Warum ist Deutschland Politiker-müde?

Letzter Beitrag 14-05-2008, 22:40 von Wu-Fu. 5 Antworten.
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  •  29-04-2008, 19:07 16777

    Eine Studie der Sabel-Realschule in Nürnberg hat sich mit diesem Thema, anlässlich der jüngsten negativen Zahlen der Wahlbeteiligung bei der bayerischen Kommunalwahl, beschäftigt.

    Ein Artikel über die Erkenntnisse ihrer Untersuchung fand sich darauf in der Nürnberger Zeitung vom 28.4.2008:

    "Als wir den Leuten erzählt haben, dass wir die Politiker zur Präsentation unserer Studie einladen wollen, meinten die: ,Die kommen doch nie‘», erzählt Schülersprecherin Nadjila Behrens. Falsch gedacht: Seite an Seite sitzen prominente lokale Volksvertreter fast aller im Stadtrat vertretenen Parteien in der ersten Reihe, um sich die Erkenntnisse der Neuntklässler von der Sabel-Realschule über die mangelnde Wahlbeteiligung bei der jüngsten Kommunalwahl anzuhören. Und um sich Tipps abzuholen, wie sie ihr Klientel wieder stärker mobilisieren können.

    Bürgermeister Horst Förther (SPD) ist ebenso da wie die wiedergewählten beziehungsweise neuen Stadträte Claudia Arabackyi (SPD), Marcus König (CSU), Elke Leo (Die Grünen), Hartmut Beck (Freie Wähler) und Eylem Gün (Linke Liste). Die Guten haben mit Helmuth Dietrich auch einen Vertreter geschickt, und für die FDP schaut der Bundestagsabgeordnete Jörg Rohde vorbei.

    Nur jeder zweite Nürnberger (50,1 Prozent) hat bei der Kommunalwahl Anfang März seine Kreuzchen gemacht – das nahm die Klasse 9R auf Initiative ihres Lehrers Michael Ströhlein zum Anlass, Ursachenforschung zu betreiben. Bei strömendem Regen schwärmten die 27 Schüler am 14. März aus und befragten 1112 Nürnberger über ihr Wahlverhalten.

    819 Personen gaben dabei an, gewählt zu haben. Das sind stattliche 73,7 Prozent. So ganz trauen die Schüler diesem Ergebnis nicht – vielleicht, vermuten sie in ihrer Studie, haben sich manche der von einem schlechten Gewissen geplagten Befragten gleichsam «nachträglich entschieden», doch an der Wahl teilgenommen zu haben. Die bekennenden Nichtwähler wiederum wurden gefragt, was sich ändern müsste, damit sie beim nächsten Mal ihrer Bürgerpflicht nachkommen.

    Dabei kam heraus, dass die Befragten vor allem aus Ärger über gebrochene Wahlversprechen (Platz eins in der Tabelle der häufigsten Antworten) und bestimmte Gesetze (Platz drei) den Urnengang verweigerten. Auch die Öffentlichkeitsarbeit der Parteien (Platz vier) und die fehlenden Informationen über die aktuelle Arbeit (Platz fünf) wurden oft moniert. Überraschend häufig beschwerten sich die Bürger über die Öffnungszeiten der Wahllokale (Platz zwei). Manche gehen nicht wählen, weil sie keine exakt auf ihre Wünsche zugeschnittene Partei finden (Platz sechs), andere wünschen sich deutlichere parteipolitische Profile, um besser vergleichen zu können (Platz sieben), wieder andere finden das Wahlsystem zu kompliziert (Platz acht).

    Für all diese Argumente haben sich die Schüler Strategien überlegt und in ihrer Studie dargelegt. Einer der dringendsten Appelle an die Politiker: Sie müssen mehr Aufklärungsarbeit betreiben, so zum Beispiel deutlicher informieren, warum sich bestimmte vor der Wahl nvisierte Vorhaben doch nicht umsetzen lassen. Zudem müssten sie über mobile Partei-Büros, Partei-Stammtische oder die Möglichkeiten der elektronischen Medien auch in Nicht-Wahlzeiten näher am Bürger sein.

    Die Politiker sind für die Hausaufgaben, die ihnen die Schüler mit auf den Weg gaben, dankbar. «Vielleicht sollten unsere Stadträte noch mehr auf die Leute zugehen», sagt Bürgermeister Förther. Im Internet sei die Partei ja präsent: «Aber das hilft nichts, wenn wir nicht angeklickt werden.» Man müsse als SPD stärker auf jenen Internet-Seiten vertreten sein, die von den jungen Leuten auch aufgerufen werden.

    Die Schüler haben die Studie größtenteils in ihrer Freizeit erarbeitet. Seine Klasse war mit Begeisterung dabei, erzählt Lehrer Michael Ströhlein (35), auch am Wochenende («Ich bin immer erreichbar für meine Schüler») wurden fleißig über E-Mail und SMS Ideen ausgetauscht. «Das war Allgemeinbildung mit Spaßfaktor», erzählt Nadjila Behrens. Die 15-Jährige findet das Projekt auch deshalb wichtig, weil vor allem die jungen Leute oft an den Wahlurnen fehlen. «Wenn nur die älteren Leute zur Wahl gehen, entscheiden die über unsere Zukunft.» Früher, erzählen Nadjila und Selina Schischek (14), ihre Kollegin als Schülersprecherin, hätten sie sich auch nicht so für Politik interessiert. Jetzt aber verstehen sie mehr davon und werden auch künftig am Ball bleiben. Ebenso ihr Mitschüler Simon Caloin (17), der gerne mehr Politik im normalen Unterricht hätte. Und das ist für Bürgermeister Förther auch ein ganz wichtiger Punkt an dem Projekt der Sabel-Realschule: «Die Schüler, die da mitgemacht haben, die gehen später alle zur Wahl."

    Wie ist Ihre Meinung zur Wahlmüdigkeit der Deutschen? - Trifft Ihrer Meinung nach die Studie der Schüler den Nerv der Zeit des Wahlvolkes in Deutschland?

    a) Ich finde schon, dass die Politiker in Deutschland an der erschreckend niedrigen Wahlbeteiligung die Hauptverantwortung tragen.

    b) Die Wahlbeteiligung von über 50 % ohne Wahlzwang finde ich subjektiv gar nicht so schlecht - dass heisst doch, dass mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten wählen geht.

    c) Persönlich bin ich eher der Auffassung, dass unsere Gesellschaft dekadent und bequem geworden ist. Demokratie und gesellschaftlicher Frieden ist dem Einzelnen nichts mehr wert. Wir entwickeln uns zur Egoistengesellschaft - da haben die Politiker nicht mal so viel Schuld daran (eher die Medien).

    d) Wahrscheinlich haben sowohl die Politiker, als auch das "bequeme Wahlvolk" die Verantwortung an der schlechten Wahlbeteiligung.

    e) Kein Kommentar.
    Lieber3103
  •  29-04-2008, 20:34 16782 Antwort zu 16777

    stroehli ist nicht online. Letztmals aktiv: 06-05-2008, 16:25 stroehli
    Nicht gereiht Registriert am 29-04-2008 Beiträge 1
    Hallo,

    mein Name ist Michael Ströhlein, ich bin der oben erwähnte Lehrer - gerne gebe ich weitere Auskünfte zu unserer Studie!

    mstroehlein@web.de

    Die Studie kann auch käuflich gegen eine kleine Gebühr für die Klassenkasse erworben werden.

    Grüße!
    M.Ströhlein
    Sabel Realschule Nürnberg

  •  30-04-2008, 10:21 16806 Antwort zu 16777

    Es wäre der Bevölkerung und den Politikern zu wünschen, wenn endlich die Ängste und Sorgen der Bevölkerung ernst genommen würde.

    Wichtig wäre in Sachen Politik auch, dass den Menschen reinen Wein eingeschenkt wird:

    d.h. die wirtschaftliche Lage, die Sicherheitserwartungen u. sonstige rechtliche Möglichkeiten sind der Bevölkerung zu erklären. Nicht bezahlbare Wünsche wären dann auch zurückzustellen. Nur eine "ehrliche Politik" bringt die Menschen dazu sich für Ihre Gesellschaft einzusetzen und hinter der Demokratie zu stehen und damit auch wieder an die Wahlurne zu gehen.
  •  01-05-2008, 9:29 16864 Antwort zu 16777

    Wu-Fu ist nicht online. Letztmals aktiv: 03-09-2008, 23:39 Wu-Fu
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    Tolle Aktion. Die Vorschläge an die Politiker sind sehr gut, und v.a. machbar.
    Ich finde den Punkt interessant, dass die Menschen keine "customized" Partei finden, weil es das ja auch nicht geben kann. Das ist aber mal wirklich nicht "Schuld" von Politiker, weil die Gesellschaft etwas fragmentierter geworden.
  •  11-05-2008, 9:49 17264 Antwort zu 16777

    Wenn ich mir die Diskussion um die Erhöhung der Diäten ansehe - zeugt diese von einer Instinktlosigkeit der deutschen Politiker.

    a) sie haben sich schon im November 07 die Diäten (heisst mehr - nicht wie bei Normalbürger mit Übergewicht weniger!) erhöht,

    b) die Haushaltslage nach den neuesten Gutachten für den Bund schlechter und nicht besser wird,

    c) und die Menschen in Deutschland Angst um ihre berufliche Zukunft haben.

    Da passt es meiner Meinung nach überhaupt nicht ins Bild, wenn sich die Volksvertreter selbst (ohne die Vergütungssteigerung an eine unparteiliche Institution zu übertragen) ihre eigenen Bezüge erhöhen - v. a. um diese Prozentsätze (16%).

    Wenn man dann noch bedenkt, dass jeder zweite (arme) Bundestagsabgeordnete einen sehr gut bezahlten Nebenjob hat - und auch Bundestagsabgeordnete wie Hr. Schily seine Einkünfte und deren Herkunft nicht offenlegt.

    Für den "kleinen Michl" sind solche Vorgänge unbeschreiblich. Er quittiert diese Arroganz der Volksvertreter mit einer Abstinenz an der Wahlurne.
    Lieber3103
  •  14-05-2008, 22:40 17404 Antwort zu 16777

    Wu-Fu ist nicht online. Letztmals aktiv: 03-09-2008, 23:39 Wu-Fu
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    Warum ist Deutschland Politiker-müde?

    ... weil die Politiker bereits im Jahr 2008 den Wahlkampf 2009 starten und aufhören zu ARBEITEN... Die Parteien betreiben nur noch einen taktischen Ententanz... Und dieses Theater wiederholt sich alle vier Jahre...

    ... Es wäre vielleicht sinnvoll (ist nur hypothetisch), dass CDU/CSU und SPD heute dazu "verdammt" werden bis - sagen wir mal bis 2014 - eine Regierung zu bilden. Vielleicht würden die Politiker dann wieder anfangen zu ARBEITEN ... wie gesagt das ist hypothetisch...

    Mir gehen all die Lobeshymnen auf den gerechten Anteil am Aufschwung, Rumgepfusche in der Rentenpolitik, Ingnoranz gegenüber der gemeinsamen Haushaltsplanung, Stellrädchen-Steuer-Wahlbestechungen, usw usw usw und der ganze unproduktive Quatsch der in den nächsten Monaten noch aufkochen werden so richtig auf den Keks...

    Aus meiner Sicht sind CDU/CSU und SPD schlicht unwählbar... Für 2 Jahren geleisteter ARBEIT bei einem Job Scope von 4 Jahren, fällt mir nur ein Wort ein: Fristlose Kündigung... aber das ist auch nur hypothetisch ...

    Für die Bundespolitik würde mir ja nur reichen, wenn diese Leute sich zuerst an ihre eigenen strategischen Pläne bezüglich der BRD halten würden, Maßnahmen in ihren eigenen Organisationen anfassen, und auch mal konsequent genug wären auch zu den "unpopulären Schattenseiten" von Maßnahmen stehen würden...

    Für die Landespolitik würde ich mir wünschen, wenn diese zum Thema "Standortpolitik" mal über die Grenzen der BRD hinausschauen würden, die wirklich langfristigen Faktoren konsequent entwickeln und mehr Vertrauen ihren Kommunen schenken würden.

    Zu all den anderen Lobbyisten, wie Gewerkschaften, Branchenverbänden, usw.: Können Sie sich persönlich eigentlich vorstellen, dass Sie des öfteren der größte Bremsklotz für langfristige Veränderungen in der BRD sind? Können Sie eigentlich die langfristigen Konsequenzen, die aufgrund ihrer rückwärtsgerichteten und überzogenen Forderungen an die Politik entstehen, für die BRD persönlich verantworten?