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Können Sie sich einen "Patent-" Handel vorstellen?
Letzter Beitrag 14-05-2008, 22:58 von Wu-Fu. 6 Antworten.
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13-05-2008, 16:33 |
Innovationen treiben unsere Wirtschaft. Aber oft haben Erfinder nicht das nötige Geld ihre guten Ideen in Produkte umzusetzen.
Eine Möglichkeit, dass trotzdem der Erfinder einen Anteil am Erfolg hat und viele Patente in Produkte umgesetzt werden - ist der Patenthandel. In Amerika gibt es hierfür schon einen begrenzten Markt - Europa ist auch in dieser Frage wieder etwas ins Hintertreffen gekommen.
Können Sie sich einen Patenthandel vorstellen?
a) So wie an der Börse sicherlich nicht - aber einen Verkauf bzw. Kauf von anwendungsorientierten Patenten über spezielle Industrievermittler kann ich mir sehr gut vorstellen.
b) Ja, wir brauchen in Deutschland endlich Märkte für Patente. Zusätzlich bzw. alternativ brauchen wir auch einen Markt für Venture Capital. Nur so gehen Erfindungen nicht unter oder werden ganz einfach von anderen Nationen kopiert und produziert.
c) Ein ganz klares Nein. Ein Produkt braucht erst eine gewisse Marktreife bis es einen Gegenwert darstellt. Erfindungen als Blaupausen zu verkaufen ist (außer im Einzelfall) meiner Meinung nach nicht möglich.
d) Kein Thema, was die Wirtschaft tatsächlich bewegt.
e) Kein Kommentar.
Lieber3103
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13-05-2008, 18:14 |
Den Markt gibt es längst, allerdings nicht in der Form, die Sie sich vorstellen.
Erfinder werden normalerweise übergangen und gehen leer aus, nur mal den Erfinder des Walkmans (nein, nicht Sony, sondern Pavel) oder des Wankelmotors (nein, nicht Wankel, bei dem drehte sich das Gehäuse) genannt.
Das liegt an folgendem:
Ein Patent verhindert zunächst einmal nicht, daß jemand die Idee nachbaut.
Wenn er nachbaut, musst der Erfinder klagen.
Es geht um einen Streitwert, liegt der zu niedrig, kauft die gegnerische Firma einfach, also muß er hoch genug sein.
Die Anwalts- und Gerichtskosten richten sich aber nach dem Streitwert.
Nun muss der Erfinder nicht 1, sondern 3 Instanzen dieser Kosten selber tragen können, denn der Gegner wird, wenn er gross genug ist, einfach immer weiter klagen. Und die Kosten sind immens.
Da liegt die Tücke: Ein Erfinder kann einfach nicht gegen eine grosse Firma seine Erfinderrechte durchsetzen, weil es eine finanzielle Frage ist. Es gab genug Erfinder, die ihr Leben damit verbrachten, nur Geld und Mäzäne für die Klagen (die später das Geld zurückerhalten hätten, wenn man gewonnen hätte, was vor Gericht leider ebensowenig klar ist wie auf hoher See) aufzubringen, meist vergeblich.
Das Patentsystem ist ausschliesslich für die Grossen. Und selbst dort hat es sich komplett pervertiert. Sollte eine Firma von einer anderen wegen Patentverletzung verklagt werden, wird nicht in Bargeld bezahlt, sondern ist der übliche Ausgang ein Patentaustauschabkommen. Es wird wertloses Papier gegen wertloses Papier getauscht, das der Vorstand nicht mal gelesen hat. Allein aus diesem Grund legen viele Firmen Massen von Patenten auf Halde. Es dient der Abschreckung der Kleinen und dem Tausch bei Grossen. Die Inhalte interessieren kaum, praktisch jedes Produkt wurde schon 10 x erfunden. Die Zeit, in der kontrolliert werden konnte, ob etwas schon erfunden war, sind lange vorbei (und es gab sie auch damals nicht, bei fast allem wissen wir, dass es woanders früher entwickelt wurde, ob Glühbirne oder Nähmaschine).
Das Patentsystem muss abgeschafft werden. Es behindert unsere Wirtschaft. Länder, in denen es ignoriert wird, wie China, und in der Vergangenheit Japan, haben phänomenale Wirtschaftswachstumsraten. So bald man Patente verwendet, wird die Wirtschaft blockiert. Ein Patent verhindert auch nur den Nachbau in dem Land, in dem es angemeldet wird. Nur wird inzwischen global produziert. Man braucht ein Patent in sämtlichen Ländern. Alleine ein europäisches Patent kostet 50000 EUR (ein einzelnes!), durch Patentanwälte und Fachübersetzungen. Nur grosse Firmen machen beides intern und tragen nur die verhältnismässig geringen Patentamtskosten. Zudem werden nur in Polen die Patentämter unabhängig vom Patentaufkommen finanziert, hier hingegen sagt der Chef mit Mitarbeiter: Lass möglichst viel zu, es sind unsere Einnahmen. Die dadurch entstandene Flut an Patenten sind nur Klopapier wert. Sie behindern jeden Unternehmer. Denn egal ob er selbst Patente hat oder nutzt: Er muß kontrollieren, ob sein Produkt nicht vielleicht eines der Millionen von Patenten verletzt, die allesamt so geschrieben sind, daß man nicht auf Anhieb versteht, wo die Witz ist (meist ist ja auch keiner drin, sondern der Inhalt trivial und die ganzen Worte nur dazu da, das zu verschleiern). Und wenn er etwas gebaut hat und jemand klagt ihn per Patent an, muss er nachforschen, wo diese triviale Erfung schon vorher existierte - denn sie existierte garantiert, so viel Neues gibt es gar nicht, es sind alles leichte Modifikationen von schon vorhandenem.
Immerhin behindert das Patentsystem die Entwicklung nur 20 Jahre (dann wird dasselbe allerdings nochmal patentiert, die Patentamtsmitarbeiter haben es sicher schon vergessen). Das Urheberrecht hindert bis weit nach dem Tod (wen eigentlich?)
Beispiel Betriebssysteme: Keine Firma der Welt wagt es, Microsoft Konkurrenz zu machen mit einem alternativen Betriebssystem für PCs, obwohl man damit zum erichsten Mann der Welt werden könnte. Das rechtliche Risiko, ein mit Millionenaufwand entwickeltes wegen ewiger Klagen (ob erfolgreich oder nicht ist dabei egal, es dauert zu lange, so lange bis das Produkt nicht mehr zeitgemäss ist) nicht verkaufen zu dürfen, hält aber alle davon ab. Nur Privatleute (Open Source Linux) sind (noch) immun gegen den Klagehammer, obwohl es Microsoft immer wieder probiert. Es gibt dank Patent- und Urheberrechten also ein weltweites Monopol in der Softwarebranche, und wir alle zahlen zu viel, viel zu viel (man erkennt es am Vermögen von Microsoft). Das ist die wahre Folge des Patentsystems.
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13-05-2008, 18:24 |
Lieer3103:Innovationen treiben unsere Wirtschaft. Aber oft haben Erfinder nicht das nötige Geld ihre guten Ideen in Produkte umzusetzen.
Eine Möglichkeit, dass trotzdem der Erfinder einen Anteil am Erfolg hat und viele Patente in Produkte umgesetzt werden - ist der Patenthandel. In Amerika gibt es hierfür schon einen begrenzten Markt - Europa ist auch in dieser Frage wieder etwas ins Hintertreffen gekommen.
Können Sie sich einen Patenthandel vorstellen?
a) So wie an der Börse sicherlich nicht - aber einen Verkauf bzw. Kauf von anwendungsorientierten Patenten über spezielle Industrievermittler kann ich mir sehr gut vorstellen.
b) Ja, wir brauchen in Deutschland endlich Märkte für Patente. Zusätzlich bzw. alternativ brauchen wir auch einen Markt für Venture Capital. Nur so gehen Erfindungen nicht unter oder werden ganz einfach von anderen Nationen kopiert und produziert.
c) Ein ganz klares Nein. Ein Produkt braucht erst eine gewisse Marktreife bis es einen Gegenwert darstellt. Erfindungen als Blaupausen zu verkaufen ist (außer im Einzelfall) meiner Meinung nach nicht möglich.
d) Kein Thema, was die Wirtschaft tatsächlich bewegt.
e) Kein Kommentar.
Für größere Venture Capital Firmen wäre der Patenthandel eine sehr gute Möglichkeit gescheiterte Projekt zu liquidieren und somit einen Teil des (enormen) Verlustrisikos ihres Geschäfts zu senken. Es ist nunmal so, dass auch Venture Capital Firmen falsch liegen können und ein Unternehmensgründungsprojekt scheitert (z.B. falsches Timing, und vieles mehr).
Für Unternehmensgründer wäre eine monetäre Quantifizierung ihrer Patente ein gutes Instrument diese immateriellen Assets in ihren Bilanzen zu aktivieren (siehe Vorrausetzungen im IFRS) und somit ihre Kreditwürdigkeit zu steigern - Bei New Ventures ist Finanzierung der King. OTC Put-Optionen wären hier geeignetes Mittel, um auch Einzelfälle zu berücksichtigen.
Ich denke, dass es generell schwer möglich sein wird, einzelne Patenturkunden zu verbriefen. Es müssen schon Jumbo-Patentportfolios sein, welche Renditen durch Lizenzeinnahmen erzielen. Ich kann mir daher sehr gut vorstellen, dass Patentfonds mit aktiven Management aufgestellt werden (Ich glaube das gibt es sogar schon).
a) Industrievermittler sollte es mehr geben! Generell sollte es mehr Kaufleute geben, die sich neue Technologie aktiv interessieren.
b) Das ist nationalistisches Geblubber. Venture Capital Firmen kommen wenn es sich "lohnt", und wenn nicht, dann lassen diese es einfach.
c) Am Ende liegt das dicke Geld in der Kommerzialisierung und nicht im Bunkern von Urkunden. Und: Nichts ist unmöglich...
d) Stimmt, in sterbenden Branchen braucht man keine Patente mehr...
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13-05-2008, 18:55 |
Ich persönlich bin der Meinung, dass Erfindungen und Markenrechte schon schützenswert und wertvoll sind.
Die Verwertung von guten Ideen sollte meiner Meinung nach verstärkt über Industrievermittler laufen - dann erhält der "Erfinder" seinen gerechten Anteil an der Ausnutzung seiner Idee und er benötigt nicht selbst enorme finanzielle Aufwendungen um seine Idee zur Produktreife zu bringen. In Deutschland benötigen wir eindeutig mehr Kaufleute mit Technikfabel oder mehr Techniker mit einem wirtschaftlichen Know How - um Innovationen voran zu bringen. - Also klar Antwort b (Lieer3103) und Antwort a (Wu-Fu).
Jedoch glaube ich schon, dass wir zusätzlich eine "Verbriefung" solcher Rechte brauchen um den Handel an den Kapitalmärkten einfacher zu gestalten. Vorteil dabei: Verteilung des Risikos, Anteilsbildung (kein einzelner Investor muss für den gesamten Kapitalbedarf aufkommen).
Der Markt für Patente und auch das Investmentbanking mit jungen Unternehmen mit einer Idee wird in den nächsten Jahren noch spannend - auch in D und in der EU!
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13-05-2008, 19:01 |
@ Jonas:
Ich sehe das Patent- und Markenrecht nicht so pessimistisch wie Sie.
Selbst in China und in den osteuropäischen Ländern (Russland, Tschechien etc.) werden verstärkt Makenkontrollen durchgeführt. Natürlich ist die Kontrolle schwierig und geldaufwendig.
Aber wenn es kein Patent- und Markenschutz gibt würde jeder die Form des Smart, den IPod oder die Bionade-Limo nachmachen (eigentlich zum verwechseln ähnlich). Diese Produkte können aber die "Plagiathersteller" in den Ursprungsländern USA, Europa etc. nicht einführen - damit haben sie keinen Markt und das Interesse am Nachbau wird einfach kleiner. Ganz verhindern lässt sich der Ideenklau nicht - aber er wäre meiner Meinung nach ohne Patente noch wesentlich größer.
Lieber3103
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13-05-2008, 20:25 |
Lieer3103:Aber wenn es kein Patent- und Markenschutz gibt würde jeder die Form des Smart, den IPod oder die Bionade-Limo nachmachen (eigentlich zum verwechseln ähnlich). Diese Produkte können aber die "Plagiathersteller" in den Ursprungsländern USA, Europa etc. nicht einführen
Nein, denn das verhindert schon das Wettbewerbsrecht. Eigentlich alles, was das Patent- und Markenrecht als positiven Effekt hätte, wird bereits durch das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb abgedeckt (jemand erschleicht sich auf unfaire Art Vorteile gegenüber dem Wettbewerber), nur ohne die schädlichen Folgen. Ja, man muss klagen, aber das muss man wie geschildert als Patentinhaber auch.
Ich möchte übrigens gerne ein Fahrzeug wie den Smart nur mit grösseren Rädern, einen schicken MP3-Player ohne die den Benutzer gängelnde (kein Löschen einzelner Songs, kein Überspielen von Player zu Player) Software von Apple, oder ein erfrischendes Fruchgetränk Getränk ohne den zahnzerstörenden Säuregehalt der Bionade haben, auf der dann deutlich draufsteht
Ich bin von Trams, ich bin von Ellpa, ich bin von Edanoib,
denn diese Hersteller verbessern dann die Grundidee des Ursprungsherstellers, und sollte er miese Qualität anbieten, kann man sich den Namen merken. Heute gibt's die miese Qualität vom Markenhersteller und keine Konkurrenz, denn die wird patentrechtlich plattgeklopft (bei Bionade offenbar nicht, es gibt dutzende Plagiate, ich habe noch keines davon probiert, aber Bionade ist irgendwie auch nur ein Plagiat des Almdudler).
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14-05-2008, 22:58 |
Jonas: Lieer3103:Aber wenn es kein Patent- und Markenschutz gibt würde jeder die Form des Smart, den IPod oder die Bionade-Limo nachmachen (eigentlich zum verwechseln ähnlich). Diese Produkte können aber die "Plagiathersteller" in den Ursprungsländern USA, Europa etc. nicht einführen
Nein, denn das verhindert schon das Wettbewerbsrecht. Eigentlich alles, was das Patent- und Markenrecht als positiven Effekt hätte, wird bereits durch das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb abgedeckt (jemand erschleicht sich auf unfaire Art Vorteile gegenüber dem Wettbewerber), nur ohne die schädlichen Folgen. Ja, man muss klagen, aber das muss man wie geschildert als Patentinhaber auch.
Jupp ohne Enforcement macht ein Patenthandel keinen Sinn, darum: Jumbo-Portfolios mit aktiven Management. Weil mit ein paar Millarden auf der Aktiva-Seite mit entsprechenden Cashflows aus Lizenzeinnahmen, kann man sich auch ohne Ende Anwälte leisten, die irgendwo auf der Welt den Produktionsbetrieb von Fälschern einstellen können.
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