
New YorkNun hat es die Investorengemeinde schwarz auf weiß. Beim Börsengang des Internetfirma Facebook waren für sie keine Zeichnungsgewinne vorgesehen. Und damit war das Desaster nach Erstnotiz praktisch vorprogrammiert. Den Schluss lassen jedenfalls die an diesem Mittwoch bekannt gewordenen Analystenschätzungen der Banken, die Facebook ans Parkett begleitet haben zu. Im Schnitt halten sie den Aktie mit 37,71 Dollar für fair bewertet, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg errechnet hat.
Das ist zwar knapp unter den 38 Dollar, die man als Erstzeichner berappen musste. Aber es belegt die These, dass Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und möglicherweise auch der eine oder andere ihn beratenden Investmentbanker zu gierig waren. Denn eine der goldenen Regeln bei der Bestimmung eines Ausgabepreises lautet: „Lass dem Zeichner Raum für Kursgewinne, dann verkauft er nicht sofort.“ Aber nicht mal die Analysten der begleitenden Banken glaubten offenbar daran, dass es bei dem Ausgabepreis von 38 Dollar noch Kursgewinnpotenzial gab.
Die Facebook-Aktie war Mitte Mai zu 38 Dollar an die Börse gebracht worden, nachdem die Firma zuvor sowohl den Ausgabepreis, also auch die Zahl der zu platzierenden Aktie gegenüber dem Anfangsplanungen angehoben hatte. Am ersten Handelstag stieg der Kurs zunächst bis auf rund 45 Dollar, schloss aber nur knapp über dem Ausgabepreis. Am Folgetag brach die Aktie massiv ein und fiel bis Anfang Juni auf 26 Dollar. Am Mittwoch notierte sie bei gut 32 Dollar.
Die Analysten der den Börsengang begleitenden Banken waren bis Mitte dieser Woche durch das amerikanische Aktiengesetzt daran gehindert, sich in Studien zu der Aktie zu äußern. Am Mittwochmorgen drängten sie nun damit auf den Markt. Die Kursziele streuten dabei zwischen 25 und 45 Dollar, im Durchschnitt lag die Prognose bei 37,71 Dollar.
Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.
In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. 2010 erreichte das Plus 606 Millionen Dollar, 2011 eine Milliarde Dollar. Der Umsatz stieg auf 3,7 Milliarden Dollar. Das Geschäftsjahr 2012 ist noch nicht abgeschlossen. Im vierten Quartal machte Facebook 1,6 Milliarden Dollar Umsatz, schrieb aber einen Verlust von 64 Millionen Dollar – vor allem wegen hoher Kosten für Personal und Infrastruktur.
Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei knapp unter 90 Prozent. Der Rest resultiert daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Mit Titel wie „Farmville“ oder „Cityville“ spielt hier Zynga eine wichtige Rolle.
Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Mehr als eine Milliarde Nutzer sind in dem Sozialen Netzwerk aktiv. Ende 2011 waren es noch 845 Millionen.
Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.
Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.
Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des IT-Analyse-Unternehmens Social Bakers hat Facebook hierzulande mehr als 25 Millionen aktive Mitglieder.
Facebook ist ein Daten-Riese: Das Soziale Netzwerk verarbeitet (nach Zahlen aus dem August) jeden Tag mehr als 500 Terabyte. Einen großen Teil machen die 300 Millionen Bilder aus, die die Nutzer hochladen.
Die drei führenden Banken in dem Konsortium, Morgan Stanley, JP Morgan und Goldman Sachs, bewerteten die Aktie mit „Kaufen“. Weitere neun Institute stuften sie mit „Halten“ ein. Lediglich eine Bank, die britische Barclays, die die kleinste Rolle in den Konsortium gespielt hatte, vergab ein „Underperform“. Das ist im Börsianerjargon faktisch gleichbedeutend mit einem „Verkaufen“.
Barclays-Analyst Daniel Salmon, begründete seine Negativ-Einschätzung damit, dass es für die Firma schwer werde, die Preise für Werbung auf der Website bestimmen zu können. Schließlich gehe das Wachstum der Nutzerzahlen zurück. Er sieht einen Kurs von 25 Dollar als gerechtfertigt an.
Die größten Facebook-Fans sitzen offenbar bei JP Morgan. Hier halten die Analysten auf Dauer einen Kurs von 45 Dollar für gerechtfertigt. Sie glauben, dass die Firma eine Internetrevolution anführen wird.





