Hat Siemens die künftigen Mega Themen erkannt? Ist Siemens dafür richtig aufgestellt?

Letzter Beitrag 07-07-2008, 14:40 von T.B. Ling. 7 Antworten.
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  •  01-05-2008, 0:14 16860

    Wenn man sich die Entwicklung des 2. Quartals der Siemens AG anschaut - dann mag man aus 3 Gründen nicht sonderlich zuversichtlich sein:

    a) das Ergebnis ist um 2/3 eingebrochen,

    b) die Korruptionsaffäre ist immer noch nicht im Kern aufgeklärt - die Strafe aus den USA lässt noch lange auf sich warten,

    c) eine klare Wachstumsstrategie ist nicht erkennbar.

    Aber....

    ...Siemens wäre nicht Siemens, wenn die Tradition aus 159 erfolreichen Jahren nicht auch erfolgreich in die Zukunft führen würde.

    Was ist also zu tun? - auch wieder 3 Strategien entwickeln:

    a) es müssen die Zukunftsthemen jetzt schon entdeckt und ausgebaut werden,

    b) die Organisation muss auf die Bedürfnisse des Marktes, der Kunden und der Mitarbeiter konsequent ausgerichtet werden und

    c) die Produkte müssen noch mehr über die Vorteile (Größenvorteil, Finanzierungsvorteil, Markenname) verkauft werden.

    Auch dies ist so nur blanke Theorie - aber jetzt konkret - was stelle ich mir unter den Megathemen der Zukunft vor:

    1. Wasser: ein weltweit sehr knappes Gut; die Wassergewinnung und die Wasseraufbereitung bzw. -reinigung ist eines der weltweiten Megathemen - sowohl in der Landwirtschaft, als auch in Mega immer größer werdenden Mega-Citys.

    2. Energieeinsparung: - nicht die Energiegewinnung wird in Zukunft den Erfolg eines Anlagebauers ausmachen; nein, es sind tatsächlich Innovationen im Zusammenhang mit Energieeinsparungen. Es fängt bei der Optimierung von Produktionsprozessen an, geht über den Transport von Energie ohne größere Energieverluste und hört beim Verbrauch von Computern, Hausgeräten und Wohnungen/Bürogebäuden auf.

    Und last but not least -

    3. Prävention von Fehlern/Krankheiten: Früherkennung - Diagnose. Meist ist die frühzeitige Krankheiten und Schwachstellenerkennung mit Hilfe von Diagnoseprogrammen möglich - in der Medizin, aber auch in der Produktionstechnik (Total-Quality-Anspruch).

    Alles Zukunftsfelder, die von Siemens am Rande mit bearbeitet werden - jetzt heisst es - die Schwerpunkte dort zu setzen und die Innovationen mit einander zu verknüpfen. Erkenntnisse, Software und Organisation gemeinsam nutzen.

    Aber was heisst - Siemens muss die richtige Organisation für den Markt finden? Siemens ist doch fast in allen Ländern vertreten und hat für jeden Geschäftsbereich einen Stammsitz. Wie kann ein Unternehmen näher am Kunden sein?

    Teilweise argumentiert "Siemens" heute noch: Dein Problem - unsere Lösung. Dann stellt sich heraus, die technische Lösung passt nicht genau zum Problem des Kunden. Es wird dann daraus - "Siemens technische Lösung - das zukünftige Problem des Kunden". So wird nie eine langfristige und erfolgreiche Partnerschaft.

    Also muss sich Siemens fragen: "Welche Kunden wollen wir? Welche Probleme sollen wir für unsere Kunden lösen?" Eigentlich muss Siemens seine Struktur so aufbauen, dass der Kunden im Mittelpunkt steht - bei der Lösung (ob technisch, organisatorisch oder finanziell). Dazu muss viel mehr Marktforschung über die Bedürfnisse und den Nutzen/Anwendung der Produkte betrieben werden. Wenn der Kunde eine "finanzielle Durststrecke" hat - sind Finanzierungsmodelle notwendig, etc.

    Ein Patentrezept zur "Bearbeitung der Märkte" für das gesamte Siemensspektrum gibt es nicht (Manageraufgabe - das Unternehmen) effizient auszurichten. Eines lässt sich aber aus der jahrelangen Erfahrung mit Siemens und seiner Organisation/Produkte/Management sagen: "Die Synergieeffekte zwischen den einzelnen Sparten" werden systematisch nicht genutzt - ein Potential von vielleicht weltweit 10 Mrd. Euro - es würde sich also lohnen eine Überprüfung der Synergieeffekte im Konzern Siemens anzuleiern (wenn Siemens wüsste, was Siemens weiss!).

    Und als letztes sollte Siemens sich wieder auf seine Kernkompetenzen besinnen. Wo hat das Weltunternehmen Größenvorteile, in welchen Märkten ist es die Nr. 1-3 weltweit oder in einem Marktsegment?

    Ich weiss, alles ist "kalter Kaffee" - Siemens bemüht sich ja schon seit der Ära Pierer um diese Ausrichtung - aber nicht konsequent genug. Genauso wie die Korruption systematisch und konsequent im Konzern bekämpft wird - und gleichzeitig ein Internes Kontrollsystem aufgebaut werden muss - ist die Umsetzung des Leitbildes/der langfristigen Strategie notwendig. Dann kann es wieder heissen: "Für Siemens spricht Siemens!" - und die Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden freuen sich über die langfristigen Erfolge.
    Lieber3103
  •  01-05-2008, 11:54 16870 Antwort zu 16860

    Jonas ist nicht online. Letztmals aktiv: 14-10-2008, 13:44 Jonas
    Top 10 Mitwirkender Registriert am 15-05-2007 Beiträge 910
    Siemens wird gar nichts Neues mehr entwickeln, die Zeiten sind vorbei, seit dem die Gründer von Bord gegangen sind und nun ein Management von Fuzzies eine AG regiert.

    Siemens kauft (auch und gerade im Medizinbereich) Innovationen nur ein. Es lässt kleine und innovative Firmen das Risiko tragen, und greift erst zu, wenn bei 1 von 1000 was Vernünftiges bei rauskam. Das ist profitabel, weil die kleinen Unternehmen sich viel zu billig verkaufen, aber volkswirtschaftlich grober Unsinn, weil 800 der 1000 Unternehmen gar nicht die Kenntnisse für ein erfolgreiches Produkt haben aber es trotzdem probieren, und alle diese 1000 Unternehmen viel zu klein sind, um große Projekte vorfinanziert stemmen zu können - also genau das, wofür ein grosses Unternehmen wie Siemens eigentlich in der Volkswirtschaft vorgesehen ist. Nur Siemens drückt sich drum, weil dem Management jegliches Risiko zu hoch ist, und denen als BWLer natürlich sowieso die Kenntnisse absolut fehlen. Daher werden bestimmte Innovationen einfach nicht stattfinden, oder von Samsung und ähnlich innovativen Grosskonzernen gemacht. Die Zukunft für Siemens ist bereits abgelaufen.
  •  04-05-2008, 8:02 16938 Antwort zu 16860

    @Lieer3103; @ Jonas;

    Sie beide haben Recht - wenn Sie mehr "Innovationskraft" des "alten Dampfers" Siemens fordern.

    In Zukunft reicht es nicht aus lediglich kleine Mitbewerber vom Markt aufzukaufen und deren Produkte zur Marktreife zu bringen.

    Notwendig ist - eine Zukunftsstrategie und eine klare Ausrichtung an den Märkten.

    Siemens muss viel stärker Lösungspartner statt nur Technikpartner werden. Hierzu muss Siemens nur sich intensiver mit den Problemen/Herausforderungen seiner jetzigen und zukünftigen Kunden, des Marktumfeldes und der rechtlichen Rahmenbedingungen in den jeweiligen Ländern beschäftigen. Aus den Erwartungen der Kunden müssen die Produkte und aus den definierten Produkten die Forschungs- und Innovationsaufträge für die Produktentwicklung herausgearbeitet werden.

    Für die Märkte der Zukunft sind klare Alleinstellungsmerkmale (Zusatznutzen der Siemensprodukte) zu definieren. Genauso wie im Umgang mit Bestechung braucht Siemens ein Leitbild für die Marktausrichtung (Märkte, Kunden, Produkte, Nutzen, Mitarbeiter) - hinter dem die Mitarbeiter und die Aktionäre stehen.
  •  04-05-2008, 23:21 16962 Antwort zu 16870

    @ Jonas:

    Ich kann Ihnen bei Ihrer Einschätzung zu Siemens nur Recht geben - leider. Vorteile aus der Tatsache des Großunternehmens werden nicht gezogen. Innovationen nur zugekauft - meiner Meinung muss sich dies aus Eigeninteresse von Siemens grundlegend ändern.
    Lieber3103
  •  05-05-2008, 11:09 16970 Antwort zu 16962

    bscc ist nicht online. Letztmals aktiv: 13-10-2008, 21:33 bscc
    Top 50 Mitwirkender Registriert am 12-07-2007 Beiträge 92
    @ Lieer et al.

    Aus eigener Anschauung muß ich Ihnen bezüglich der "Innovationskraft" widersprechen.

    Als Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts Mikroprozessoren entwickelt wurden,
    haben sich an dieser Zukunftstechnologie zahlreiche Firmen mit Eigenentwicklungen beteiligt, ich erinnere an AEG, Zilog, Nat.Semiconductor und viele andere, die alle heute nicht mehr existieren. Siemens hat von Anfang an auf die Zusammenarbeit mit Intel gesetzt, im Hinblick auf die erreichbaren Stückzahlen sicher die unternehmerisch richtige Entscheidung. Daß selbst Japan, damals führend in der Halbleiterherstellung, auf Entwicklung eigener Prozessoren verzichtete, mag als weiterer Beweis dienen.

    Auf dem Gebiet der Automatisierungstechnik war Siemens mit seinen speicherprogrammierbaren Steuerungen der SIMATIC-Serien immer mit in der ersten Liga und dürfte heute auf diesem Gebiet Weltmarktführer sein.

    Es kommt also nach meiner Auffassung weniger auf die ingenieurmäßige Begeisterung für neueste Techniken die man selbst entwickelt hat an, als vielmehr auf die erzielbaren Margen in einem Massenmarkt. Und vergleicht man die Entwicklung von AEG und Siemens, so war dies bisher die richtige Verfahrensweise.
  •  03-07-2008, 18:50 19347 Antwort zu 16970

    Wu-Fu ist nicht online. Letztmals aktiv: 13-10-2008, 19:23 Wu-Fu
    Top 25 Mitwirkender Registriert am 05-03-2008 Beiträge 252
    Das Vorgehen mit dem off-the-shelf Vorgehen bei neuen Produkten, Technologien und Designs ist weltweit Standard. Jeder MNC macht das und genau aus den genannten Grund: Risikoreduktion. Soweit ich weiß hat Siemens eine eigene VC GmbH (oder hatte diese zumindestens mal), um auch in früheren VC-stages zu investieren. Es ist nunmal so, dass bei den meisten Start-Ups irgendwann der Tag des Exit der Finanziers kommt. Wenn Siemens nicht sich Start-Ups auskauft die in die Produktportfolios der SBUs passen, dann tut das irgendwer anders oder das Start-Up-Projekt wird liquidiert und abgeschrieben. Das Geschäft mit Technologie ist einfach zu schnell, weil Technologien schneller obselet werden als dass in die träumerische going concern forever Mittelstandsromantik passt.
    Riskoreduktion ist nicht das einzige, sondern ebenfalls begrenzte technologische Kapazitäten, weil soviele F&E-Projekte wie eigentlich notwendig kann kein MNC selbst stemmen.
    Es ist natürlich klar, dass Siemens jede Menge F&E-ler, Patentingenieure und Technologiemanager braucht um überhaupt Zukäufe zu integrieren und Technologien auszubeuten. Das ist die Schnittstelle die eigenartigerweise selbst auf hohen ingenieur- und naturwissenschaftlichen Niveau sein muss, aber nicht wirklich selber entwickeln. Spart sich Siemens hier kaputt, dann gibt es auch keinen Nachschub für die weltweiten Vertriebsorganisationen. Siemens wird sich dieser Entwicklung nicht entziehen können, weil Cash Cows im eigenen Haus immer weniger werden und kürzer überleben. Technologischer Fortschritt bedeutet nunmal schneller als die Konkurrenz zu sein, sprich Neues reinzunehmen und Altes loszuwerden. Sowas kommt i.d.R. nicht gut an, aber das muss sich jedem klar sein, der für irgendeinen Technologiekonzern in dieser Welt arbeitet.

    Naja, das aktuelle Problem von Siemens sind aber die Altlasten durch all die Korruptionsskandälchen hier und da, was aber nun auch aus einer Zeit stammt in der Bestechung beim deutschen Fiskus absetzbar war. Das sind heute nunmal echte Straftaten und das Ausmisten wird noch dauern. Ich denke der CEo macht das schon. Sowas hält natürlich vom Geschäft ab. Zum Portfolio von Siemens ist eigentlich nichts einzuwenden, es geht darum in diesen SBUs auch die Nr.1 zu werden.
  •  07-07-2008, 12:55 19420 Antwort zu 16860

    Laut stuttgarter Zeitung vom samstag, hat Herr Löscher intern ein anderes Organigramm aufgebaut.

    3 Sparten, Energie, Gesundheit und Industrie, mit je einem Manager. Sowie aus 200 Landesgesellschaften 20 regionale reduziert.
    Die alten Leute ausgetauscht und seine neuen eingesetzt.

    Die vielen Fürsten eingedämmt, auf wenige.

    Hört sich nach neuer heeresführung an, hierarchisch österreich formiert.

    ...und das übliche, will nun weiter Arbeitsplätze abbauen.

    Ja, was hat sich denn sonst geändert im Konzern? Die Korruptionsaufklärung bringt den Anwälten und Beratern viel Geld ein.
    Prüfstand: Was passiert weiter mit den vielen Affären, die übrigens nicht nur Siemens hat, sondern weit vernetzt ist.

    Essen diese Kosten für Anwälte und Berater im Moment nicht notwändiges Entwicklungsgeld auf, das fehlt und somit die Konkurrenz ein leichtes Spiel haben? Soweit sollte es nicht kommen.

    Übrigens die österreich hierarchische Struktur dürfte den entwicklungs Siemensianern bekannt sein, von der TAS Platform her.

    Tausende von Tapeten mit TopDown Entwicklungsschritten, modular gegliedert und wer hat das System gerade noch mit ach und Krach ans Laufen gekriegt?
    Riesige Programmcodes, anstelle von einfachen Lösungen, welche deutlich einfacher zu implementieren sind.
    Nicht korrigierbare Designfehler. So gut wie nicht korrigierbare Designfehler.

    Und das ganze Modell jetzt auf den Konzern übertragen?
    Der Einsatz von Prüfinstanzen, was bedeutet das konkret? Ist die Demokratie im Konzern gewährleistet. nach EU recht oder USA Recht in Europa?

    Mariana Mayer












































  •  07-07-2008, 14:40 19425 Antwort zu 16870

    T.B. Ling ist nicht online. Letztmals aktiv: 06-09-2008, 14:41 T.B. Ling
    Top 50 Mitwirkender Registriert am 17-05-2007 Beiträge 78
    @ Jonas:
    Sie haben Recht, so läuft das im Allgemeinen!
    Man muss aber hinzufügen: Bei Siemens läuft es noch schlechter:
    Ich war bisher vielleicht 10 x in der Situation, irgeneinem Grossunternehmen ein Patent zur Lizenzierung/Kauf anzubieten. Gut, lizenziert habe ich bisher nur einmal einem Grossunternehmen, und das auch nur, nachdem dieses Unternehmen das Patent längst genutzt hatte und dann für das Unternehmen äusserst ungünstige Zufälle es unter Druck gesetzt haben.
    Aber man muss sagen, dass jedes Unternehmen, das ein entsprechendes Angebot erhielt, auch ordentlich und höflich geantwortet ("Nach eingehender Prüfung müssen wir leider feststellen ...) hat - AUSSER: Simens.
    Die haben noch nichtmal geantwortet - Woraus man schliessen muss, dass die noch nichtmal richtig gucken!
    Auch die hastigen Umstrukturierungen in den letzten Jahren bei Siemens zeugen eher davon, dass keine klare Entwickler-Linie vorhanden ist.