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07.08.2008 
Kultunternehmen

Harley verliert an Fahrt

von Christian Panster

Aktien von Kultunternehmen haben es nicht immer leicht. Oft können sie die hohen Erwartungen der Anleger nicht erfüllen. Gerade hat es Harley Davidson erwischt: Die Aktien des amerikanischen Motorrad-Bauer aus Milwaukee sind nach einem Gewinneinbruch ins Rutschen geraten.

Die Krise am Hypothekenmarkt hat in den USA vieles verändert - auch für Harley. Foto: dpaLupe

Die Krise am Hypothekenmarkt hat in den USA vieles verändert - auch für Harley. Foto: dpa

FRANKFURT. Nachdem der Gewinn von Harley Davidson im zweiten Quartal um über 20 Prozent eingebrochen war, rutschen auch die Aktien ab: Weniger als 34 US-Dollar waren die Papiere zwischenzeitlich an der New Yorker Börse wert - vor einem Jahr kostete eine Aktie noch deutlich über 50 Dollar. Mittlerweile hat sich der Kurs aber wieder etwas erholt; fast 40 Dollar wurden in New York zuletzt je Harley-Anteil gezahlt.

Von den zweistelligen Wachstumsraten bei den Absatzzahlen, die der Konzern noch in den 90er- Jahren regelmäßig und voller Stolz verkündete, müssen sich die Anleger aber verabschieden. Ein Ende des Negativtrends sei noch nicht abzusehen, sagt Edward Aaron, Analyst bei RBC Capital Markets. Der für das Unternehmen so wichtige US-Markt ist satt, und das Geld sitzt bei den Amerikanern längst nicht mehr so locker. Die Krise am Hypothekenmarkt hat in den USA vieles verändert - auch für Harley.

Weiteres Wachstum könne nur außerhalb Nordamerikas erzielt werden, heißt es deshalb in der Konzernzentrale in Milwaukee. Die Hoffnungen ruhen auf dem italienischen Motorradbauer MV Agusta, der ursprünglich aus Samarate, einem kleinen Städtchen in der Lombardei im Norden Italiens stammt. Umgerechnet rund 70 Mill. Euro hat Harley Davidson für das Aktienpaket an MV Agusta auf den Tisch gelegt, inklusive Schulden; vor zwei Wochen wurde der Deal festgezurrt.

Wunder sollten die Anleger von der Agusta-Übernahme aber nicht erwarten. Die Italiener sind in der Branche ein Leichtgewicht. Zum Vergleich: Während Harley Davidson pro Jahr 330 000 Motorräder zusammenschraubt, kommt Agusta auf knapp 6 000. Zuletzt musste die Produktion sogar gedrosselt werden, weil dem italienischen Unternehmen das Geld ausging.

Interessant ist der Agusta-Deal für Harley Davidson wegen des Bekanntheitsgrades der Italiener. Das Design der Sportmaschinen ist über die Grenzen der Lombardei hinaus beliebt. Die schneidigen Motorräder aus dem Hause Agusta peppen das Angebot Harley Davidsons zumindest auf, nachdem das Geschäft mit den schweren Choppern zuletzt schwach lief. Dazu kommt eine glorreiche Vergangenheit: Zwischen 1952 und 1973 dominierten Fahrer wie Carlo Ubbiali oder Phil Read auf den Maschinen von MV Agusta die Motorrad-Weltmeisterschaften. Das dürfte den traditionsverliebten Herren in Milwaukee gefallen haben. Ein Hoffnungsschimmer - ob das für die Zukunft ausreicht, ist aber fraglich.

Die Analysten jedenfalls sind verhalten, was die Harley-Aktie betrifft. Zehn von 15 Experten, die in den vergangenen vier Wochen das Biker-Papier bewertet haben, sagen laut Finanzinformationsdienst Bloomberg "halten", vier "kaufen"; einer rät den Anlegern, ihre Anteilsscheine zu "verkaufen". Am optimistischsten ist Craig Kennison vom Vermögensverwalter Robert W. Baird & Co. Er rechnet damit, dass die Harley-Aktie mittelfristig wieder auf über 50 Dollar klettert. Im Schnitt liegt das Kursziel der Analysten bei 40,18 Dollar. Verglichen mit dem aktuellen Niveau bedeutet das nur wenig Luft nach oben.

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