CSU-Dorf fahndet nach dem einzigen SPD-Wähler - ein Idyll der CSU!

Letzter Beitrag 02-10-2008, 19:07 von Lieer3103. 0 Antworten.
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  •  02-10-2008, 19:07 21324

    Im schönen Balderschwang im Oberallgäu sollten die vom Wähler "gerupften" CSU-Matadoren schnellstens einmal Urlaub machen. Das sind Traumergebnisse - da ist die blau-weisse Welt noch in Ordnung. Konservativ, katholisch, traditionell und einfach schön!

    Sie hatten gehofft, er sei weg, weggezogen oder eines besseren belehrt – aber er ist immer noch da: der SPD-Wähler. Ausgerechnet im kleinsten und "schwärzesten" Dorf im Oberallgäu hat die Krise der CSU Einzug gehalten. Eine Stimme gab es für die SPD. Jetzt sucht das Dorf den Schuldigen.

    Sie wollen es nicht wahrhaben, dort oben im kleinsten und „schwärzesten“ Dorf Deutschlands: dass die CSU auch hier die Krise zu spüren bekommt. Und doch ist auch in Balderschwang im Oberallgäu die Zeit der fast 100 Prozent für die Christsozialen vorbei. Über 20 Prozent hat die CSU am vergangenen Sonntag bei den Erststimmen verloren. Was für noch mehr Unruhe sorgt: wieder gab es eine Stimme für die SPD und gar eine für die Grünen.

    Prozentual sind dieser Wählerrückgang Verluste wie im gesamten Land - aber jetzt wird die CSU-Ortsriege aktiv - sie will den Wählerrückgang nicht mehr hinnehmen. Es muss doch möglich sein die beiden Abweichler zu finden.

    Das können die lokalen CSU-Granden offenbar nicht ertragen: „Wir hatten schon bei der Landtagswahl 2003 einen, dieses Mal dachten wir, es geht ohne ihn, aber wir haben wieder eine SPD-Stimme“, klagt der örtliche CSU-Chef Luggi Endrös. Und er merkt an: „Es weiß aber niemand, wer es ist. Ich habe immer gehofft, er ist weggezogen, aber scheinbar wohnt der noch hier.“

    Weltläufig gibt sich der parteilose Bürgermeister Werner Fritz, der meint, auch in Balderschwang habe längst die Wahlfreiheit Einzug gehalten. Und doch ist seit Sonntag vor allem der eine SPD-Wähler das Dorfgespräch in der 228-Einwohner-Gemeinde auf 1050 Metern Höhe: „Wir wissen wirklich nicht, wer's ist“, beteuern Bürgermeister und CSU-Chef, „aber wir könnten ihn ja mal gemeinsam suchen“ – diesen rätselhaften „Sozi“.

    Vor dem Tourismusbüro in der beliebten Fremdenverkehrsgemeinde sortiert gerade der Postbote seine Pakete. „Hm, ein geheimnisvoller SPD-Wähler?“, sinniert der und empfiehlt die politische Farbenlehre als Spürhilfe: „Schauen sie doch mal rüber zum Hotel Kienle, die haben eine rote Tür, vielleicht haben die auch rot gewählt“, sagt er lapidar und blickt dem Trio aus Reporter, Rathauschef und CSU-Vorstand kopfschüttelnd nach, als die Drei tatsächlich beim Hotel vorstellig werden.

    Falls noch mehr Balderschwanger bei künftigen Wahlen "abweichen" wird die Auszählung der nächsten Wahl länger dauern und die Interpretation der Ergebnisse schwieriger. Dies gilt es mit aller Kraft zu verhindern. Die CSU-Verantwortlichen werden im Ort alles erdenkliche dafür tun, dass diese Ausrutscher bei der Europa- und Bundestagswahl nicht mehr vorkommen (ganz verhindern lässt sich dies bei einer Demokratie aber 100 % nicht!)
    Lieber3103