HB LOS ANGELES/FRANKFURT. Gute Nachricht für den Dialysespezialist Fresenius Medical Care(FMC): Die staatliche US-Krankenversicherung Medicare wird die Behandlung von Dialysepatienten künftig pauschal abrechnen. Die endgültigen Pläne zur Reform des Dialysemarktes legte Medicare in der Nacht auf Dienstag vor. Experten gehen davon aus, dass FMC von der Umstellung profitieren wird, da der Konzern im Gegensatz zu vielen Konkurrenten sämtliche Produkte rund um die Dialyse aus einer Hand anbieten kann. Die Aktien der Fresenius-Tochter legten in der Folge 4,6 Prozent zu und waren damit größter Gewinner im Dax.
Die endgültigen Pläne, die die Krankenversicherung nach monatelangen Diskussionen vorlegte und die mehr als 900 Seiten umfassen, sehen für Dialyse-Dienstleistungen im Medicare-System eine Pauschalvergütung vor. Bislang bezahlt die Krankenversicherung für die Blutwäsche von Nierenkranken eine Grunderstattung, darüber hinaus werden die erforderlichen Medikamente und Dienstleistungen extra abgerechnet. Kritikern zufolge hat diese Praxis dazu geführt, dass Ärzte Mittel wie das Hormon EPO, das die Bildung roter Blutkörperchen anregt, zu häufig einsetzen - teilweise zum Schaden der Patienten.
Die US-Regierung hofft, dass Medikamenten durch die Reform gezielter eingesetzt werden und die Kosten im Gesundheitssystem sinken. 2007 hatten Dialysebehandlungen und damit zusammenhängende Therapien und Dienstleistungen die staatliche Krankenversicherung rund 9,2 Mrd. Dollar gekostet.
Die Umsetzung der neuen Regeln soll phasenweise über vier Jahre ab dem 1. Januar 2011 erfolgen. Medikamente zur Dialysebehandlung, die als Tablette eingenommen werden, sollen allerdings bis 2014 noch nicht nach dem neuen System abgerechnet werden. Dazu gehören etwa Mittel zur Behandlung von Schilddrüsenstörungen oder zur Steuerung des Phosphatlevels im Blut von Patienten. Für 2011 soll die Standardvergütung pro Dialysebehandlungen auf etwas mehr als 229 Dollar festgesetzt werden. Ursprünglich waren nur rund 198 Dollar geplant.
FMC begrüßte die vorgelegten Pläne. Der Bad Homburger Konzern, der rund zwei Drittel seiner Umsätze in den USA erwirtschaftet, ist im amerikanischen Dialysegeschäft Marktführer vor dem US-Konzern DaVita. "Die endgültigen Pläne zeigen, dass auch Empfehlungen der Industrie ihren Niederschlag gefunden haben", sagte ein Firmensprecher. Welche Auswirkungen die Pläne für FMC haben werden, müsse der Konzern aber noch im Einzelnen prüfen. FMC sei gut vorbereitet und zuversichtlich, die neuen Regeln effektiv umsetzen zu können.
Das wird auch von Analysten so gesehen. "Wir glauben, dass die führende, integrierte Dialysefirma FMC gut positioniert ist und davon leicht positiv beeinflusst werden sollte", erklärte die DZ Bank in einer Kurzanalyse. Nach Ansicht von Morgan Stanley orientiert sich die Pläne eng an den vom Kongress verabschiedeten Eckpunkten. "Unserere erste Einschätzung ist, dass eine Medicare-Behandlung um einige Dollar profitabler werden könnte." Die Citigroup geht davon aus, dass mit der Umstellung die operative Gewinnmarge von FMC steigen wird.




