Peanut oder Coconut? Wo bleibt die journalistische Sensibiliät im Umgang mit der Finanzkrise?

Letzter Beitrag 15-10-2008, 14:47 von crocotone. 4 Antworten.
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  •  06-10-2008, 19:01 21402

    momosophie ist nicht online. Letztmals aktiv: 09-10-2008, 16:54 momosophie
    Nicht gereiht Registriert am 06-10-2008 Beiträge 1

    Als Zuschauer des ARD-Presseclubs am vergangenen Sonntag hat man vieles, was auch die Talkshows der letzten Wochen prägt, wieder gehört. Nur wenig Neues und Erhellendes, die politischen Präferenzen der einzelnen Gesprächsteilnehmer der Clubrunde waren auch leicht auszumachen, also nur „talk-show business as usual“. Irritieren muss einen aufmerksamen Zuschauer und –hörer allerdings ein kurzer Disput zwischen Herrn Jörges und Frau Riedel angelegentlich der Belastungen, die der Bundeshaushalt durch die Krise der IKB zu befürchten hat.. Frau Riedel beziffert dabei die möglichen Belastungen für den deutschen Staat auf ca. 4 Mrd. Euro. Herr Jörges erwidert, daß es wohl eher 7 Mrd. Euro sein werden. So weit, so gut. Das Frau Riedel allerdings in einer kurzen Erwiderung den Unterschied zwischen 4 und 7 Mrd. Euro als „geschenkt“ abtut, kann einen schon sprachlos machen.

    Ungeachtet der Frage, was man von Herrn Jörges halten mag, ist die saloppe Reaktion von Frau Riedel kritikwürdig, weil sie einen spürbaren Mangel an Sensibilität für die Ängste der Menschen im Lande zeigt. Viele dieser Menschen wissen und verstehen nämlich nicht, welche Reichweite diese Krise und welchen Einfluß sie auf den Einzelnen haben kann und wird.

    Herr Kopper wurde für seine 50 Millionen DM „Peanuts“ (zu Recht) heftig kritisiert. Allerdings stellt sich da bei der geringschätzigen Reaktion von Frau Riedel die Frage, ob die Kokosnuß tatsächlich die entsprechende Relation zwischen 7 Mrd. Euro und 50 Millionen DM widergibt, oder noch größere Nüsse gesucht werden müssen. Nun mag Frau Riedel nicht in solch exponierter und bedeutsamer Funktion tätig sein wie seinerzeit Herr Kopper, eine derartige Reaktion finde ich dennoch ausgesprochen unsensibel und sie zeigt, daß auch bei manchen Angehörigen der schreibenden Zunft keine „Bodenhaftung“ mehr besteht.
  •  10-10-2008, 17:23 21460 Antwort zu 21402

    @momosophie:

    Sie haben vollkommen Recht - Politiker und Wirtschaftsbosse scheinen in dieser Krise völlig die Bodenhaftung verloren zu haben. Es erschreckt mich, wie einfach einmal eine Garantie von Staaten wie den USA für alle Konten, Deutschland für Privatanleger und weiteren Industriestaaten abgegeben wird. Wenn nur ein Bruchteil der Garantie tatsächlich zur Zahlung fällig wird - häufen wir ohne Gegenleistung und Investitionen so viele Staatsschulden an, dass die Staaten bei einem nur geringen Anstieg der Fremdkapitalzinsen auf dem Finanzmarkt tatsächlich Pleite (zahlungsunfähig) sind. Dass daneben noch die reale Volkswirtschaft durch den Zusammenbruch des Finanzmarktes (keine Kredite, keine Neuemissionen von Aktien, keine Kurse mehr für Unternehmensschuldverschreibungen etc.) leiden kann sich jeder vorstellen.

    Auf dem Arbeitsmarkt und im Geldbeutel der amerikanischen, asiatischen und europäischen - und somit auch der deutschen - Haushalte wird sich - sofern der dramatische Kurssturz an den Börsen weitergeht - dieser Abschwung spätestens in 6 Monaten bemerkbar machen. Dies kann nicht nur beim privaten Konsum, sondern auch bei öffentlichen Investitionen und im Industriebereich zu einer längerfristigen Depresion führen.

    Unsere Politik sollte die Dimension der Finanzkrise erfassen und sensibler mit Zahlen und Äußerungen in der Öffentlichkeit umgehen. Vertrauen der Verbraucher und der Wirtschaft holt man nur zurück, wenn jetzt überlegt und nachhaltig gehandelt und kommuniziert wird. Wer wirtschaftlich keine Ahnung von den Zusammenhängen hat - sollte in dieser Phase der anfangenden Krise sich mit politischen Kommentaren eher zurückhalten. Fachaussagen - kann ich aufgrund meines nur oberflächlichen Wissens der Zusammenhänge deshalb selbst nicht näher erläutern.
    Lieber3103
  •  11-10-2008, 0:08 21468 Antwort zu 21402

    "Das(s) Frau Riedel allerdings in einer kurzen Erwiderung den Unterschied zwischen 4 und 7 Mrd. Euro als „geschenkt“ abtut, kann einen schon sprachlos machen."


    Im Verhältnis zu den wirklichen Gesamtbelastungen, die da noch auf den Steuerzahler zukommen können, sind beide genannten Summen.....nein, ich sage das "schlimme Wort" nicht.....sagen wir mal.........unerheblich!
    Das Gleiche gilt sinngemäß für die publikumswirksamen, ausschließlich staatseinnahmenvergrößernden, aber unsinnigen Klimaschutzversprechen sowie für die vollmundige Ankündigung eines deutschen Regierungschefs, für die Sparguthaben geradestehen (od. "gerade stehen"??, na, wie auch immer) zu wollen! Vor allem, wenn man bedenkt, daß der Staat gar keine Billionenreserven hat, sondern Billionenschulden........
    4 Mrd.---7 Mrd.---pfff....
    Wieviele Mrd. haben deutsche Berufsurlauber doch gleich letztes Jahr im Ausland verballermannt...
    Hätten Sie"s gewußt?
  •  11-10-2008, 0:19 21469 Antwort zu 21402

    @ momosophie
    Lieer3103

    Der Unterschied zwischen 4 und 7 Mrd. ist in Zeiten, in denen aus 15 Mrd ganz schnell 60 , 80 oder 115 Mrd. werden wirklich nur marginal.
    Es wäre ein Unding wollte man einen Journalisten -der eben kein wie @ Lieer3103 behauptet - Manager ist an seinen Rechenkünsten aufhängen wollte.

    Würde man das tun, gäbe esin Deutschland bald keine Medien mehr.
  •  15-10-2008, 14:47 21583 Antwort zu 21460

    crocotone ist nicht online. Letztmals aktiv: 15-10-2008, 14:48 crocotone
    Top 500 Mitwirkender Registriert am 15-10-2008 Beiträge 2
    > Unsere Politik sollte die Dimension der Finanzkrise erfassen und sensibler mit Zahlen und Äußerungen in der Öffentlichkeit umgehen. Vertrauen der Verbraucher und der Wirtschaft holt man nur zurück, wenn jetzt überlegt und nachhaltig gehandelt und kommuniziert wird.


    Das gleiche gilt auch für die Medien, insbesondere die Wirtschaftszeitungen. Wenn ich da jedes Mal manipulative und gezielt lancierte Miesmacherei lesen muss, selbst bei an sich eher positiven Nachrichten, dann kommts mir manchmal hoch. Umgekehrt gibts natürlich auch Euphorisches, aber das liegt den meist eher zynisch-sarkastischen Schreiberlingen weniger.
    Ich denke man muss den Kleinanlegern, die ihr Geld nunmal in der Börse drin haben und nicht so ohne Weiteres rauskönnen, nicht jedes Licht am Ende des Tunnels auch noch schlechtreden. Es reicht doch wenn man die Leute besser aufklärt über die momentanen Tatsachen, aber dieses wichtigtuerische Aufblasen seiner eigenen negativen Interpretation ist einfach nur widerlich und unverantwortlich manipulativ.
    cro