
FrankfurtÜberraschungen mögen Investoren nicht – und solche zu ihren Lasten schon gar nicht. Und deshalb erntet Commerzbank -Chef Martin Blessing für die Kapitalerhöhung – seinen Befreiungsschlag – von Analysten ungewöhnlich harsche Kritik. Für die Commerzbank-Aktie ging es prompt auf Talfahrt:
1,20 Euro kostete sie am Donnerstag noch, vier Prozent weniger als am Mittwoch und knapp neun Cent über dem Tiefststand vom Juli 2012. Ein Teufelskreis: Je weiter das Papier fällt, desto mehr Aktien muss die Commerzbank ausgeben, um 2,5 Milliarden Euro einzusammeln, und desto stärker wird der Anteil der Altaktionäre verwässert. Ohne Aktienschnitt wäre die Kapitalerhöhung nicht machbar gewesen – denn unterhalb des rechnerischen Nennwerts von einem Euro darf kein Unternehmen neue Anteilsscheine verkaufen.
Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.
Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.
Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.
Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (SoFFin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an Stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.
Der SoFFin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an Stillen Einlagen in die Bank.
Die Commerzbank kündigt an, von den Stillen Einlagen des SoFFin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.
Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. "Da geh ich nicht nochmal hin", sagt er und meint den SoFFin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.
Für die Bonus-Aktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der SoFFin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere Stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.
Der SoFFin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen Stillen Einlagen des SoFFin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen schwere Finanzspritze der Allianz.
Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Der Rettungsfonds Soffin wird danach noch rund 17 Prozent an der Bank halten.
Die begleitenden Banken Deutsche Bank, Citi und HSBC haben nur einen Erlös von 1,10 Euro je Papier garantiert – nach der Zusammenlegung der Aktien im Verhältnis 10:1. Bei der heutigen Aktienanzahl wären das gerade einmal elf Cent. Investmentbankern zufolge wird die Bank einen Abschlag von 35 bis 40 Prozent zum um den Wert der Bezugsrechte bereinigten Aktienkurs hinnehmen müssen. Sprich: Würden die Papiere heute ausgegeben, dürften sie höchstens 70 Cent kosten, also sieben Euro nach dem Aktienschnitt.
„Wirklich nachvollziehbar ist für uns die Kapitalerhöhung nicht“, schreibt Analyst Ingo Frommen von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) am Donnerstag. „Wir verstehen den Zeitpunkt dieser Transaktion nicht“, schimpft Philipp Häßler von Equinet und stuft die Aktie auf „Verkaufen“ von „Kaufen“ herunter. Sein Kursziel: ein Euro. „Aus unserer Sicht war die Commerzbank kurzfristig nicht unter Druck. Wir verstehen nicht, warum sie eine große Kapitalerhöhung ankündigt, wenn die Aktie nahe dem Allzeittief notiert.“
Auch Christoph Bast von der DZ Bank, der schon vorher eine Verkaufsempfehlung abgegeben hatte, kommt zu dem Schluss: „Insgesamt sehen wir diese Ankündigung als schlechte Nachricht an. Sie zeigt erneut, dass eine Investition in die Commerzbank mit zahlreichen Unsicherheiten und Risiken behaftet ist.“ Die wahren Probleme der Bank würden auch durch 2,5 Milliarden Euro frisches Kapital nicht gelöst, zumal das Geld fast vollständig an den Bankenrettungsfonds SoFFin (1,63 Milliarden) und die Allianz (750 Millionen Euro) fließt. Jaime Becerril von JPMorgan legt den Finger in die Wunde: Erst wenn die Bank ihr 151 Milliarden Euro schweres Portfolio an unerwünschten Krediten sicher abgewickelt ist, könne sich die Aktie nachhaltig erholen.
Volkswagen
Kurs seit 13.07.2007: + 95,5 Prozent
Adidas
Kurs seit 13.07.2007: + 81,1 Prozent
Henkel
Kurs seit 13.07.2007: + 74,8 Prozent
SAP
Kurs seit 13.07.2007: + 63,7 Prozent
Fresenius SE
Kurs seit 13.07.2007: + 61,5 Prozent
Deutsche Bank
Kurs seit 13.07.2007: - 62,4 Prozent
RWE
Kurs seit 13.07.2007: - 66 Prozent
Thyssen-Krupp
Kurs seit 13.07.2007: - 68 Prozent
Eon
Kurs seit 13.07.2007: - 68,5 Prozent
Commerzbank
Kurs seit 13.07.2007: - 96 Prozent
Auch die Ratingagentur Standard & Poor's ist unzufrieden: Dass die Eigenkapitalquote mit der Kapitalerhöhung bis Ende des nächsten Jahres auf neun Prozent steigen soll, sei nicht genug. Erst mit zehn Prozent - „was wir typischerweise als stark erachten würden“ - könnte die Commerzbank mit einer Hochstufung ihres Ratings rechnen, heißt es in der Mitteilung.
Bleibt die Frage nach dem Zeitpunkt für die Ausgabe neuer Aktien. Mit Erfolgen beim Umbau der Commerzbank kann Vorstandschef Blessing die alten und neuen Aktionäre nicht umwerben. Warum also nicht wenigstens bis zum Herbst warten? Für die Kapitalerhöhung und die Zusammenlegung der Aktien braucht Blessing einen Hauptversammlungs-Beschluss – und den bekommt er nur einmal im Jahr. Bis zum Frühjahr 2014 wollte er offenbar nicht warten – zu ungewiss die Aussichten, wie dann die neue Bundesregierung reagieren würde.
2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.
Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro
Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.
Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro
Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.
Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro
Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.
Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro
Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.
Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro
Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.
Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro
Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.
Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro
Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.
Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro
Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.
Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro
Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.
Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro
Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.
Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro
Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.
Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro
Der alten Regierung passt der Einstieg in den Ausstieg bei der Commerzbank ins Wahlkampf-Konzept. „Der Bund ist glücklich, dass er die 1,6 Milliarden Euro bekommt“, sagt ein Banker. Von den 18 Milliarden Euro, mit denen er die Commerzbank gerettet hatte, stehen nur noch fünf Milliarden im Feuer. „Die anderen Aktionäre, die bei den letzten Kapitalerhöhungen mitzogen, haben jedenfalls das größere Opfer gebracht.“

Mein Gott, wer kauft denn neue Aktien dieser Pleitebank?

Jürgen M
Solange die Holzköpfe im Aufsichtsrat Ihren unfähigen Vorstand den Rücken frei halten, wird sich nichts zum positiven ändern können.
Diese Ansammlung von realitätsignoranten Managern ist schon erstaunlich.

Coba Aktionnär,
dieser Blödmann Blessing schafft es noch das die Coba Aktie auf absolutem Ramschniveau landet. Als Aktionär schmeiß ich demnächst ein paar Scheiben von einer Filiale ein. Ist zwar genau so blödsinnig wie das Verhalten von dem dem Geldadeligen Blessing, gibt mir aber ne gewisse Genugtuung. Und wenn er mein Kapital weiterhin vernichtet schau ich mal bei Ihm vorbei um das Aus-zu-diskutieren. Ansonsten am 19 April auf der HV mal nen Plakat malen mit der Rücktittsforderung des Vollpfostens.
Wohlsein






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