsniveau irgendwie eine gescheite Arbeitsteilung hinbekommen sollen (was Sinn machen würde)... Nein in Deutschland muss es die interdisziplinäre Eierlegende Wollmilchsau als 1 Person sein. Warum muss bitteschön 1 Elektrotechniker von Energie-, Reglungs-, Nachrichtentechnik, Mikroelektronik, usw. gleichviel Ahnung haben? Warum gibt es dafür nicht einfach 5,6,7,... Elektrotechniker die von 1 Sache "richtig" Ahnung haben, die dann zusammen arbeiten? Natürlich ist das wieder die Huhn-Ei-Frage: Es fehlen ja tausende Ingenieure....

    realis:

    4. mangelnde Anerkennung des Berufes
    Wirtschaftler werden in den Betrieben weit besser bezahlt, als die Ingenieure, die die Basis für die Produkte legen. Hinzu kommen die ddurch die roten Gewerkschaften erzwungenen steigenden Gehälter der Arbeiter im Vergleich zu den technischen Angestellten.


    Nanaa, Wirtschaftler? Sie meinen "Manager"... Ich denke nicht, dass im Durchschnitt signifikant besser bezahlt werden (wegen der Arbeitskräfteverknappung). Ok, vielleicht sind "Manager" ein bisschen dreister bei der Gehaltsverhandlung. In einem kleinen Betrieb kann es durchaus sein, dass zufälligerweise dem Obermanager der Laden gehört. Hinzukommt: Wieviele Ingenieure sitzen denn so in Vorständen rum? Gerade in Deutschland sind das eine ganze Reihe (zu "Manager" mutierte Ingenieure).
    Ja, aber Sie haben recht, die Karriere-Geschichte kommt nicht gerade zu Gunsten für Ingenieure daher, weil eine Manager-Karriere und eine Techniker-Karriere schon ziemlich unterschiedliche Ansprüche inne hat.

    realis:

    5. verfehlte Qualifikationsrichtungen der Arbeitsämter
    wie üblich hat das Amt "Agentur für Arbeit" wieder auf der ganzen Linie versagt. Der Sinn dieser Institution erschließt sich mir immer weniger.


    Kein Kommentar.

    realis:

    6. Studium
    ich habe häufig mit Absolventen technischer Hochschulen zu tun, allgemein muß ich leider sagen daß ihr Selbstbewußtsein bezogen auf Ihren Bildungsstand enorm ist. Vielmehr positives ist selten. Wobei ich den Absolventen nicht mal immer einen Vorwurf machen will. Inwieweit die neuen Abschlüsse sich positv auswirken bleibt abzuwarten, Zweifel sind angebracht.


    Ich stimme zu. Ein Bachelor Eng. in 3 Jahren ist verrrückt! Im Anglo-amerikanischen Raum muss man i.d.R. 4 Jahre ran, weil auch die Amis wissen, dass man in 3 Jahren keinen Ingenieur ausbilden kann - Und in 4 Jahren auch nur, wenn bereits eine fachliche Spezialisierung innerhalb der Ingenieursdisziplin nach 1 bis 2 Jahren erfolgt (Anmerk.: Um "echter" Ingenieur zu werden müssen die dann auch nochmal zur Uni und eine Prüfung ablegen). Leider haben die deutschen Unis beim Ingenieurs-Bachelor an den zeitlichen Anforderungen der sozialwissenschaftlichen Studiengänge orientiert - Das ist total absurd - und sind nicht davon abgerückt eierlegende Wollmilchsäue zu produzieren.