(WSI) Leiharbeit ersetzt immer öfter reguläre Beschäftigung

Letzter Beitrag 26-05-2008, 20:18 von T.B. Ling. 8 Antworten.
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  •  25-04-2008, 11:06 16594

    Böckler Impuls 06/2008

    Leiharbeit Konkurrenz für die Stammbelegschaft

    Die Zahlen gehen nach oben: Viele Betriebe beschäftigen mehr Leiharbeiter, oft über längere Zeit. Dass Leiharbeit reguläre Beschäftigung ersetzt, ist da keine Ausnahme mehr.

    Grafiken



    Aktuell werden rund 1,5 Mio Aufstocker gezählt.

    In manchen Firmen werden Teile ihre Stammbelegschaft durch Niedrigstlohnjobber (Zeit - Leiharbeit) ersetzt hier sehen Sie die Logik dss Prinzip der sich selbst vermehrenden Kombilohnarbeitsplätze.

    Ein fiktives Beispiel das die Funktion und die Kostenexplosion von Kombilöhnen verdeutlichen soll

    Ausgangssituation vor Hartz IV

    10.000 Arbeitsplätze

    versus 1000 Arbeitslose a 700 € ALG II
    Kosten für die Steuerzahler 700.000 €/Monat

    Mit Hartz IV wurde die Möglichkeit der Kombilohnarbeitsplätze mit ergänzenden ALG II geschaffen

    9000 Arbeitsplätze
    1500 Kombilohnarbeitsplätze a 350 € ergänzendes ALG II
    Kosten für die Steuerzahler 525.000 €/Monat
    500 Arbeitslose a 700 € ALG II
    Kosten für die Steuerzahler 350.000 €/Monat

    Kosten für die Steuerzahler insgeamt Kombilohn + Arbeitslose = 875.000 €

    Durch das Kombilohnmodell sind im Beispiel für die Solidargemeinschaft der Steuerzahler 175.000 € Mehrkosten entstanden.

    Die Zahl der sozial versicherungspflichtigen Arbeitsplätze ist um 5 % auf 10500 angestiegen die Zahl der Arbeitslosen hat sich von 10% auf 5 % halbiert. Die Ausgaben der BA haben sich halbiert. Manche fabulieren von Vollbeschäftigung Die Kosten für die Solidargemeinschaft der Steuerzahler sind um 25 % angestiegen.

    Prinzip verstanden?

    Das ist genau das was die Arbeitsverwaltung und die Politik und viele unkritische Medien gleichlautend als Erfolg der Hartz IV Reform preisen.

    Jetzt könnte ich noch die Kostenersparnis errechnen die durch die Umwandlung von 1000 Arbeitsplätzen in 1000 Kombi - Arbeitsplätzen mit ergänzenden ALG II für die Unternehmen eingetreten ist.

    Jene die aufrecht gehen, werden nur historisch hoch angesehen.
  •  29-04-2008, 12:29 16752 Antwort zu 16594


    Das Prinzip der Umverteilung von unten nach oben geht weiter.

    Symbolisch die Situation von sechs auf ein Kreuzfahrtschiff vermittelten Arbeitslosen,
    während die für wenig mehr als 3 Euro dort arbeiten müssen, machen die Gut-Verdiener
    (die würden für 3 Euro sicher keinen Handschlag tun) dort Urlaub.
    Titanic-Prinzip: Unter Deck wird geschuftet, oben wir Party gemacht. Und am Ende gehen alle
    gemeinsam unter.

    http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/19/0,1872,7229107,00.htm
  •  29-04-2008, 16:28 16764 Antwort zu 16752

    ........ und in Manchester ist es schwarz, rußig und schuftende Kinder schreien mit wunden Händen nach mehr Lebensmitteln.

    Doch Zorro naht! Und weil der ein deutscher Linkstageträumer ist werden die Kinder bald weder Arbeit, noch überhaupt etwas zu essen haben!
  •  29-04-2008, 17:43 16772 Antwort zu 16764

    Beelzebub007:
    ........ und in Manchester ist es schwarz, rußig und schuftende Kinder schreien mit wunden Händen nach mehr Lebensmitteln.

    Doch Zorro naht! Und weil der ein deutscher Linkstageträumer ist werden die Kinder bald weder Arbeit, noch überhaupt etwas zu essen haben!


    Super Beitrag, in einer Schülerzeitung hätte er ein paar Lacher bekommen.
  •  15-05-2008, 21:26 17447 Antwort zu 16594

    Das Prinzip ist klar: Hartz IV Empfänger werden zu Leiharbeitern, werden dann wieder arbeitslos und beziehen erneut Hartz IV. Dann sind sie wieder Leiharbeiter und der Zirkel dreht sich weiter.
  •  25-05-2008, 1:50 17833 Antwort zu 16594

    Wu-Fu ist nicht online. Letztmals aktiv: 06-07-2008, 20:31 Wu-Fu
    Top 25 Mitwirkender Registriert am 05-03-2008 Beiträge 163
    Klar Kombilöhne sind teuer für den Haushalt - In absoluten Zahlen: zu teuer. Aber was ist denn die Alternative? Wird der Kombilohn abgeschafft, dann fallen auch die Arbeitsplätze weg, insbesondere im niederen Dienstleistungsbereich. Ein Mindestlohn hätte den gleichen Effekt. Was rede ich überhaupt: Deutschland hat doch bereits einen impliziten Mindestlohn.

    Die Leiharbeit im produzierenden Gewerbe (inkl. produktionsnahe Logistikdienstleistungen) hat einen anderen Grund. Leiharbeiter sind als lfd. Personalkosten nicht günstiger als sozialversicherungspflichtig Werker. Jedoch "kaufen" sich Firmen durch Leiharbeit strategische Flexibilität, die diese auch benötigen, um weiterhin im "globalen Monopoly" mitspielen zu können. Betriebe können nur für einen Teil ihres Outputs annehmen, dass dieser auch längerfristig relativ zeitkonstant nachgefragt wird. Für diesen Output kann ein Unternehmen auch das finanzielle Risiko übernehmen, sprich entsprechende Produktionskapazitäten an sich dauerhaft binden. Wenn keine Leiharbeit existieren würde, dann würde ein Betrieb schlichtweg Aufträge ablehnen bzw. garnicht erst anwerben in Phasen mit hoher Nachfrage. Tut mir Leid als "längere Zeit" werden auch immer wieder ein paar wenige Jahre Konjunktur Aufschwung und Boom interpretiert - Das ist nur mittelfristig.

    Letztenendes waren die rot-grünen Reformen ziemlich teuer, aber ohne diese würde heute nicht über Verteilungsgerechtigkeiten oder gar Haushaltskonsolidierung diskutiert werden, sondern die Frage gestellt ob noch vor der nächsten Bundestagswahl die Grenze der 8,9 oder 10 Mio. Arbeitslosen geknackt wird, warum immer weniger Direktinvestitionen in der BRD getätigt werden, usw. Es macht keinen Sinn die Scheuklappen aufzusetzen und zu glauben, dass die BRD tatsächlich auf einem sehr hohen sozialträumerischen Niveau weiterhin die Bevölkerung in Lohn und Brot bringen kann.

    Hier können auch ein paar parteiliche Grenzen gezogen werden: Die heutigen Linke mit all den Ex-SPDlern sind die ewig stehengeblieben, die einem Ideal aus der Vorkriegsgeschichte hinterhertrauern als es noch galt einen Arbeiterklassenkampf in einer geschlossen Volkswirtschaft zu führen. Der Rest von der SPD ist einfach nur verunsichert und sind dabei die letzten schlauen Köpfe zu schassen, die mit ihrer Agenda2010 tatsächlich mal verantwortungsbewusst für die BRD gehandelt haben. Natürlich hat diese Verunsicherung nun auch die CDU/CSU erfasst, welche die gleichen Wählergruppen adressiert, was sich auch im Bemühen der Großen Koalition widerspiegelt, d.h. Ergebnis ist gleich Null. Schade eigentlich haben ja nicht so übel begonnen. Das waren vier verschenkte Jahre, die die BRD noch spüren wird.

    Der prinzipiellen Kritik schließe ich mich aber an. Es ist egal wie bzw. unter welchen Bedingungen Arbeitlosengeld ausgezahlt wird oder welche Schlagwörter der Gesetzgeber dafür vorsieht - Die Rechnung zur Bezahlung eines überregulierten Sozialstaat bleibt nur die Kostenstellen heißen anders. Ich denke die Politik sollte sich mehr um die langristigen Ursachen von "schlecht" bezahlten Jobs zu untersuchen und nicht nur auf Anfrage immer wieder Juristen beauftragen Textpassagen umzuformulieren.

  •  26-05-2008, 12:32 17862 Antwort zu 17833


    @Wufu

    Ich denke die Politik sollte sich mehr um die langristigen Ursachen von "schlecht" bezahlten Jobs zu untersuchen ..."

    "Wie wäre es mit den langfristigen Folgen?"

    "Es macht keinen Sinn die Scheuklappen aufzusetzen und zu glauben, dass die BRD tatsächlich auf einem sehr hohen sozialträumerischen Niveau weiterhin die Bevölkerung in Lohn und Brot bringen kann. "


    Die Skandinavier sehen das offenbar ganz anders und fahren recht gut damit. Hohe Beschäftigungsquote, hohe Löhne, hohe Abgaben
    an den Staat ... . Liegt vieleicht daran, das Geschäftsführer nicht so viel verdienen wie in DE, dafür die Mitarbeiter mehr bekommen.
    Offnenbar herrscht dort ein sozialerer Geist als in diesem Lande, wo der Mitarbeiter aus der Perspektive der Bosse immer mehr zum Kostenfaktor degradiert wird. Aber schlecht bezahlte Mitarbeiter oder Arbeitslose kaufen keine Produkte in DE, nur das notwendigste.
    Auf Dauer wird es dann auch dem Chefe nicht mehr so gemütlich sein, wenn um ihn herum alles den Bach runter geht. Ob er dann nach
    China, Indien, Bulgarien etc. zieht, weil das Kapital der Rendite wegen ja dort für Arbeit und "Wohlstand" (einiger weniger) sorgt?
    Das will ich doch mal sehen.

  •  26-05-2008, 16:30 17872 Antwort zu 17862

    Wu-Fu ist nicht online. Letztmals aktiv: 06-07-2008, 20:31 Wu-Fu
    Top 25 Mitwirkender Registriert am 05-03-2008 Beiträge 163
    summerset:
    @Wufu

    Ich denke die Politik sollte sich mehr um die langristigen Ursachen von "schlecht" bezahlten Jobs zu untersuchen ..."

    "Wie wäre es mit den langfristigen Folgen?"

    "Es macht keinen Sinn die Scheuklappen aufzusetzen und zu glauben, dass die BRD tatsächlich auf einem sehr hohen sozialträumerischen Niveau weiterhin die Bevölkerung in Lohn und Brot bringen kann. "


    Die Skandinavier sehen das offenbar ganz anders und fahren recht gut damit. Hohe Beschäftigungsquote, hohe Löhne, hohe Abgaben
    an den Staat ... . Liegt vieleicht daran, das Geschäftsführer nicht so viel verdienen wie in DE, dafür die Mitarbeiter mehr bekommen.
    Offnenbar herrscht dort ein sozialerer Geist als in diesem Lande, wo der Mitarbeiter aus der Perspektive der Bosse immer mehr zum Kostenfaktor degradiert wird. Aber schlecht bezahlte Mitarbeiter oder Arbeitslose kaufen keine Produkte in DE, nur das notwendigste.
    Auf Dauer wird es dann auch dem Chefe nicht mehr so gemütlich sein, wenn um ihn herum alles den Bach runter geht. Ob er dann nach
    China, Indien, Bulgarien etc. zieht, weil das Kapital der Rendite wegen ja dort für Arbeit und "Wohlstand" (einiger weniger) sorgt?
    Das will ich doch mal sehen.


    Ja gut wenn sie Schweden's Sozialpolitik auf die BRD übertragen wollen, dann wären da noch ein paar Nebensächlichkeiten zu erreichen: Die Exportquote müsste nochmal um lächerliche 20 Prozentpunkte ansteigen, im Innovation Capability Index sollte schon mal eben Platz 1 erreicht werden, usw. Und es stimmt in Schweden kann sich niemand über "Chefs" aufregen, weil dort ausländische MNCs das Sagen haben.



  •  26-05-2008, 20:18 17881 Antwort zu 16594

    T.B. Ling ist nicht online. Letztmals aktiv: 06-07-2008, 22:10 T.B. Ling
    Top 50 Mitwirkender Registriert am 17-05-2007 Beiträge 70
    10.000 Arbeitsplätze mit 1800 EUR = 18 Mio EUR Bruttolohn, der erwirtschaftet wird = ca 7,2 Mio für die Sozial"kassen"

    9000 Arbeitsplätze mit 1800 EUR + 1500 Arbeitsplätze mit 1400 EUR = 18,3 Mio erwirtschafteter Bruttolohn mit ca 7,32 Mio für die Sozialkassen.

    ===> es wird 360.000 EUR mehr ERWIRTSCHAFTET (Anmerkung: Das ist das, was eine Gesellschaft LEISTET, aus dem heraus sie ihre Existenzberechtigung erringt, ohne einen Währungsreset oder Kriegsreset durchführen zu müssen: das ist wichtig für einen stabilen Frieden, by the way).

    Die von Ihnen genannten 175.000 EUR Mehrkosten für den Staat, finden sich im Übrigen in den Taschen von den am geringsten Verdienenden. Und ihnen stehen allein 120.000 EUR Mehr"Beiträge" an unsere Sozial"kassen" gegenüber.

    Was der Staat spart, an die Krankenkassen zu latzen, haben Sie übrigens auch unterschlagen (Habe keine Ahnung wieviel das ist; dürfte aber doch wohl mehr als 100 EUR pro Nase sein, was einer Einsparung von mehr als 50.000 EUR entspräche; Summerset weiss das bestimmt, wäre interessant es zu hören.) Na gut, egal wieviel das auch ist, es würde ja von den oben angesprochenen 120.000 EUR Mehr"beiträgen" wieder in Abzug gebracht...

    Dann zuletzt Ihr grösster Fehler in Ihrer Denke:
    Sie sehen ganz davon ab, dass Sie dem zweiten Beispiel kaum das Erste entgegenstellen können, sondern vielmehr folgendes:
    9000 Arbeitsplätze und 2000 Arbeitslose.

    Haben Sie schon wieder vergessen, wie die Schlagzeilen vor der UST-Erhöhung waren: Hier 1000 Arbeitsplätze weg, dort 1500 und wieder sonstwo 7000. Das war doch eine lange Dauernachrichtenkette!
    Schon vergessen, Sybillas_Augen? Schon vergessen?
    Im Himmel sind wir weiss Gott nicht, aber es gibt Leute, die an der Realität arbeiten!
    Und wenn Sie hoch angesehen werden wollen (was man Ihrem Motto entnehmen kann), dann hören Sie auf zu kriechen, weil, jene welche werden nicht nur historisch nicht hoch angesehen...