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26.08.2006 

Auch gehört der Umgang mit Menschen nicht zu seinen Stärken. Nach Wutanfällen feuert er schon mal seine Sekretärin, um sie eine halbe Stunde später wieder einzustellen.

Die US-Farbfernsehtechnik verwirft Bruch. Als sich das Rot der Haare einer Schauspielerin auf dem Fernseher im Hotel einfach nicht wiederherstellen lässt, urteilt er: "So kann das für uns in Deutschland nicht eingeführt werden."

Walter Bruch macht sich selbst an die Arbeit. Sein Arbeitgeber Telefunken unterstützt ihn nicht. Im Gegenteil: 1957 wird ihm die Leitung der Fertigung entzogen. Warum an Farbfernsehern fummeln, wenn der Schwarz-Weiß-Markt noch lange nicht ausgereizt ist?

Also arbeitet Bruch heimlich an seinem Traum: "Mit der linken Hand erledigte ich die mir aufgetragenen Entwicklungsarbeiten. Mit der rechten Hand verfolgte ich, was mir wichtig erschien." Sagt sich der Chef im Labor an, räumen Bruchs Mitarbeiter die Farbversuche weg und holen die Schwarz-Weiß-Projekte hervor.

Auch als ihm ein anderer zuvorkommt, gibt Bruch nicht auf. 1956 präsentiert der französische Techniker Henri de France sein Secam-System. Und Frankreichs Präsident Charles de Gaulle sieht eine Möglichkeit für seine "politique de grandeur": Französische Unternehmen sollen internationale Standards setzen und den Ruhm der Nation mehren.

"Natürlich waren wir die Gelackmeierten, als die Franzosen mit Secam kamen", erinnerte sich später Peter Boenisch, in den 50ern Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Nordwestdeutschen Rundfunk und späterer Chefredakteur der "Bild".

Aber die europäischen Staaten zieren sich, Secam zu übernehmen: Zu mächtig droht Frankreich zu werden, und zu groß ist auch die Verärgerung über gallische Alleingänge wie den Bau von Atomwaffen.

Am 3. Januar 1963 gibt es endlich eine Alternative: Walter Bruch präsentiert seine Erfindung namens Pal. "Was meinen Sie, was passiert wäre, wenn ich es Bruch-System genannt hätte?" entschuldigt der Erfinder später die Namenswahl.

Pal ist besser als das regelmäßig verschwimmende Secam. Doch hier geht es um mehr als Technik: Bruch soll sich mit den Franzosen einigen. Das Ergebnis ist vorhersehbar: Der sperrige Ingenieur sieht keine Möglichkeit, die Systeme ohne Qualitätsverlust zu vereinen.

Und Charles de Gaulle blockt ohnehin: "Wie groß auch immer das Glas sein mag, das uns von außen angeboten wird, wir ziehen es vor, aus unserem eigenen zu trinken und ringsum anzustoßen", sagt der General in einer Fernsehansprache - die in Schwarzweiß übertragen wird.

Was er damit meint, demonstriert er 1965, als sich auf einer Konferenz in Wien die Westeuropäer auf ein System einigen wollen. Überrascht erfahren die Delegierten, dass Frankreich vorgeprescht ist und einen Vertrag mit Russland abgeschlossen hat. Secam gewinnt den Ostblock. Ein Affront für die Westdeutschen - und eine Zwickmühle. Denn übernimmt Russland Secam, wird es auch die DDR bekommen. Und dann steht die Bundesrepublik unter Druck, ebenfalls auf Secam zu setzen, wenn sie den DDR-Bürgern weiter Westfernsehen bieten will.

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