Sie kennen ihn nicht? Den Berg - die Erlanger Bergkirchweih? Jährlich zu Pfingsten findet sie - die Königin der nordbayerischen Volksfeste - in Erlangen statt. Sie können unter Kastanienbäumen der Musik und dem würzigen fränkischen Bier fröhnen. Etwas erhoben über der Stadt - hier trifft sich jung und alt, akademisch oder nicht - reich und arm (Siemensianer oder Universitätler, aber auch das gemeine Volk).
Es ist eine lange Tradition - die Erlanger Bergkirchweih. Oft kommen Freunde oder Bekannte einmal im Jahr nach Erlangen, dann natürlich zu diesem reizenden Fest fränkischer Gemütlichkeit.
Kurz und Knapp einige Infos über den Berch (wie der Franke so schön sagt):
Erlangen - Wichtige Tipps für die Bergbesucher finden Sie hier kurz zusammengefasst.
Wann ruft der Berg ? Täglich von 10.00 Uhr bis 23.00 Uhr.
An den Pfingstfeiertagen von 9.30 bis 23 Uhr
Anstich und Bierprobe: Donnerstag, 08. Mai 2008, 17.00 Uhr Entlaskeller
Familien ruft er besonders am Donnerstag, 15. Mai 2008.
Hier gelten verbilligte Fahr- und Eintrittspreise bis 18.00 Uhr.
Es gibt auch "SchnupperReise" - zu diesem einmaligen Ereignis lustiger Feierlaune - heißt ein Angebot für Einzel- und Gruppen-Reisende, ideal zum Kennenlernen der Städteregion Nürnberg mit all ihrer Vielfalt, wie zum Beispiel, um eine frische Maß Bier "auf einem der Keller" der Erlanger Bergkirchweih genießen.
Ferner einen kleinen Auszug aus der Berg-Geschichte:
"Von einem gewissen Fest unserer Stadt. Wir hoffen, daß wir in diesen Tagen die Bergkirchweih (= den heiligen Berg) besuchen werden. Dort wirst du mit deinen Freundinnen lustwandeln. In kleinen bunten Wagen fliegt ihr um den Platz herum. Fleißige Kaufleute haben sehr viele süße Dinge und mit scharfen Fischen bedeckte Brote herbeigebracht. Muntere Jünglinge und schwache Greise, frohe Mädchen und edle Frauen stillen ihren hitzigen Durst mit kaltem Bier (cervisia,-ae) aus schweren und hohen Steinkrügen (= steinernen Vasen). . . . Dr. Christoph Friederich, Leiter von Stadtarchiv und Stadtmuseum Erlangen, hielt eine Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung „Vom Jahrmarkt zum Kultfest. 250 Jahre Erlanger Bergkirchweih” am 5. Mai 2005 im Stadtmuseum Erlangen. Hier Auszüge aus dieser wahrlich aufschlussreichen Schilderung.
I.
Ich zitiere aus einer Lateinschulaufgabe der 6. Klasse des Gymnasiums Fridericianum aus dem Jahr 1950, in der folgender Text ins Lateinische übersetzt werden sollte:
"Von einem gewissen Fest unserer Stadt. Wir hoffen, daß wir in diesen Tagen die Bergkirchweih (= den heiligen Berg) besuchen werden. Dort wirst du mit deinen Freundinnen lustwandeln. In kleinen bunten Wagen fliegt ihr um den Platz herum. Fleißige Kaufleute haben sehr viele süße Dinge und mit scharfen Fischen bedeckte Brote herbeigebracht. Muntere Jünglinge und schwache Greise, frohe Mädchen und edle Frauen stillen ihren hitzigen Durst mit kaltem Bier (cervisia,-ae) aus schweren und hohen Steinkrügen (= steinernen Vasen). Da sowohl Einwohner als auch Fremde jenes Getränk sehr lieben, gibt es eine äußerst große Menge.
Zierliche Bratwürste (salsicia,-orum) und teuere Hühner erquicken die gierigen Gäste. Ihr lautes (=großes) Geschrei donnert durch die Lüfte. Aber die mit Bauernkleidung geschmückten Männer, durch deren Musik höchste Lust erregt wird, haben sehr viele reiche Bewohner des Berges vertrieben, so daß ihre Villen jetzt leer sind. Plenus venter non studet libenter, wie ein altes Sprichwort heißt. Daher ist jenes altehrwürdige Fest schon immer in den Ferien gewesen. Da hoffen wir, daß alle Kinder und Eltern erfreut werden. Erzähle, o Anton, der kranken Großmutter, die früher oft dort gewesen ist, von den Freuden des heiligen Berges. Damals hatte der Großvater mit herrlicher Stimme gesungen: ‚Primum - secundum - tertium - bibite!! (Diesen klassischen Vers möglichst frei übersetzen!)"
Wie man sieht, enthält dieser Text die wichtigsten Elemente der Bergkirchweih, so wie wir sie kennen. Auch ihre dreifache historische Wurzel, nämlich die Dreieinigkeit von Kaufen, Schießen und Saufen, wenn man so sagen darf, wird angesprochen: Die auf den Berg verlegten Altstädter Jahrmärkte mit den "fleißigen Kaufleuten", die Bierkeller mit "dem kalten Bier aus schweren und hohen Steinkrügen".
Nur das Vogelschießen der Altstädter Schützenkompanie, das ja seit 1911 am Waldschießhaus stattfindet, wird nicht erwähnt, jedoch mit den "kleinen bunten Wagen" das sich etwa seit 1900 zunehmend ausdifferenzierende und technisierte Schaustellergewerbe angeführt. Alle diese hier aufgezählten Aspekte zeigt die Ausstellung in ihrer historischen Entwicklung und im Kontext der gesamten Stadtgeschichte.
Ich möchte stattdessen in den nächsten Minuten einige Überlegungen zum "Geist der Bergkirchweih", zum Bergmythos, anstellen und zu dessen Bedeutung für Selbstverständnis, Mentalität und Lokalidentität des homo Erlangensis. Insofern sind diese meine Gedanken erste kleine Bausteine zu einer noch nicht geschriebenen Erlanger Mentalitätsgeschichte.
Also, markieren Sie sich die "Feiertage der Feierlichkeit" am Pfingsten in Erlangen - vom 8. bis 19 Mai in Ihren Kalender.
Vielleicht trifft man sich ja beim Feiern auf dem Berch und spricht über dies und das. Ich jedenfalls würde mich freuen Sie kennen zu lernen.
Ein überzeugter Franke und Erlanger!
Sonnige Grüße
Lieber3103