Steht unser Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps?

Letzter Beitrag 13-10-2008, 11:24 von Aufklärung08. 12 Antworten.
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  •  26-09-2008, 13:37 21225

    Trotz einer 3 Milliarden Spritze der Krankenkassen für Krankenhäuser werden wir uns in den nächsten Jahren auf:

    a) die Schließung von Kliniken im ländlichen Raum,
    b) die Zuzahlung der Partienten auch bei Krankenhausbehandlungen,
    c) Spezialgerätschaften werden nur in Fachkliniken vorgehalten und
    d) höhere Beiträge der Gesetzlichen und Privaten Krankenversicherung gewöhnen müssen.

    Wir geben dem Patienten "Gesundheitssystem" mit Hilfe des Staates jährlich ein kleine Beruhigungsspritze (Mittel, geänderte Gesetze), die aber das Strukturproblem des Gesundheitswesen (zu wenig Geld, zu wenig Personal, zu viel Bürokratie, keine verantwortliche Politik) beseitigt.

    Nach den Landtags-, Europa- und Bundestagswahlen im nächsten Jahr werden wahrscheinlich schmerzliche Einschnitte auf die Bürger zukommen. Heute ist diese Entwicklung schon absehbar - keiner traut sich tatsächlich die Wahrheit zu sagen. Wenn der "gemeine Politiker" ehrlich wäre - müsste er den Menschen schon heute "reinen Wein" einschenken.

    Glauben Sie, dass die nächsten Generationen in Deutschland noch auf ein so gutes Gesundheitssystem zurückgreifen können?

    a) Ja, die finanzielle Belastung der Krankenkassen ist durch die Arbeitslosigkeit verursacht. In D nimmt die Arbeitslosigkeit aber z.Zt. wieder ab. Das entlastet auch die Krankenkassen erheblich.

    b) Ich bin eher Pessimist. Die Politiker und Politikerinnen sind Angsthasen und fürchten sich vor dem Bürger. Keiner will den Bürgern reinen Wein einschenken - Augen zu bei der Gesundheitspolitik geht nicht.

    c) Weiss nicht.


    Lieber3103
  •  26-09-2008, 16:51 21231 Antwort zu 21225


    Ich tendiere klar zu B., aber mit der Ergänzung, das auch aufgrund der schlechten bis miserablen Lohnentwicklung
    benötige Einnahmen fehlen.

    Auch Korrektur notwendig bei Ihrem Text: : bereits jetzt ist eine Zuzahlung in Krankenhäusern (Bis zu einer bestimmten Aufenthaltsdauer) notwendig, müsste aktuell noch bei 10 Euro pro Tag sein.

    Geradazu lächerlich ist die Investition in Vorsorge bei uns: es kann nicht sein , dass ein großer Prozentsatz von Grundschülern bereits übergewichtig und motorisch unterentwickelt ist, was in vielen Fällen langfristig enorme Kosten verursacht.

    Ich erneuere daher auch hier meine Forderung an eine Abgabenfinanzierten Einstellung geeigneter (Langzeit-) Arbeitsloser, um hier tätig zu werden: Jeden Tag eine Dreiviertel bis volle Stunde entsprechende Bewegungseinheit (Oder mehrere kürzere) in der Schule/Kindergärten/Horte/Verein/Berufsschule/Uni/Betrieb..., an der die Kinder auch Spass haben. Wer seine Kinder nicht hinschickt und/oder selbst schwänzt, bekommt keinen ermässigten Krankenkassenbeitrag:-P

    Nach 5, 10, 20 30 Jahren zahlt sich das aus, vermutlich sogar früher.

  •  29-09-2008, 8:24 21260 Antwort zu 21225

    Realist ist nicht online. Letztmals aktiv: 27-11-2008, 7:54 Realist
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    Das System kollabiert vor allem, weil immer mehr Menschen aus immer mehr Ländern (!) immer größere Leisatungen abfordern. Vergleichen Sie die Leistungen der Krankenkassen und Sie werden bemerken, dass immer größere Beträge geleistet werden. Kassenleistungen sind ja auch nichts wert - bezahlt ja der Staat. Da sitzen Heerescharen von Rentnern und Arbeitsunwilligen in den Praxen der Ärzte. Die Einen wollen den gelben Schein, die Anderen spüren vor lauter Langeweile hier und da ein WehWehchen. (Bsp.: Als es noch "Butterfahrten" kostenlos gab, waren die Rentner auf dem Schiff, anstatt in den Arztpraxen.)

    Das Zauberwort heißt seit Jahrzehnten (!) Eigenverantwortung. Die werden wir nun irgendwann endlich kriegen, wenn Pflichkassen hoffentlich sehr bald nur noch das "Unabdingbare" zahlen.
  •  29-09-2008, 14:49 21267 Antwort zu 21225

    Jonas ist online. Letztmals aktiv: 01-12-2008, 16:49 Jonas
    Top 10 Mitwirkender Registriert am 15-05-2007 Beiträge 1.044
    Lieer3103:
    a) die Schließung von Kliniken im ländlichen Raum,
    b) die Zuzahlung der Partienten auch bei Krankenhausbehandlungen,
    c) Spezialgerätschaften werden nur in Fachkliniken vorgehalten und
    d) höhere Beiträge der Gesetzlichen und Privaten Krankenversicherung gewöhnen müssen.


    Eine Gesellschaft muss sich überlegen, was sie sich medininisch leisten WILL, und dann dafür zahlen.
    Leider werden in der Gesellschaft nicht alle Menschen denselben Gesundheitsstandard haben wollen.

    Daher ist ein für alle Menschen identisches Leistungssystem, wie es die gesetzliche Krankenkassen bietet, unbeliebt.

    Der Bürger wünscht sich eine 2-(oder mehr)-Klassen Medizin.

    Dazu ist das deutsche System gut in der Lage: Es teilt schon heute in gesetzlich Versicherte (Leitspruch: Alles medizinisch notwendige wird ersetzt") und den privaten Kassen ("für Besserverdienende"), allerdings sind die Wahlmöglichkeiten stark eingeschänkt.

    Der derzeitige Trend, von den Kassen immer mehr und mehr und mehr Geld für Ärzte, Pharmakonzerne und Krankenhäuser zur verfügung zu stellen, ist nicht das, was der Bürger will. Trotz unserer im internationalen Vergleich immensen Kosten haben wir keine gute medizinische Versorgung. Wir haben aber sehr gut entlohnte Ärzte, dem Finanzamt geben sie durchschnittlich ein EInkommen von 126000 EUR an (wobei der beste Mediziner vermutlich das geringste Einkommen hat, und der schlechteste Mediziner mt den besten Unternehmerqualifikationen am Besten dasteht), und wir haben phantastisch verdienende Pharmakonzerne, wie man z.B. an den Preisen für Aspirin sehen kann und am Ausspruch "Apothekenpreise" verinnerlicht hat.

    Der Weg der merkel'schen Koalition ist ein Irrweg der den Bürger Unmengen an Geld kostet welches in die Taschen sowieso schon Reicher geht, ohne daß dafür eine Leistung für den Bürger erkennbar wird. Dabei ist der Bürger heute wesentlich gesünder als vor 10 oder 20 Jahren, zumindest traut er sich aus Jobverlustangst nicht mehr zum Arzt sondern stirbt lieber auf dem Bürostuhl.

    Wir haben ein preistreibendes Gesundheitssystem: Da jeder Handschlag, jedes Rezept, jede Pille dem Arzt einen grösseren Geldanteil vom Kuchen einbringt, ist es kein Wunder, daß verschrieben wird bis die Schwarte kracht. Wir brauchen nicht Fallpauschalen, wir brauchen Monatslöhne. Es spricht nichts dagegen, von den Kassen die Ärzte per Monatslohn in einer fertig ausgestatteten Praxis arbeiten zu lassen, so wie Klinikärzte auch, aber bitte mit geregelter 40-Stunden Woche, wo sie medizinisch notwendiges leisten.

    Wenn jemand mehr Leistung haben will, bitteschön, kann er sich privat versichern lassen, und bekommt auch Schönheitsoperationen oder ewig lange Apparatemedizin erstattet.
  •  29-09-2008, 23:04 21274 Antwort zu 21260

    @ Realist

    Ah ja, Heerscharen von Rentnen stürmten die Züge in den Gebieten südlich des Weißwurstäquators, der für mich als Hamburger am südlichen Ufer der Elbe beginnt, um Butterfahrer zu entern und Butterfahrten zu machen.

    Wenn sie nicht alle in den überfüllten Zügen und Butterschiffen gestorben sind, leben Sie heute noch.

    Das Problem der Kassen besteht darin, daß der Verordner einer medizinischen Leistung gleichzeitig der Kontrolleur und Nutznießer der verordneten Leistung ist.

    Wegen des nvermeidlichen Moral Hazards bzw. Agency Costs, führt solch ein System immer irgendwann zum Kollaps.

    Und wenn ich icht rein zufällig einen Arzt in der Familie hätte, hätte ich keinen rechtzeitigen Zugriff auf eine notwendige Medikation gehabt.

    Der Arzt, der mir wegen der sozialistischen Einheitsmedizin der Marxistin Ulla Schmidt die notwendige Medikation verweigert hat, hat mich übrigens als gut zahlenden potentiellen Kunden verloren. Ich bin selten beim Arzt, was dem, den ich aufsuche überproportionale Einkommensperspektiven verschafft.
  •  30-09-2008, 10:35 21280 Antwort zu 21274

    Realist ist nicht online. Letztmals aktiv: 27-11-2008, 7:54 Realist
    Top 10 Mitwirkender Registriert am 15-05-2007 Beiträge 860
    economist:

    Das Problem der Kassen besteht darin, daß der Verordner einer medizinischen Leistung gleichzeitig der Kontrolleur und Nutznießer der verordneten Leistung ist.


    Eben! Der Patient verlangt und kriegt (fast) alles vom Arzt verordnet. Größter Nutznießer ist der Patient. Solange er am Butterschiff oder im Biergarten sitzt, kostet es zunächst nichts. Ist das Wetter mies oder das Butterschiff teuer (oder 1000 andere Events scheiden aus verschiedensten Gründen aus), marschieren Heerscharen von Rentieren (Nutznießer) in die Praxen .......! Eine Mär? Beileibe nicht! Wollen Sie die Adresse eines Augenarztes, der einer 92-jährigen Patientin eine sehr teuere Augen-OP "verpassen" wollte? Die Alte, die mit meiner Brille noch die Zeitung lesen konnte, wollte gerne mitmachen, wenn "man" nicht eingegriffen hätte .......!
  •  30-09-2008, 11:32 21284 Antwort zu 21280

    yahel ist nicht online. Letztmals aktiv: 01-12-2008, 16:33 yahel
    Top 10 Mitwirkender Registriert am 15-05-2007 Beiträge 1.318
    @ Realist

    „Ist das Wetter mies oder das Butterschiff teuer (oder 1000 andere Events scheiden aus verschiedensten Gründen aus), marschieren Heerscharen von Rentieren (Nutznießer) in die Praxen .......! Eine Mär? Beileibe nicht!“

    „Das zahlt ja die Kasse“ ist der Tenor. Die Krankenversicherung dürfte nicht Versicherung heißen, weil die meisten Menschen in D daraus ableiten, daß sie auch genug wieder herausbekommen müssen, weil sie ja eingezahlt haben. Das ist m.M. nach einer der Hauptpunkte des Mißbrauchs dieses Systems. Das Grundübel ist die massenhafte Unwissenheit über die Funktion eines „Versicherungssystems“ denn es ist nur bekannt, daß es so ein System gibt, wie es funktioniert ist unbekannt. Wäre ein schönes Thema für die Schule.

    jens.muche@t-online.de
  •  05-10-2008, 17:49 21380 Antwort zu 21280

    @ economist
    "sozialistischen Einheitsmedizin der Marxistin Ulla Schmidt" Donnerwetter. Nun lerne ich was dazu, Ulla Schmidt eine Marxistin und Sozialismus in der Bundesrepublik- man lernt nie aus.

    Nun zu den ernsthaften Beiträgen:
    Sicher auf der Ausgabenseite läuft es aus dem Ruder, aber will man was dagegen tun? Wir haben zehnmal so viele zugelassenen Medikamente als Frankreich, haben 300 Krankenkassen - da geht unser Geld weg! Schon mehrfach habe ich erwähnt daß von 400 Medikamenten letztes Jahr nur 8 einen neuen Wirkstoff hatten, der Rest waren Kombipräparate zum Zwecke der Gewinnsteigerungen der Pharmakonzerne. Und bei letzteren sehe ich das Hauptproblem, diese Kosten explodieren und die Politik ist so eng mit der Pharmabranche vermauschelt, daß da kein Widerstand kommt. Siehe Positivliste. Dies hätte wesentlich zu Kostensenkung beigetragen. Aber das lassen die Pharmakonzerne vertreten durch ihre Abgesandten im Bundestag nicht zu.

    Und der Ausblick? Eher düster ich neige zu B.
    Bei Steigerungen der Kosten für Medikamente von > 20% / Jahr (bedingt durch die avisierten Gewinnsteigerungen der Konzerne) werden wir bald neben dem für die Arbeitgeber festgeschriebenen Beitragssatz von 7.7% und den gleichen Satz vom Beitragszahler noch weitere 1000-2000 € / Jahr für Medikamente berappen. Und wer das nicht kann muß eben sterben. So deutlich ist das zu sagen.

    Die Tage der Solidargemeinschaft sind gezählt. Wer Geld hat wird alt - der Rest stirbt. Hart, aber im Tierreich ist es ebenso , der Stärkere überlebt.

    Er sagte: "Seid glücklich und zufrieden, denn es könnte noch schlimmer kommen" . Und sie waren glücklich und zufrieden und es kam noch schlimmer.
  •  10-10-2008, 12:23 21453 Antwort zu 21280

    Jonas ist online. Letztmals aktiv: 01-12-2008, 16:49 Jonas
    Top 10 Mitwirkender Registriert am 15-05-2007 Beiträge 1.044
    Realist:
    Eine Mär? Beileibe nicht! Wollen Sie die Adresse eines Augenarztes, der einer 92-jährigen Patientin eine sehr teuere Augen-OP "verpassen" wollte? Die Alte, die mit meiner Brille noch die Zeitung lesen konnte, wollte gerne mitmachen, wenn "man" nicht eingegriffen hätte .......!

    Teure OP ?
    Sie wissen doch gar nicht, was die OP gekostet hätte, wenn sie von der Kasse übernommen worden wäre.
    Es geht also wohl nur und ausschliesslich um das selbst zu berappende Geld.
    Sehr aufschlussreich.

    Kaum ist der Patient mal nicht Nutzniesser der Solidargemeinschaft, hält Realist ihn von einer Behandlung ab. Soll 'die Alte' doch mit seiner alten Brille oder gar nicht gucken.

    Offenkundig hätte die 92-jährige aber gerne die Vorzüge der OP genossen und dafür sogar ihr Erspartes ausgegeben - da es dann aber nicht mehr vererbbar gewesen wäre, musste der Realist wohl "eingreifen".
    Sehr aufschlussreich.

  •  11-10-2008, 0:06 21467 Antwort zu 21453

    @Jonas

    Können Sie mir erklären, wie Sie zu dem Schluss kommen,daß die Dame mit dem Privatvermögen die Operation bezahlen wollte?

    Ich selber kannte einen Fall, bei dem einer 90-jährigen ein Herzschrittmacher verpasst wurde. Alle anderen Körperfunktionen versagten, insbesondere das Hirn. Aber das Herz schlug und schlug und schlug und die Damekonnte nicht sterben. Unmenschlich!!
  •  11-10-2008, 0:20 21470 Antwort zu 21467

    "Alle anderen Körperfunktionen versagten, insbesondere das Hirn."

    Hm...ähhh...meinten Sie jetzt bei der Patientin oder bei dem zuständigen Arzt?
    Nein, mal ganz im Ernst, schließlich sind wir nicht zu unserem Vergnügen in diesem Forum...
    Wo soll man die (Alters-)Grenze ziehen?
    Soll man das überhaupt? Darf man das überhaupt? In unserem Gesellschaftssystem sicher nicht.
    Eine Frage, um die sich die Politiker aller Parteien ebenso konsequent wie geschickt herumwinden, um sich kein weiteres Desaster wie beim Nichtraucherschutz einzufangen. DA hat jemand das Politikermikado durchbrochen und dafür eine ziemlich herbe Packung kassiert.
  •  11-10-2008, 0:29 21471 Antwort zu 21467

    Jonas ist online. Letztmals aktiv: 01-12-2008, 16:49 Jonas
    Top 10 Mitwirkender Registriert am 15-05-2007 Beiträge 1.044
    BäckerBullerjahn:
    Können Sie mir erklären, wie Sie zu dem Schluss kommen,daß die Dame mit dem Privatvermögen die Operation bezahlen wollte?

    Wie ich schon schrieb, im anderen Fall (Kasse zahlt) hätte sie die Kosten gar nicht gekannt.
  •  13-10-2008, 11:24 21497 Antwort zu 21453


    @Jonas

    Sie dürfen doch einen "Realisten" nicht entlarven, nein, das dürfen Sie nicht;-)