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30 Werte im Test: Welche Dax-Aktien 2013 durchstarten

Die deutschen Börsen-Schwergewichte im Härtetest: Bei welchen der 30 Dax-Werte sich ein Kauf für Anleger lohnt, von welchen Werten sie 2013 erst einmal die Finger lassen sollten - in alphabetischer Reihenfolge.

  • Adidas

    Adidas

    Der Fußball-EM-Titel der Spanier war auch für Adidas ein Erfolg; die Herzogenauracher rüsten die spanische Nationalmannschaft aus. Überhaupt war 2012 ein gutes Jahr für den fränkischen Sportartikelkonzern. So sorgten neben der Fußball-EM die Olympischen Spiele für starke Zahlen: Zwischen 770 und 785 Millionen Euro soll der Gewinn laut Adidas trotz der zuletzt schwächelnden Konjunktur in China im Gesamtjahr betragen, ein Rekordergebnis. In China macht Adidas zehn Prozent des Konzernumsatzes, wuchs aber zuletzt um 30 Prozent. Auf Rekordniveau bewegt sich auch der Aktienkurs: Mitte Dezember stieg er auf ein Allzeithoch.

    Dass kein größeres Sportspektakel ansteht, muss nicht zwangsläufig heißen, dass 2013 ein schwaches Börsenjahr für Adidas wird: 2011, als der Dax deutlich abgab, war Adidas einer der wenigen Gewinner im Index – ohne Rückenwind durch ein Fußballturnier oder Olympia. Zwar dürfte das Sorgenkind Reebok im kommenden Jahr wieder stärker in den Vordergrund rücken. Doch nachdem die Probleme bei der US-Tochter aller Voraussicht nach das Ergebnis für das vierte Quartal belastet haben, gab sich Adidas-Chef Herbert Hainer zuletzt davon überzeugt, dass die US-Tochter 2013 wieder wachsen werde.

    Grundsätzlich dürften die Probleme von Reebok bereits im Aktienkurs von Adidas mit eingerechnet sein. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist zwar nicht extrem günstig. Angesichts eines von 2012 auf 2013 prognostizierten Gewinnwachstums von 18 Prozent scheint es aber nicht überzogen, zumal das starke Wachstum aus eigener Kraft sich in den beiden Folgejahren fortsetzen dürfte. Zwar stellt die konjunkturelle Entwicklung, vor allem in China und damit in ganz Asien nach wie vor ein Risiko dar. Dass es hier aber zuletzt einige Anzeichen von Entspannung gab, ist ein weiteres Argument dafür, dass Anleger an schwächeren Tagen zugreifen können.

    Adidas
  • Allianz

    Allianz

    Mit der Stabilität von Euro-Staaten steht und fällt die der Allianz, mit 500 Milliarden Euro einer der ganz großen Kapitalanleger. Bei Staats- und Bankenpleiten drohen massive Abschreibungen. Allianz-Chef Michael Diekmann forderte von der EU jüngst gar eine Insolvenzordnung für Staaten. Noch aber hält die Euro-Zone, und Diekmann rechnet für 2012 mit über neun Milliarden Euro Gewinn vor Steuern, nach knapp acht Milliarden 2011. Das dürfte kaum in dem Tempo weitergehen, zu niedrigen Zinsen und niedrigerem Wachstum kommen nur moderat steigende Prämien.

    In der Schaden- und Unfallsparte verbesserte sich die Schaden-Kosten-Quote von 97,6 auf 96,3; pro Euro Beitrag gibt die Allianz also 96 Cent aus. Leben- und Krankensparte haben bis September 30 Prozent mehr verdient. Die Überschussbeteiligung der Leben-Kunden aber wird von 4,0 auf 3,6 Prozent gedrückt. So bleibt Luft – für die Ausschüttung an die Mutter und mehr Dividende für Aktionäre. Aber: Die Aktie hat viel Positives vorweggenommen.

    Allianz
  • BASF

    BASF

    Die Weltkonjunktur lief nicht rund, die zyklische Nachfrage nach Basischemie flaute ab. Dennoch musste BASF seine Prognosen nicht knicken. Der weltgrößte Chemiekonzern hat in der Vergangenheit klug diversifiziert und mit Agrarchemie, Pflanzenschutz sowie der Öl- und Gastochter Wintershall konjunkturresistente Geschäftsbereiche im Portfolio. Dank seiner Finanzstärke konnte BASF die Krise gar nutzen, um Wettbewerber aufzukaufen und die Marktposition in Asien zu festigen. In Ludwigshafen werden ambitionierte, aber nicht unerreichbare Rentabilitäts- und Wachstumsziele verfolgt.

    Der Umsatz soll bis 2020 um durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr auf 115 Milliarden Euro zulegen, der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation um gut sieben Prozent pro Jahr auf rund 23 Milliarden Euro. Der 1865 gegründete Traditionskonzern hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er Werte schafft. So soll es bleiben und im Schnitt eine Prämie von 2,5 Milliarden Euro auf die Kapitalkosten verdient werden. Erklärtes Ziel ist es, die Dividende jährlich zu steigern. Korrekturen sind Kaufgelegenheiten.

    BASF
  • Bayer

    Bayer

    Pünktlich zum 150-jährigen Firmenjubiläum häufen sich die Erfolgsmeldungen aus Leverkusen. Vor allem die Pharmasparte liefert derzeit serienweise Vermarktungs- oder Studienerfolge aus ihrer Produktpipeline. Diese wird von zahlreichen Experten hochgelobt und gilt als eine der aussichtreichsten in der Branche überhaupt. Bayer hat derzeit 35 Produkte in der klinischen Entwicklung und bereitet bei fünf potenziellen Blockbustern den Marktstart vor. Von ihnen versprechen sich die Leverkusener in der Spitze ein Umsatzvolumen von 5,5 Milliarden Euro. In den Schwellenländern wächst Bayer im zweistelligen Prozentbereich, in China zählt Bayer inzwischen zu den Top Drei im Pharmageschäft.

    Derzeit erntet der Konzern den Lohn für seine umfangreiche Forschungsarbeit. Konzernweit wird Bayer aber auch 2013 wieder gut drei Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgeben – auch, um noch mehr Synergien zwischen den Segmenten Pflanzenschutz, Kunststoffe und Medikamente zu erreichen. Forderungen nach einer Aufspaltung des Konzerns sind inzwischen kaum mehr zu vernehmen. Aus heutiger Sicht zählt die Aktie auch über 2013 hinaus zu den aussichtsreichsten Titeln im Dax. Kursrücksetzer bieten Kaufchancen.

    Bayer
  • Beiersdorf

    Beiersdorf

    Ein gutes Jahr war 2012 für die Aktionäre des Hamburger Kosmetikkonzerns. Knapp 40 Prozent legte der Kurs der Beiersdorf-Aktie im Jahresverlauf zu. Damit ist die Börse allerdings ziemlich weit in Vorleistung gegangen. Denn Beiersdorf wird inzwischen mit dem 26-Fachen des für 2013 geschätzten Gewinns pro Aktie bewertet. Das ist teuer, auch im Vergleich zu größeren und margenstärkeren Konkurrenten wie Procter & Gamble oder L’Oréal. Die hohe Bewertung macht die Aktie daher anfällig für Gewinnmitnahmen und schärfere Kurskorrekturen.

    Das Risiko besteht selbst dann, wenn Beiersdorf den erfolgreichen Kurs im operativen Geschäft fortsetzt. Vor allem auf den Wachstumsmärkten kommt Beiersdorf zunehmend besser in Tritt. Der Nivea-Hersteller wächst mit fünf Prozent stärker als der globale Konsumgütermarkt mit maximal vier Prozent. Auch die vergleichsweise magere Dividendenrendite von 1,3 Prozent bietet nicht unbedingt ein Polster, um mit der Aktie durch größere Turbulenzen zu gehen.

    Beiersdorf
  • BMW

    BMW

    Käufer in China, Russland und lateinamerikanischen Schwellenländern lieben die Marke, selbst der angejahrte X5 läuft gut. BMW liegt aber sogar in Europa stabil im Markt, dank neuer 1er- und 3er-Modelle in 2012. Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler, sieht die Erwartungen an den europäischen Automarkt als so niedrig an, dass positive Überraschungen möglich seien. Im Westen setzt BMW auf Öko, ein riskanter Spagat zwischen sportlich und sparsam.

    Der für Ende 2013 angekündigte i3 soll Elektromotor und Karbon-Karosse vereinen. Fast zu viel Innovation: Stromfahrzeuge leiden unter zu langer Ladedauer und fehlender Infrastruktur. Ein Notmotor soll Fahrern die Angst vor leeren Batterien nehmen. Das wird teuer, und der i3 ist keine schnittige Schönheit mehr. Ein schneller Durchbruch wird kaum möglich sein. Bei Vorsteuergewinnen um acht Milliarden Euro kann BMW Abschreibungen wegstecken und als Markenpflege verbuchen. Wenig zu bieten hat BMW bei Assistenzsystemen – in alternden Gesellschaften ein wichtiges Thema.

    BMW
  • Commerzbank

    Commerzbank

    Dividende gibt’s keine, Geschäftserholung ist nicht in Sicht, und damit fehlen auch Argumente für steigende Kurse – außer dem verzweifelten, dass die Aktie so weit unten ist. Dabei sollten Spekulanten nicht vergessen, dass es nach den Kapitalerhöhungen sehr viele Aktien gibt. Selbst Übernahmefantasien (kaufen die Chinesen?) und neue Spar-Gerüchte (fallen mehr als 5000 Stellen weg?) lassen die Börse kalt. Klar ist: Die zu 25 Prozent verstaatlichte Bank braucht eine Kosten-Radikaldiät und trennt sich von Altlasten, weil das Eigenkapital sonst nicht reicht.

    Die 15 Millionen Privatkunden bringen kaum Gewinn, hier ist Schrumpfen angesagt. Auf der Resterampe liegen die Eurohypo und die ehemalige Deutsche Schiffsbank, Papiere für rund 160 Milliarden Euro sollen verramscht werden: Staatsanleihen sowie Schiffs- und Immobilienkredite. Bis sich die Schrumpfkur auszahlt, brauchen Aktionäre Geduld. Sie müssen hoffen, dass die Bank mit dem Mittelstandsgeschäft und der Internet-Bank Comdirect genug verdient, um irgendwann wieder eine Dividende ausschütten zu können.

    Commerzbank
  • Continental

    Continental

    Gern betonen die Hannoveraner, dass sie weit mehr als nur ein Reifenproduzent seien. Schließlich machen die Geschäftsbereiche elektronische Bremssysteme, Antriebstechnik, Infotechnik und Funktionsteile insgesamt rund 70 Prozent des Conti-Umsatzes aus. Sie legen derzeit mit Wachstumsraten von durchschnittlich fünf Prozent zu – in modernen Autos werden immer mehr Assistenzsysteme, Infotechnik und Software verbaut. Conti arbeitet derzeit an einem Autopilot, der selbstständiges Fahren möglich macht und ab 2016 angeboten werden soll. Auf dem großen Absatzmarkt Brasilien entsteht ein neues Technologiezentrum.

    Dennoch, entscheidend für die Entwicklung von Conti bleibt das Reifengeschäft. Es liefert immer noch die Hälfte der operativen Gewinne – und deshalb setzt das Unternehmen wieder verstärkt auf seine klassischen Produkte. Der bisherige Umsatzschwerpunkt (drei Viertel in Europa und Nordamerika) wird sich dabei schrittweise nach Asien verlagern. Der Automarkt in China dürfte 2013 um sechs Prozent zulegen, während in Europa eine Schrumpfung um drei bis vier Prozent ansteht. Entsprechend plant Conti die Expansion: In China soll die Produktion auf acht Millionen Reifen pro Jahr ausgebaut werden, in Brasilien wird sie auf neun Millionen verdoppelt, in Russland beginnt eine neue Fertigung.

    Weltweit dürfte der Automarkt 2013 um drei bis vier Prozent wachsen und das Reifengeschäft in ähnlicher Weise zulegen. Für Conti macht das einen Umsatzanstieg von 32,5 Milliarden Euro auf mehr als 34 Milliarden möglich. Bei wahrscheinlich stabilen Rohstoffpreisen sollte der Nettogewinn in ähnlicher Weise auf 2,1 Milliarden Euro klettern. Da es immer noch möglich ist, dass Großaktionär Schaeffler (49,9 Prozent Anteil) Conti-Papiere verkauft, ist die Aktie vorerst nur eine Halteposition.

    Continental
  • Daimler

    Daimler

    Der erfolgreiche Start der neuen, durchaus frischen A-Klasse im Kompaktwagensegment zeigt, dass Daimler doch noch Zähne hat. Und mehr Biss ist in Untertürkheim auch dringend angesagt. Denn im Vergleich zu den Konkurrenten BMW und Audi haben die Schwaben zuletzt an Boden verloren – sei es auf Kernmärkten wie China, sei es im Dienstwagengeschäft hierzulande. Knapp fünf Milliarden Euro Nettogewinn holte Daimler im vergangenen Jahr aus rund 112 Milliarden Euro Umsatz. Die Rendite von 4,5 Prozent, die sich daraus ergibt, liegt unter den gut sechs Prozent von BMW und deutlich unter den neun Prozent von Volkswagen.

    Daimler leidet in unsicheren Konjunkturzeiten unter seinem Nutzfahrzeuggeschäft (Lastwagen, Omnibusse), das rund 40 Prozent der Konzernumsätze ausmacht, aber nur etwa ein Drittel der Vorsteuergewinne bringt. Umso wichtiger ist es, dass Daimler sein Kerngeschäft Mercedes wieder flott bekommt. Eine Schlüsselrolle spielt China. Das Land soll bis 2020 der größte Absatzmarkt für Daimler werden. Mit dem Partner Beijing Automotive starten die Stuttgarter gerade eine Vertriebsoffensive, mit der die Zahl der jährlich verkauften Fahrzeuge bis 2015 auf 300 000 verdoppelt werden soll.

    Entscheidend wird der Erfolg der S-Klasse sein, die 2013 als neues Modell auf den Markt kommen soll und nirgends so gut verkauft werden könnte wie in China. Insgesamt dürfte Daimler Umsatz und Gewinn im neuen Jahr leicht erhöhen. Daimlers Börsenwert liegt derzeit sogar unter dem von BMW, obwohl Daimlers Geschäftsvolumen deutlich größer ist. Die Aktie hat Nachholbedarf. Eine Konjunkturerholung käme Daimler über das Nutzfahrzeuggeschäft besonders zugute. Als Belohnung für das Warten darauf gibt es eine ansehnliche Dividende.

    Daimler
  • Deutsche Bank

    Deutsche Bank

    Wenig spricht dafür, dass die Aktie besser läuft als der Dax. In den ersten neun Monaten 2012 verdiente die Bank knapp vier Milliarden Euro, gut 30 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2011. Jetzt stehen hohe Belastungen durch Restrukturierungen und Abbau von Risiken an. Vermögenswerte über 125 Milliarden Euro sollen verkauft werden. So will die Bank Investoren beruhigen, die ihre dünne Kapitaldecke kritisieren. Obwohl sie wegen ihrer weltweiten Vernetzung besonders viel Kapital braucht, liegt sie mit einer nach den Basel-III-Regeln berechneten Eigenkapitalquote von 7,2 Prozent deutlich hinter Wettbewerbern.

    Um mithalten zu können, will die Bank die Kosten um 4,5 Milliarden Euro senken. Wegen ihrer stabilen Position in Deutschland wird sie von der Schuldenkrise weniger getroffen als Konkurrenten, mittelfristig ist ihre relativ günstige Refinanzierung gesichert – jedoch nur so lange, wie eine in der EU diskutierte Zerschlagung nicht kommt. Unabsehbar sind die Folgen von Prozessen. Der verlorene Kirch-Prozess dürfte bis zu eine Milliarde Euro kosten, die Klage wegen Manipulation des Leitzinses Libor einen hohen dreistelligen Millionenbetrag.

    Deutsche Bank
  • Deutsche Börse

    Deutsche Börse

    Umsatz und Gewinn vor Steuern sind 2012 gegenüber dem bewegten Börsenjahr 2011 leicht rückläufig, zuletzt musste der Vorstand seine Jahresziele kassieren. 2013 soll alles besser werden, die Börse will wieder wachsen. Künftig müssen Banken und Fonds bestimmte außerbörsliche Derivategeschäfte über eine Börse verrechnen lassen, von diesem Geschäft, in dem aber auch schon starke Wettbewerber unterwegs sind, will die Börse eine Scheibe abhaben.

    Bitter ist, dass die Pflicht zur Derivateverrechnung erst 2014 kommen dürfte, später als erhofft. Neue Geschäfte tun sich durch die Bankenregulierung auf: Banken müssen vermehrt Wertpapiere als Sicherheiten hinterlegen, die Börsen-Tochter Clearstream will Papiere von Kunden miteinander verrechnen. Solche Geschäfte können auch bei flauem Börsenhandel laufen, der Börse hilft, dass sie nicht nur vom Aktienhandel abhängt, sondern auch die Terminbörse Eurex und den Wertpapierverwahrer Clearstream hat.

    Eher zäh laufen Kooperationen an, in Asien verbessert die Börse ihre Leitungen, die Eurex kooperiert mit Singapur und der Konzern mit Moskau. Analysten loben die Kostendisziplin, 2013 aber werden die Kosten wohl steigen, weil man in neue Geschäftsfelder investieren muss. Negativ: Die von der EU geplante Finanztransaktionssteuer dürfte vor 2015 zwar kaum greifen, würde aber den automatisierten Börsenhandel treffen, Einbußen im Xetra-Handel um 20 Prozent wären keine Überraschung.

    Eine Gefahr könnte auch der Markteintritt der US-Terminbörse CME in Europa sein, sie könnte Eurex Marktanteile abnehmen und zu weiteren Gebührensenkungen zwingen. CME bietet zunächst nur Währungsderivate, die es an der Eurex nicht gibt, könnte die Palette aber ausweiten. Fazit: einige Risiken, kein großer Wachstumstreiber zu erkennen.

    Deutsche Börse
  • Deutsche Lufthansa

    Deutsche Lufthansa

    Die Airline hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Der Streik des Kabinenpersonals legte 1500 Flüge lahm, Flugausfälle und Tarifeinigung werden rund 66 Millionen Euro kosten – ein Rückschlag im Sparkurs, mit dem der Konzern den Gewinn bis Ende 2015 um 1,5 Milliarden Euro anheben will. Die Pläne nehmen langsam Gestalt an, was den Aktienkurs in der zweiten Jahreshälfte bereits beflügelte: Die Kapazitätskürzungen im Flugangebot führten bereits zu besserer Auslastung bei Passagier- und Frachtflügen.

    Im dritten Quartal kletterten Umsatz und Ergebnis um sechs Prozent, besser als erwartet. Auch die Pläne für das neue Jahr gedeihen: Mit der Billigtochter Germanwings trotzt Lufthansa ab Januar den innereuropäischen Preisbrechern, die Hauptmarke lockt auf der Langstrecke mit Komfort. Der Abbau von 3500 Verwaltungsstellen soll den Flugriesen weiter verschlanken. Doch auch der Gegenwind wird 2013 kaum nachlassen. Hohe Kerosin- und Personalkosten, Luftverkehrssteuer und womöglich Emissionszertifikate sowie Preisdruck von Billigfliegern und subventionierten Airlines dürften der Aktie zu schaffen machen.

    Deutsche Lufthansa
  • Deutsche Post

    Deutsche Post

    Die Bundesbürger shoppen kräftig bei Online-Portalen wie Amazon und Zalando. Die Deutsche Post freut’s, die Pakete mit den dort erworbenen Produkten werden schließlich von ihr geliefert. Das überkompensiert den Rückgang im Briefgeschäft. Die Bonner machen ihr Geschäft allerdings schon lange nicht mehr nur im Inland, gerade mit ihrer globalen Aufstellung punktet die Post auch bei Anlegern. In China etwa ist ihre Logistiktochter DHL Marktführerin im internationalen Expressgeschäft.

    Sollten die jüngsten Anzeichen einer Erholung der dortigen Wirtschaft keine Fehlsignale sein, dürfte das Reich der Mitte auch im kommenden Jahr für Impulse sorgen. Der Durchschnitt der Analysten ist jedenfalls optimistisch und geht bis 2015 von einem jährlichen Gewinnzuwachs von rund zehn Prozent aus. Zwar ist die ab Januar gültige Briefportoerhöhung bereits im Aktienkurs enthalten. Doch mit einer Dividendenrendite von 4,3 Prozent gibt es nach wie vor ein schlagendes Argument für die Aktie. Zumal die Post höhere Pensionsverpflichtungen mit einer Wandelanleihe finanzieren will und auf diese Weise Druck aus dem Papier nimmt.

    Deutsche Post
  • Deutsche Telekom

    Deutsche Telekom

    Lange Zeit galt die Dividende der Telekom als bestes Argument für die einstige Volksaktie. Warum immer nervös auf die Performance schauen, wenn man bequem eine regelmäßige Ausschüttung von bis zu zehn Prozent kassieren kann, so das Credo vieler Aktionäre. Das Argument hat allerdings jüngst an Gewicht verloren. Zwar bestätigte Telekom-Chef René Obermann Anfang November, dass die Ausschüttung für 2012 bei 70 Cent pro Aktie liegen werde. Doch einen Monat später ließ er verlauten, dass die Dividende für das Folgejahr drastisch gekappt werde, auf nur noch 50 Cent je Anteilschein.

    Das überraschte Analysten wie Börsianer gleichermaßen: Am Tag der Bekanntgabe rutschte die T-Aktie um zeitweise gut drei Prozent ab. Auf der anderen Seite spart die Telekom nun aber rund 800 Millionen Euro ein und schafft so wieder Raum für Wachstumsfantasie, welche ihr Kritiker in den vergangenen Jahren stets abgesprochen hatten: In den nächsten vier Jahren will die Telekom unter anderem rund 24 Millionen Haushalten superschnelle VDSL-Anschlüsse zur Verfügung stellen. Belastungsfaktoren gibt es 2013 natürlich auch für die Telekom.

    So ist die Fusion der US-Tochter T-Mobile USA mit dem Mobilfunkanbieter MetroPCS nicht fix, noch fehlt grünes Licht von Aktionären und Wettbewerbsbehörden. Zudem hat mit dem Private-Equity-Riesen Blackrock gerade ein Großaktionär seinen Aktienanteil reduziert (von 4,44 auf 2,93 Prozent). Sollten allerdings die neuen Netzaktivitäten greifen, könnten Aktionäre diese Belastungsfaktoren ebenso verkraften wie die geringere Dividendenausschüttung. Zumal sie nicht vergessen sollten: Bei einer Ausschüttung von 50 Cent ist die Dividendenrendite mit 5,9 Prozent immer noch überdurchschnittlich.

    Deutsche Telekom
  • E.ON

    E.ON

    Die Aktie des Versorgers war die Enttäuschung des Jahres. Auch für 2013 gibt es keine Entwarnung. Weil Ökostrom gesetzlich privilegiert wird, haben Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke Absatzprobleme. Den Strompreis für private Kunden zu erhöhen bringt E.On etwas Ausgleich; dass die mächtigeren Industriekunden auch mehr zahlen, darf bezweifelt werden. Von der Absatzseite sind also bestenfalls gemischte Impulse zu erwarten. Richtig Probleme gibt es auf der Produktionsseite: Alte Kraftwerke wie Herne müssen abgeschaltet werden, neue wie Datteln IV werden wegen Verstößen gegen Umwelt- und Planungsrecht nicht fertig; beides belastet die Kostenrechnung.

    Wegen der Probleme im Heimatmarkt forciert E.On das internationale Geschäft (etwa in der Türkei). Das läuft aber vor allem mit lokalen Partnern, die sich dabei natürlich einen möglichst hohen Renditeanteil sichern. Dass E.On bei alldem einen riesigen Schuldenberg vor sich herschiebt, engt den strategischen Spielraum ein. Die Gewinnaussichten sind trübe, die Dividende wird schmaler ausfallen – und für einen Turn-around ist die Aktie noch nicht billig genug.

    E.ON
  • Fresenius

    Fresenius

    Im ersten Moment war es eine Enttäuschung, als Fresenius die sicher geglaubte Übernahme des Krankenhausverbunds Rhön-Klinikum dann doch nicht gelang. Mit Rhön hätte Fresenius sein florierendes Krankenhausgeschäft der Tochtergesellschaft Helios (72 Kliniken, 23 000 Betten) stärker ausgebaut. Doch die Fresenius-Manager haben umgeschaltet, die für Rhön bereitgestellten Finanzmittel fließen nun in den Ausbau des Geschäfts mit Infusionslösungen, intravenös verabreichten Medikamenten und klinischer Ernährung.

    Wie im Krankenhausgeschäft sind die Wachstumsraten hier zweistellig. Dazu sind nun weitere Zukäufe möglich, wahrscheinlich in Amerika. Die Infusions-Tochter Kabi dürfte 2013 zum gesamten Geschäftsvolumen von Fresenius (fast 21 Milliarden Euro) mehr als ein Viertel beitragen. Der Schwerpunkt von Fresenius bleibt weiterhin das aussichtsreiche Geschäft mit Dialyse von FMC (siehe dort). Die kleine, unrentable Biotech-Sparte wird verkauft. Fresenius-Aktien bieten ähnliche Chancen wie FMC-Papiere – wegen der geringeren Abhängigkeit von einem Produkt allerdings mit weniger Risiken.

    Fresenius
  • Fresenius Medical Care

    Fresenius Medical Care

    Welt- weit steigende Lebenserwartung und Massenkrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck führen dazu, dass immer mehr Menschen eine Dialyse benötigen. Die Zahl der Nierenpatienten dürfte sich bis 2020 auf rund vier Millionen verdoppeln. Mit seinen 3135 Dialyse-Kliniken und 256 000 Patienten ist FMC hier weltweit Marktführer. In den vergangenen zehn Jahren verdoppelte sich das Geschäftsvolumen auf rund 10,8 Milliarden Euro. 2013 ist ein Anstieg auf 11,5 Milliarden realistisch. Die Gewinnspanne ist stabil, netto sollten nach rund 900 Millionen Euro 2012 dann 2013 fast eine Milliarde Euro bleiben.

    Auf dem Hauptmarkt USA profitiert FMC davon, dass es mit der zweiten Amtszeit von Präsident Barack Obama keine Einschnitte in lebenswichtigen Bereichen des Gesundheitswesens geben dürfte. Für Unsicherheit sorgen in den USA Produkthaftungsklagen wegen möglicher Nebenwirkungen. Zugute kommt FMC, dass die betroffenen Dialyselösungen seit Jahren von der amerikanischen Gesundheitsbehörde zugelassen sind. Die Aktie ist ein Basisinvestment, das in der Korrektur einen Kauf lohnt.

    Fresenius Medical Care
  • HeidelbergCement

    Heidelberg-Cement

    Die Zeiten großer Übernahmen sind vorbei. Das ist auch gut so. HeidelbergCement hatte sich 2007 durch den 14 Milliarden Euro teuren Kauf des britischen Baustoffkonzerns Hanson fast verhoben. Zwar gelang dadurch der Aufstieg zum weltweit drittgrößten Zementhersteller. An der Börse leitete die Übernahme aber den Abstieg ein, weil die Nettoschulden, ausgerechnet kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, auf rund 14 Milliarden Euro angeschwollen waren.

    Davon hat sich der Kurs bis heute nicht erholt. Das Papier notiert noch 60 Prozent unter dem Hoch von 2007. Immerhin haben sich die Schulden seither nahezu halbiert. Die Zementindustrie befindet sich nach längerer Durststrecke wieder etwas im Aufwind. Spürbares Wachstum kommt aber erst aus den Schwellenländern. Auf lange Sicht sollte sich Afrika zu einem wichtigen Markt für HeidelbergCement entwickeln. Charttechnisch stößt die Aktie bei Kursen um 50 Euro aber an erhebliche Widerstände.

    HeidelbergCement
  • Henkel

    Henkel

    Von wegen langweilig: Die Aktie des Düsseldorfer Konzerns kletterte im November auf ein neues Allzeithoch. Im dritten Quartal hatten sowohl das Geschäft mit Waschmitteln als auch die Klebstoff- und die Kosmetiksparte zugelegt, und das vor allem in China. Der Großteil der Analysten ist weiter optimistisch, wohl auch weil Konzernchef Kasper Rorsted zuletzt als Ziel ausgab, bis 2016 den Umsatz von derzeit 16,5 Milliarden (Prognose 2012) auf dann 20 Milliarden Euro zu steigern.

    Die Hälfte des Umsatzes soll dann auf Wachstumsregionen entfallen. Zudem plant er, das Ergebnis pro Aktie jährlich um zehn Prozent zu steigern. Durch den Kursanstieg ist die Bewertung allerdings mittlerweile jenseits der Schnäppchenregion, dagegen fällt das geschätzte Gewinnwachstum mit neun Prozent (2013) verhalten aus. Gewinnmitnahmen wären nicht verwunderlich – zumal die Dividendenrendite von vielen anderen Dax-Werten übertrumpft wird.

    Henkel
  • Infineon

    Infineon

    Als Früh-Zykliker merkt der Chipkonzern bereits die schwächere Konjunktur. Im Geschäftsjahr 2011/12 (bis Ende September) musste Infineon einen Gewinnrückgang (Ebit) um 60 Prozent und zwei Prozent Umsatzverlust hinnehmen. 2012/13 soll der Umsatz gar um neun Prozent schrumpfen. Die Börse wettet aber schon wieder auf bessere Geschäfte und zog die Aktie seit September um 20 Prozent nach oben. Steigende Nachfrage aus China könnte ab Frühsommer die Wende bringen, hofft der Vorstand.

    Das könnte gelingen, doch die Aktie ist bereits zu teuer, hat zu viel vorweggenommen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des laufenden Geschäftsjahres liegt bei 31, der Unternehmenswert (Börsenwert plus Schulden, abzüglich Cash) beim rund 12-Fachen operativen Gewinn (Ebitda). Das ist sportlich. Risiko: Der Insolvenzverwalter von Qimonda, der ehemaligen Speicherchip-Tochter von Infineon, wirft dem Konzern Fehler vor und fordert 3,4 Milliarden Euro; Infineon hat dafür aber nur gut 300 Millionen zurückgestellt.

    Infineon
  • K+S

    K+S

    Laut Welternährungsorganisation FAO müsste die Agrarproduktion bis 2050 um 70 Prozent steigen, um die Nahrungsbedürfnisse der Weltbevölkerung zu decken. Die Ackerflächen werden sich aber bis 2050 nur um fünf Prozent ausweiten. Also brauchen Bauern Mineraldünger, der die Produktivität eines Feldes in etwa vervierfacht. Höhere Absatzpreise für Agrargüter in diesem Jahr verbessern die Einkommen der Landwirte und geben denen Spielraum, mehr Düngemittel einzusetzen. Eigentlich wäre das Feld also bestellt für Düngemittelhersteller wie K+S. Nur ist davon im Kursverlauf der Aktie nichts zu spüren.

    Der Kurs liegt kaum höher als beim Crashtief Ende 2008. Über die Ursachen gibt es nur Spekulationen. Gut, K+S wird in Deutschland wegen Versalzung von Flüssen politisch angeschossen. Und K+S produziert Kalidünger. Deren Preise stehen wegen globaler Überkapazitäten unter Druck. Zudem können Landwirte, anders als auf Stickstoffdünger, einige Zeit auf den Einsatz von Kali verzichten, ohne direkt Ertragseinbußen zu erleiden. Befriedigende Erklärungen für die rätselhafte Kursschwäche sind das aber kaum. Charttechnisch zu einem ernsten Problemfall würde die K+S-Aktie bei einem Sturz unter 30 Euro. »

    K+S
  • Lanxess

    Lanxess

    Der Blick aus einem rasenden Auto, vorbei an grünen Bäumen und Büschen, ziert den jüngsten Quartalsbericht von Lanxess. Damit baut der Spezialchemiker auf das Trendlabel green, in dem die größte Chance für Lanxess liegt. Das Unternehmen ist führend bei Hochleistungskautschuk für die Produktion umweltverträglicher Autoreifen. Ging es bisher in der Reifenindustrie vor allem um neues Profil oder Design, so spielt sich die weitere Entwicklung vor allem beim Material ab.

    Seit in der EU neue Autoreifen gekennzeichnet werden müssen (etwa nach Rollwiderstand und Lärmentwicklung), steigt die Nachfrage nach dem Lanxess-Spezialkautschuk. Mit neuen Werken in China und Singapur wird Lanxess das Asiengeschäft ausbauen. Die kleineren Sparten (Agrochemie, Färbemittel) entwickeln sich stabil. Insgesamt sollte Lanxess seine Schwächephase vom dritten Quartal 2012 überwinden und beim Umsatz im neuen Jahr rund fünf Prozent zulegen. Dank robuster Margen sind Rekordgewinne von rund 580 Millionen Euro netto möglich – und neue Höchstkurse für die Aktie.

    Lanxess
  • Linde

    Linde

    Seit Wolfgang Reitzle vor zehn Jahren zum Vorstandschef berufen wurde, hat sich Linde beeindruckend entwickelt. Reitzle formte aus dem einstigen Mischkonzern, dessen Ursprünge in der Kältetechnik und bei Gabelstaplern lagen, den weltweit führenden Anbieter von Industriegasen. Er verkaufte die Kältetechnik, gliederte die Gabelstaplersparte aus und schluckte 2006 für 15 Milliarden Euro noch gerade rechtzeitig vor Ausbruch der Kreditkrise den größeren britischen Konkurrenten BOC. Im Geschäft mit Industriegasen werden Kunden aus vielen verschiedenen Branchen (Chemie, Stahl, Energiewirtschaft, Lebensmittel, Medizintechnik) versorgt.

    Das ist der Grund, warum Linde konjunkturelle Rückschläge gut ausgleichen kann. Besonders robust ist das Geschäft mit Medizingasen. Hier stieg Linde in diesem Jahr mit der 3,6 Milliarden Euro schweren Übernahme der US-Gesellschaft Lincare zum Weltmarktführer auf. Für das konjunkturell zeitweise schwächere Jahr 2012 wird Reitzle abermals Rekordzahlen präsentieren. Analysten rechnen im Schnitt mit 15,2 Milliarden Umsatz und einem operativen Gewinn von 3,5 Milliarden Euro.

    Für 2013 peilt Linde ein operatives Ergebnis von mindestens vier Milliarden Euro an. Maßgeblich beigetragen zum Gewinnwachstum hat das 2008 aufgelegte Sparprogramm, mit dem die Kosten um nahezu 800 Millionen Euro pro Jahr gesenkt werden konnten. Um die Profitabilität weiter zu steigern und möglichst rasch den auf über zehn Milliarden Euro gewachsenen Schuldenberg abzutragen, legt der Konzern ein neues Programm auf, das zwischen 2013 und 2016 Einsparungen von 750 Millionen bis 900 Millionen Euro bringen soll. Der Aktienkurs wirkt nach der atemberaubenden Entwicklung der vergangenen Jahre allerdings ausgereizt.

    Linde
  • Merck

    Merck

    Sparen lautet derzeit die Losung beim Pharma- und Chemiekonzern. Merck-Chef Karl-Ludwig Kley will dazu auf breiter Basis auf die Kostenbremse treten. So werden in der Sparte der rezeptfreien Gesundheitsprodukte voraussichtlich schon im Jahr 2012 fünf Millionen Euro eingespart, 2013 sollen es 15 Millionen, ab 2014 dann jährlich 25 Millionen werden. Dass die Börse im abgelaufenen Jahr von Merck angetan war, liegt aber in erster Linie am Wachstum.

    So hat im dritten Quartal dank einer hohen Nachfrage aus China die Geschäftssparte, zu der Flüssigkristalle für LCD-Displays gehören, um gut 30 Prozent zugelegt. Zudem hat die gute Entwicklung bei der Laborausrüstersparte Millipore die Notierung von Merck in die Nähe des Allzeithochs von Juni 2007 gebracht. Die starke Performance der vergangenen Monate macht den Aktienkurs aber anfälliger für eine Korrektur, zumal die Aktie mittlerweile alles andere als ein Schnäppchen ist. Dieser Umstand und die nach wie vor bestehenden Risiken der Pharmasparte machen aus dem Papier derzeit nicht mehr als eine Halteposition.

    Merck
  • Münchener Rück

    Münchener Rück

    Das Versicherungsgeschäft des weltgrößten Rückversicherers läuft wieder rund, die Schäden aus Naturkatastrophen halten sich im Rahmen. Das Unternehmen hat die Prognose für den Konzerngewinn auf drei Milliarden Euro angehoben (2011: 0,7 Milliarden Euro ) – vorausgesetzt, Wirbelsturm Sandy kostet nicht mehr als erwartet und weitere Katastrophen bleiben aus. Bleibt es so ruhig, kann sich die Schaden-Kosten-Quote sehen lassen. Im Rückversicherungsgeschäft gaben die Münchner 2012 bislang für jeden eingenommenen Euro knapp 94 Cent aus. Das ist passabel, liefert aber auch keine Argumente für höhere Prämien. Niedrigzinsen erschweren die sichere Anlage des zuletzt 222 Milliarden Euro schweren Portfolios in der Banken- und Staatsschuldenkrise. Im Schnitt von sechs Monaten lag die Rendite auf neu angelegtes Kapital bei mageren 2,3 Prozent.

    Bleibt der Zins mickrig, könnte die Tochter Ergo samt Lebensversicherung langfristig Probleme bekommen – die Branche hat Kunden im Schnitt über drei Prozent Zins versprochen. Der Ergo-Anlagechef könnte Aktien der Mutter kaufen: Die hat die Dividende seit 1969 nie gekürzt, vorerst soll das so bleiben. Die Dividendenrendite ist attraktiv. Der Kurs hat einiges vorweggenommen, die Aktie ist erst nach einem Rückschlag ein Kauf.

    Münchener Rück
  • RWE

    RWE

    Das Jahr war erneut nervenaufreibend für Aktionäre des Energieversorgers. Vor allem die Folgen der Energiewende belasten den Aktienkurs. Die hohen Schwankungen dürften auch 2013 anhalten, allein schon, weil die Energiewende weiterhin eine Rolle spielen dürfte. Besserung ist nicht in Sicht, ein möglicher Regierungswechsel hin zu Rot-Grün würde die Rahmenbedingungen für RWE wahrscheinlich noch verschlechtern. Zu dieser Ungewissheit gesellen sich schwache Fundamentaldaten.

    So betrugen die Nettoschulden per Ende September 34,2 Milliarden Euro, das waren 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Mitte November bekräftigte RWE zwar noch seinen früheren Ausblick für 2013. Nichtsdestotrotz sind Zweifel angebracht, ob RWE das hohe Dividendenniveau halten kann. Manch ein Analyst hält gar die Aussetzung der Ausschüttung für notwendig. Damit fiele das wichtigste Argument für die Aktie weg. Das einstige Witwen-und-Waisen-Papier ist zurzeit allenfalls etwas für hartgesottene Spekulanten.

    RWE
  • SAP

    SAP

    Die als gemächlich verschrienen Badener ziehen den Dax: Anders als von Skeptikern erwartet, hat SAP die Herausforderung Cloud Computing nicht nur angenommen, sondern zum Gewinnbringer gemacht. Dem Geschäft mit der Datenwolke gehört die Zukunft; Befürchtungen, SAP könnte den Trend verschlafen oder zu schwerfällig für dessen erfolgreiche Adaption geworden sein, bewahrheiten sich nicht. Im Gegenteil: Durch geschickte Zukäufe wächst SAPs Geschäft in der Datenwolke schnell. Wichtig ist aber zunächst, die eigenen Bestandskunden in die neue Datenwelt zu bringen, denn SAP ist mit großem Abstand Weltmarktführer bei Betriebssoftware (Buchhaltung, Vertrieb, Einkauf, Personal).

    Das klappt: Die Tochter SuccessFactors gewinnt derzeit neun von zehn Ausschreibungen bei den SAP-Altkunden. Die Umsätze mit Cloud-basierter Software und Services sollen bis 2015 zwei Milliarden Euro erreichen – nicht unrealistisch. Schon dieses Jahr könnte die erste Milliarde geknackt werden, für 2013 und danach sind 30 Prozent Umsatzwachstum in der Cloud pro Jahr drin. Und inzwischen hat SAP mit der superschnellen Datenbank (HANA) in Sachen Zukunftstechnik einen weiteren Trumpf im Ärmel.

    Hier wachsen die Umsätze ebenfalls zweistellig. Auch das Stammgeschäft läuft gut. Zwar drückt der Ausbau des Zukunftsgeschäfts derzeit etwas auf die Gewinnmarge des Konzerns, doch die Aktie ist noch nicht zu teuer: Das KGV 2013 liegt bei 17 und unbereinigt nach Rechnungslegung US-GAAP bei 19, der Umsatz wächst pro Jahr um etwa 15 Prozent. Die Gewinnmarge (Ebit) liegt trotz der Investitionen immer noch bei beachtlichen 30 Prozent. Nach dem starken Kursanstieg ist ein Rücksetzer nicht unwahrscheinlich, langfristig bleibt die Aktie aussichtsreich.

    SAP
  • Siemens

    Siemens

    Bisher kam Deutschlands größter Technologiekonzern (Medizintechnik, Fabrikautomation, Energie- und Verkehrstechnik) dank breiter Produktpalette und globaler Präsenz gut durch die Krise. Doch der Gegenwind nimmt zu. Siemens laufen die Kosten in Großprojekten weg. Es hakt beim Bau von Zügen und bei der Anbindung von Windparks an das Stromnetz. Die Konkurrenten GE, ABB und Alstom arbeiten profitabler. Siemens erwirtschaftet aus 78 Milliarden Euro Umsatz nur rund fünf Milliarden Euro Nettoertrag. Vorstandschef Peter Löscher hat nun ein neues Sparprogramm angekündigt, mit dem er sechs Milliarden Euro bis zum Ende des Geschäftsjahres 2013/14 einsparen will.

    Es ist nicht das erste; Spötter sagen, Sparprogramme seien bei Siemens Normalzustand. Die Wende tragen soll die Energiesparte, sie soll die Hälfte der Kostensenkung bringen und ihre Rendite verdoppeln. Eigentlich sollte die Licht-Tochter Osram an der Börse ein paar Milliarden einspielen. Nun soll Osram an die Siemens-Aktionäre verschenkt werden – Hauptsache weg. Osram macht Verlust und schluckt viel Geld für Forschung und Entwicklung. Asiaten drängen zunehmend in das Geschäft mit (Billig-)LEDs.

    Siemens
  • Thyssen-Krupp

    Thyssen-Krupp

    Die ganze Dramatik der Situation von ThyssenKrupp zeigt sich nirgends so deutlich wie am Eigenkapital, also der Vermögenssubstanz des Unternehmens, die nach Abzug aller Schulden übrig bleibt. Mit 4,5 Milliarden Euro macht es kaum noch zwölf Prozent der Bilanzsumme aus. Das ist, für das kapitalintensive Geschäft eines Stahl- und Anlagenkonzerns zumal, eine sehr fragile Basis. Schlimmer noch: Selbst darin sind die angeschlagenen Stahlwerke in Brasilien und den USA, die Thyssen an den Rand des Abgrunds gebracht haben, noch immer mit mehr als drei Milliarden Euro bewertet.

    Sollten diese Beträge bei den angestrebten Verkäufen der Werke nicht hereinkommen, drohen neue Abschreibungen. Zudem könnten noch mehrere Hundert Millionen Euro Schadensersatzzahlungen für zu teuer verkaufte Schienen an die Deutsche Bahn auf Thyssen zukommen. Rückstellungen dafür hat Thyssen nicht gebildet – wovon auch?

    Den Ausweg aus der schwersten Krise der Unternehmensgeschichte haben die Thyssen-Manager skizziert: Der Stahlanteil wird verkleinert, Optionen von einer Ausgliederung bis zum Börsengang werden durchgespielt. Ausgebaut wird dafür das lukrativere Geschäft mit Großanlagen, Aufzügen und Rolltreppen. Dennoch werden die Einnahmen aus dem operativen Geschäft nicht reichen, den Kapitalbedarf zu decken. Weitere Verkäufe von Unternehmensteilen (womöglich Bilstein Stoßdämpfer) dürften anstehen.

    Das aber schmälert wiederum die Aussichten auf eine operative Erholung. Es geht schlichtweg ums Überleben. Das sollte jeder Aktionär im Hinterkopf haben. Gemessen an 40 Milliarden Euro Jahresumsatz, die Thyssen 2013 schaffen kann, sind die Papiere mit einem Börsenwert von neun Milliarden Euro nicht zu teuer; angesichts der dünnen Kapitaldecke allerdings hoch riskant.

    Thyssen-Krupp
  • Volkswagen

    Volkswagen

    8,29 Millionen – so viele Fahrzeuge verkaufte der Volkswagen-Konzern in den elf Monaten von Januar bis November. Das sind mehr als im gesamten Jahr 2011. Und ein weiterer Schritt in Richtung dessen, was sich die Wolfsburger für 2013 vorgenommen haben dürften: im weltweiten Automarkt General Motors (GM) zu überholen und die Nummer zwei der Branche zu werden. Damit rechnet das Institut Center of Automotive Management (CAM). „Volkswagen greift mit den wichtigen Marken Audi, VW, Škoda und Porsche auf ein breiteres und hochwertigeres Produktportfolio zurück als GM“, sagte CAM-Chef Stefan Bratzel dem „Handelsblatt“ vor wenigen Wochen. Zwar sind die Niedersachsen immer noch ein weites Stück vom japanischen Branchenprimus Toyota entfernt.

    Doch für dessen Ablösung an der Spitze hat sich Volkswagen ohnehin bis zum Jahr 2018 Zeit gegeben. Einen Meilenstein auf dem Weg dahin soll der Modulare Querbaukasten (MQB) darstellen, den Volkswagen schon 2012 eingeführt hat. Die Plattform vereinheitlicht die Produktion von über 40 Modellen der Volkswagen-Marken VW, Audi, Škoda und Seat. 2013 sollen erstmals rein elektrisch getriebene VW-Fahrzeuge aus dem MQB entstehen: eine Version des Kleinstwagens Up und eine des Klassikers Golf.

    Angesichts der Auswirkungen der Schuldenkrise in Europa wird allerdings für Volkswagen das kommende Jahr ebenso wenig eine Spazierfahrt werden wie für die Wettbewerber: Auch wenn die Wolfsburger mit einem hohen Umsatzanteil etwa in China besser aufgestellt sind als die französischen Konkurrenten Renault und Peugeot Citroën, hat der Durchschnitt der Analysten seine Gewinnschätzungen für Volkswagen bereits um die Hälfte reduziert. Zwar ist die Bewertung immer noch niedrig. Dennoch sollten Anleger erst einmal abwarten.

    Volkswagen