Mitgehangen, mitgefangen. Weil bei einem Konkurrenten die Umsätze wegbrechen, muss auch die Aktie von Wacker Chemie
dran glauben. Analysten halten den Abschlag aber für übertrieben.
HB FRANKFURT Die Aktie von Wacker Chemie
ist am Dienstag eingebrochen. Sie leide unter der Prognosesenkung eines Wettbewerbers und dadurch ausgelöst unter Sorgen über die Gewinnentwicklung der Wacker-Tochter Siltronic, hieß es am Markt. MEMC
Electronic Materials
Bis Mittag sank die Aktie von Wacker Chemie
um 13,72 Prozent auf 67,99 Euro und war damit schwächster MDax-Wert
Analyst Tim Wilson von Kepler sieht ein Großteil der Probleme bei MEMC
als unternehmensspezifisch an. Im Grunde sollte Wacker davon nicht betroffen sein, sagte er. Allerdings geht er davon aus, dass die Tochter Siltronic, die Siliziumscheiben für die Halbleiterindustrie herstellt und ihre Produkte in US-Dollar verkauft, in den kommenden zwei Jahren kräftige Gewinneinbußen hinnehmen muss. Wilson kalkuliert für diese Sparte rückläufige Gewinne in Höhe von 30 Prozent für die Jahre 2009 und 2010 ein.
Zu MEMC
meinte Wilson, das Unternehmen habe eine schwache Nachfrage nach Chipwafern und eine unerwartete Schwäche im Spotgeschäft, einhergehend mit einem Preisdruck, für die Prognosesenkung verantwortlich gemacht. Daraufhin habe er mit Wacker Chemie
gesprochen und den Eindruck gewonnen, dass das Spotgeschäft bei Wacker bislang sehr gut gelaufen sei, sowohl hinsichtlich der Nachfrage als auch der Preisgestaltung.
Analyst Peter Spengler von der DZ BANK sieht durch die Umsatzwarnung von MEMC
negative Auswirkungen auf das Sentiment für die Solar- und Halbleiterindustrie (Wafer). "Wir gehen aber nicht davon aus, dass es direkte Auswirkungen auf die Gewinnerwartungen von Wacker geben wird." Der Grund für die Umsatzwarnung des US-Konkurrenten liegt laut Spengler in einem kurzfristigen Nachfragerückgang in den Halbleiter- und Photovoltaik-Märkten. "Im Gegensatz zu MEMC
produziert Wacker nur Solar-Wafer in einem Gemeinschaftsunternehmen mit Schott und verkauft diese nicht direkt wie MEMC."
Für über 90 Prozent der Polysilizium-Umsätze würden zudem langfristig vertraglich abgesicherte Festpreise vereinbart und nur ein geringer Teil über den Spotmarkt verkauft. Da zudem die Spotpreise in US-Dollar denominiert seien, seien sie umgerechnet in Euro stabil geblieben. Sein Urteil für Wacker lautet daher unverändert "Kaufen".
Analyst Michael Butscher von der Bayerischen Landesbank verwies für die Kursverluste der Wacker-Aktie vor allem auf mögliche Sorgen über die Gewinnentwicklung der Tochter Siltronic. Laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner sind die Wachstumserwartungen für den Halbleiterbereich im vierten Quartal und darüber hinaus sehr schlecht und seien kontinuierlich gesenkt worden, sagte er. Volumenseitig werde infolge der Finanzkrise und der Rezessionsszenarien für 2009 inzwischen nur noch mit einer Stagnation gerechnet. Butscher selbst geht inzwischen von einem negativen organischen Wachstum bei Siltronic im mittleren einstelligen Bereich aus, wundert sich aber dennoch über die drastischen Kursverluste der Wacker-Aktie. "Meines Erachtens ist Wacker Chemie
ein echtes Schnäppchen, schon allein wegen des Polysiliziumgeschäfts."
