Ist Kurt Huber (CSU-Vorsitzender) mit Erwin Beck (SPD-Vorsitzender) vergleichbar?

Letzter Beitrag 08-05-2008, 17:33 von Lieer3103. 3 Antworten.
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  •  03-05-2008, 11:30 16923

    Beide Vordenker der kleinen Volksparteien sind bodenständig, kommen aus einfachem Haus und haben sich nicht nur mit ihrem Bildungsabschluss nach Oben gekämpft. Beide haben auf dem zweiten Bildungsweg ihre Karrierechancen verbessert und sind seit zig Jahren in der Kommunal- und Landespolitik. Mit sehr viel Einsatz und Herzblut vertreten sie die Interessen des "kleinen Mannes" ohne ihre Herkunft (den Dialekt und die Besonderheiten) aus Niederbayern und der Pfalz je vergessen zu haben. Im Internationalen Geschäft der Bundespolitik wirkt dies etwas proviniziell - bei den Menschen am Bier- bzw. Weintisch kommt das in der Eckkneipe oder im Bierzelt sehr gut an. Kein anderer Politiker außer Erwin Huber kann die Bierzelte in Niederbayern (von Dingolfing bis Passau) füllen wie er. Kein anderer Politiker ist in der Pfalz so nahe an den Problemen der Winzer und Bauern wie Kurt Beck und findet immer wieder aufmunternde Worte für die Arbeiter im Opelwerk in Kaiserslautern und anderswo.

    Aber sind die nicht so rosigen Umfragewerte beider Politiker nur eine Momentaufnahme - oder kommt der bodenständige etwas provinziell anmutende Politikstil beider Vorturner nicht alzu gut an?

    Fehlt es an Inhalten der SPD- und CSU-Politik?

    Was machen beide eigentlich anders als unser aller Liebing - Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel - die von den Menschen im Land und von den Politikern im Ausland herzlich geliebt wird. Dabei bemühen sich doch beide Politiker immer wieder populäre Themen anzusprechen (Mindestlohn, Steuersenkung, Soziale Gerechtigkeit, Wirtschaftsaufschwung oder Bildungspolitik). Kommen z.Zt. vielleicht Frauen in der Politik wie Frau von der Leyen und Frau Merkel besser weg?

    Die Antworten werden uns die Wähler an der Wahlurne im Herbst geben - dann ist Landtagswahl in Bayern. Und die Politik-Analysten werden uns die Ergebnisse treffend analysieren können.


    Lieber3103
  •  04-05-2008, 7:53 16937 Antwort zu 16923

    @Lieer3103:

    Ein schöner Vergleich wie ich finde. Die Basis beider Parteien rebelliert und fordert ein Konzept gegen das Stimmungstief.

    Aus lauter Verzweiflung (sog. Verzweiflungstat) entwirft Hr. Huber eine Steuersenkungsmodell - was auch dem blindestens Blinden - als Wahlgeschenk enttarnt.

    Würde dieses Steuergeschenk der CSU tatsächlich in diesem oder im nächsten Wahljahr beschlossen zementieren unsere Politiker den finanziellen Bankrott unseres Landes in spätestens 20 Jahren. So kann seriöse Politik nicht aussehen. Die Folgen dieses Steuergeschenkes wären noch verheerender als das "verunglückte Nichtraucherschutzgestz" in Bayern.

    Wenn die CSU die größte Steuersenkung des Nachkriegsdeutschland verspricht - sollte sie seriöserweise - auch die Gegenfinanzierung mitliefern. Andernfalls kann man die Vorstellungen gern ins Reich der Fabeln und Märchen verbannen.

    Meiner Meinung nach gibt es für die CSU in Sachen Steuersenkung jetzt nur noch 3 seriöse Varianten:

    a) Rückzug - war nicht so gemeint, wir haben mal kurz nachgerechnet. Es ist nicht finanzierbar.

    b) Eine Gegenfinanzierung auf die Beine stellen - die Belastungen konkret benennen und vielleicht mit einem steuerlichen Neuanfang Deutschlands auch ein einfacheres Steuersystem entwickeln.

    c) Oder öffentlich erklären, dass die CSU vom Ziel eines ausgeglichenen Haushalts abkommt - um kurzfristig die Steuerbelastung der Bürger zu senken.
  •  04-05-2008, 23:12 16960 Antwort zu 16923

    Ergänzung:

    Man darf zu Erwin Huber nicht so streng sein - er bemüht sich ja, dem Bürger etwas Gutes zu tun.

    Wieviele Milliarden will er dem Bürger in Form von Steuergeschenken in den nächsten Jahren schenken? Dies hört sich doch gar nicht so schlecht an - oder?

    Wir sollten da nicht so kritisch sein - und uns wenigstens in Form eines Kreuzchens bei der Landtagswahl erkenntlich zeigen. Und über die Rechnung - wer die Entlastung später bezahlt brauchen wir uns heute doch noch keine Gedanken machen. Wer nämlich immer Bedenken hegt und pflegt lebt einfach beschwerter und kann die Genüsse des Lebens nicht richtig genießen.

    Ich freue mich jedenfalls am schönen Wetter, den Versprechungen der CSU und v.a. an den Steuergeschenken, die mir die vielen Politiker vor der Wahl unterbreiten.
    Lieber3103
  •  08-05-2008, 17:33 17179 Antwort zu 16923

    Es ist auch nicht gerecht. Da erbt einer die schwere Aufgabe der BayernLB-Aufsicht - die Risikogeschäfte sind gemacht, und nun wird nur auf dem bayerischen Finanzminister herumgehackt.

    Und dabei ist er ja sooo nett. Ein freundlicher Bayer halt. Und weil er so nett ist, hat er auch außerhalb von Bayern für das ganze Wahlvolk schon mal Wahlgeschenke dabei - die Steuersenkung.

    Vielleicht die gefühlte - denn irgendwie muss das Konzept ja gegenfinanziert werden. Aber da hat Hr. Huber auch kein Rezept. Naja, er ist der Auffassung: Steuern runter - und dann werden sich alle Probleme des Landes in Luft auflösen - und wenn nicht, dann muss halt ein anderer unpopuläre Kürzungen oder andere Steuererhöhungen bzw. eine neue Schuldenaufnahme verkünden.

    Doch der Bürger ist gar nicht so dumm wie ihn der durchschnittliche CSU-Politiker sieht - nein, er registriert das Wahlkampfgeschenk und deren wirtschaftlich unverantwortliche Folgen: den Staatsruin.

    Die Situaltion schein verfahren - in Bayern hat er dank Ministerpräsident Beckstein keine allzu große Bedeutung - und im Bund nimmt ihn weder die Kanzlerin, noch der CDU Generalsekretär Profalla und schon gar nicht Kurt Beck ernst.

    Huber ist an dieser Situation selbst schuld. Es rächt sich jetzt, dass er nicht direkt nach seiner Wahl zum CSU-Chef ins Bundeskabinett gewechselt ist. Nur so hätte er von Anfang an auf Augenhöhe mit der Kanzlerin und dem SPD-Chef Kurt Beck die Interessen der CSU vertreten und den Bundesanspruch seiner 50-Prozent-Partei deutlich machen können.

    Jetzt ist Huber für die Berliner nicht mehr als ein Landesminister, der in Berlin nicht nur mit der Pendlerpauschale und seinen Drohungen, den Gesundheitsfonds zu kippen, an die Wand gefahren ist. Jetzt ist er auch noch der bayerische Finanzminister, der in der Milliarden-Affäre um die BayernLB im eigenen Land immer mehr unter Druck gerät. Während täglich Horrormeldungen über neue Millionenschulden und Vertuschungsvorwürfe die Staatsregierung erschüttern, fordert die Opposition den Rücktritt des CSU-Chefs. Negativschlagzeilen für den kleinsten Koalitionspartner, die in Berlin keiner lesen will.

    Auch in der CSU schwindet die Zustimmung für den Parteichef immer mehr. Das liegt auch daran, dass es ihm bislang nicht gelungen ist, an seinen altbekannten Schwächen zu arbeiten. Auch jetzt, wo er der Chef ist, schaffe es Huber nicht, die Menschen für sich einzunehmen, heißt es in der Partei. Er gilt als kurz angebunden, wenig emotional und unaufmerksam gegenüber seinen Gesprächspartnern.

    Wäre es nicht das Beste für den Politiker und Menschen Huber die Konsequenz aus der Situation zu ziehen und auch den Parteivorsitz an Ministerpräsident Beckstein abzugeben? Auf zwei Füssen kann der Mensch zwar besser stehen - der Führungsanspruch der CSU kann wie auf einem Schiff auch nur von einer Person wahrgenommen werden.

    Frei nach Guido Westerwelle: "Auf jedem Schiff das dampft und segelt, da gibt es einen der die Dinge regelt!" - aber wer ist dieser Jemand eigentlich z.Zt. in der CSU? (vielleicht doch Dr. Markus Söder - wichtig für Europa?)




    Lieber3103