Aktien im Fokus

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Aktie im Fokus: Facebook-Aktie schießt nach oben

Es hätte einen deutlichen Kursrutsch für die Papiere des Internetunternehmens geben können. Am Mittwoch endete die Haltefrist für etwa 800 Millionen Mitarbeiter-Aktien. Doch der Kurs hat kräftig zugelegt.

Seit dem Börsengang haben die Facebook-Aktien 40 Prozent ihres Wertes verloren, der Anstieg heute ist eine ungewohnt Abwechslung. Quelle: dpa
Seit dem Börsengang haben die Facebook-Aktien 40 Prozent ihres Wertes verloren, der Anstieg heute ist eine ungewohnt Abwechslung. Quelle: dpa

Düsseldorf/San FranciscoDer befürchtete Kursrutsch ist ausgeblieben, im Gegenteil: Die Facebook-Aktie hat am Mittwoch ein Kursplus von 12,6 Prozent auf 22,36 Dollar erzielt. Dies könnte der Wendepunkt in der bislang trüben Börsenkarriere von Facebook sein.

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Mit dem Ende einer wichtigen Haltefrist für Mitarbeiter-Aktien wurden am Mittwoch etwa 800 Millionen Aktien zusätzlich für den Handel zugelassen - das ist etwa jede dritte Aktie, die derzeit überhaupt existiert. Schon in der ersten Stunde war die Zahl der gehandelten Papiere höher als sonst an einem durchschnittlichen kompletten Tag. Es schien, als ob viele Anleger nur darauf gewartet hatten, dass sie sich mit Facebook-Aktien eindecken können.

Das Vertrauen der Aktionäre scheint intakt – ein neuer Hoffnungsschimmer für das Internetunternehmen. Denn die Bilanz der Facebook-Aktie fällt bislang überaus mager aus. Seit knapp einem halben Jahr ist das Unternehmen an der Börse. Über 40 Prozent ihres Wertes hat die Aktie seitdem verloren.

Die größten Sorgen von Facebook

  • Die Nutzer bleiben aus

    Facebook ist seit seinen Anfängen im Februar 2004 rasend schnell gewachsen. Das Soziale Netzwerk hat mehr als eine Milliarde aktive Nutzer, knapp 600 Millionen schauen sogar täglich vorbei. „Die Größe unserer Nutzerbasis und ihre Bindung an uns ist entscheidend für unseren Erfolg“, erklärt Facebook. Es gebe aber keine Garantie dafür, dass neue Funktionen gut ankämen und die Mitglieder bei Laune hielten. „Auch eine ganze Reihe anderer sozialer Netzwerke hat schnell an Popularität gewonnen, seitdem ist die Zahl der aktiven Nutzer aber zurückgegangen, in manchen Fällen sogar jäh.“ Facebook spielt damit auf den einst großen Rivalen MySpace an; auch die deutschen Konkurrenten SchülerVZ und StudiVZ bekommen den Facebook-Hype drastisch zu spüren.

  • Die Werbung bleibt aus

    Emsige Nutzer sind gut und schön, aber das Geld bringen erst die Werbekunden. Knapp 90 Prozent der Einnahmen stammten im vergangenen Jahr aus Anzeigen. Bislang tut sich die Werbebranche aber noch schwer damit, den Wert von Facebook-Anzeigen zu erkennen, in vielen Unternehmen gelten sie eher als Experiment denn als fester Bestandteil der Kampagnen. Überdies besuchen immer mehr Nutzer Facebook mit dem Smartphone oder Tablet-Computer. Auf den kleinen Bildschirmen der mobilen Geräte lässt sich Werbung jedoch schlechter platzieren. Immerhin konnte das US-Unternehmen bei den mobilen Anzeigen zuletzt deutlich zulegen – ein Hoffnungszeichen für die Investoren.

  • Die Konkurrenz schläft nicht

    Facebook ist zwar die unumstrittene Nummer eins unter den Sozialen Netzwerken, doch das Internet ist groß. „Wir sehen uns in nahezu jedem Bereich unseres Geschäfts Konkurrenz gegenüber, darunter von Firmen wie Google, Microsoft und Twitter“, erklärt Facebook in einem Bericht an die Börsenaufsicht SEC. So hat Google mit Google+ ein eigenes Soziales Netzwerk aufgezogen, das allerdings noch deutlich kleiner ist als der blaue Riese. Es gibt auch starke regionale Netzwerke, Facebook führt namentlich Cyworld in Korea, Mixi in Japan, die Google-Tochter Orkut in Brasilien und Indien sowie vKontakte in Russland auf. Auf dem chinesischen Markt, wo Facebook noch gar nicht vertreten ist, warten die Platzhirsche Renren, Sina und Tencent. „Einige unserer aktuellen und künftigen Rivalen haben deutlich mehr Ressourcen und eine bessere Stellung in bestimmten Märkten als wir.“

  • Die Staatsmacht greift durch

    Die Regierungen haben Facebook im Blick: „Es ist möglich, dass die Regierungen in einem oder mehreren Ländern die Inhalte von Facebook zensieren oder den Zugang zu Facebook einschränken“, weiß das Unternehmen. Denn das Soziale Netzwerk kann ungeahnte Kräfte entfalten – wie der arabische Frühling zeigte. Die jungen Menschen, die auf die Straße gingen, hatten sich nicht zuletzt über Facebook organisiert. Es habe bereits Zensur unter anderem in Iran, Nordkorea und Syrien gegeben, zählt Facebook auf. Alles große Märkte. In anderen Ländern wie Deutschland musste sich Facebook wiederum Kritik an einem laschen Umgang mit dem Datenschutz vorhalten lassen.

  • Die Nerds untergraben das Geschäft

    Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagt, ihm gehe es nicht in erster Linie ums Geldverdienen. Er wolle das Netzwerk vorantreiben. Auf diese Linie hat er auch seine mehr als 3000 Mitarbeiter eingeschworen. „Wir haben eine Kultur, die die Mitarbeiter dazu ermuntert, schnell neue Produkte zu entwickeln und sie rasch einzuführen.“ Diese Firmenkultur vertrage sich aber nicht immer mit dem Geschäftlichen, räumt Facebook ein. „Wir treffen regelmäßig Produktentscheidungen, die unseren Umsatz und unsere Profitabilität kurzfristig schmälern können.“

„Während die Haltefrist abläuft, gibt es für niemanden einen Grund zu verkaufen“, kommentierte Tim Ghriskey von der Solaris Group in New York den Kursanstieg. Bei dem geringen Preis hätten die langfristigen Halter der Aktien wohl beschlossen ihre Aktien weiter zu halten und das lasse den Kurs nun steigen, da die Angst vor dem Fälligkeitsdatum nachlasse. „Ich rechne in den nächsten Wochen mit hohen Handelsvolumen, aber nicht mit unerträglich hohen Volumen“, sagt Brian Wieser, Analyst der Pivotal Research Group. Nach seinen Schätzungen, werden gerade gerade mal 486 Millionen der etwa 800 neu verfügbaren Facebook-Aktien verkauft.

Wer vom Facebook-Börsengang profitiert

  • Mark Zuckerberg

    Der Chef und Gründer von Facebook besitzt knapp 534 Millionen Aktien. Dieser Anteil von 28 Prozent ist etwa 28 Milliarden Dollar wert. Damit wäre der 27-Jährige der viertreichste Amerikaner. Nach einer Aufstellung der Zeitschrift „Forbes“ sind dann nur Microsoft -Gründer Bill Gates, der legendäre Investor Warren Buffett und Oracle -Chef Larry Ellison wohlhabender als Zuckerberg.

  • Risikokapitalgeber

    Jim Breyer und seine Risikokapitalfirma Accel Partners besitzen zusammen etwa elf Prozent der Facebook-Anteile, die nun etwa 11,4 Milliarden Dollar wert sein dürften. Accel stieg bei Facebook im Jahr 2005 ein, als das Unternehmen mit 100 Millionen Dollar bewertet wurde. Das Unternehmen investierte damals 12,7 Millionen Dollar.

  • Einzelinvestoren

    Weitere wichtige Eigner sind die russische Gesellschaft DST Global mit sieben Prozent, Goldman Sachs mit 3,5 Prozent, der Investor Peter Thiel mit zwei Prozent und die Firma T. Rowe Price mit einem Prozent. Der Internetpionier Marc Andreessen und seine Beteiligungsfirma Andreessen Horowitz besitzen einen kleinen Teil von Facebook.

    Die Rendite der Eigner hängt davon ab, wann sie die Anteile kauften. Investor Thiel dürfte prozentual den größten Gewinn gemacht haben: Er stieg schon im Jahr 2004 ein und investierte damals 500.000 Dollar.

  • Mitbegründer

    Facebook-Mitbegründer Dustin Moskovitz besitzt etwa sieben Prozent des Unternehmens. Ein weiterer Mitbegründer, Eduardo Saverin, hielt früher einen geschätzten Anteil von fünf Prozent, taucht aber in der Liste der wichtigsten Aktionäre nicht mehr auf. Saverin hat wahrscheinlich einen großen Teil seiner Aktien verkauft.

  • Angestellte

    Auch für viele der 3200 Facebook-Angestellten dürfte sich der Börsengang auszahlen, weil ihre Arbeit auch mit Aktienoptionen vergütet wird. Autohäuser, Immobilienmakler und Luxushändler im Silicon Valley reiben sich schon die Hände. Manche Facebook-Mitarbeiter wollen ins All fliegen. Andere planen archäologische Expeditionen zu Maya-Ruinen.

  • Familienmitglieder

    Aus dem Antrag für den Börsengang geht hervor, dass auch Verwandte von wichtigen Facebook-Managern großzügig mit Aktien bedacht wurden. So unterstützte Zuckerbergs Vater Edward die noch junge Firma in den Jahren 2004 und 2005 mit Geld und bekam eine Option zum Kauf von zwei Millionen Aktien. Die Frist zur Ausübung ließ er aber verstreichen. Im Dezember 2009 erhielt Edward Zuckerberg aber schließlich zwei Millionen Anteilsscheine von Facebook.

Im Silicon Valley gehören Aktien zum Standard bei der Mitarbeiterentlohnung. Sie sind Treueprämie und Anreiz für Talente, zu unbekannten Start-ups zu wechseln. Gelingt ein Börsengang, winkt das große Geld - wenn aus den Papiergewinnen echte Vermögen gemacht werden können.

  • 14.11.2012, 23:24 UhrSchuischel

    Kann sein. Viren werden heute zum Großteil über Werbe-Banner verteilt. Darauf hat das Handelsblatt jedoch keinen Eifluss und kann die Banner nicht vorher prüfen. Diese Werbeflächen werden vermietet. Hin und wieder gibts bei diesen Werbefirmen Lecks und dann werden Viren darüber rausgeschleudert.

  • 14.11.2012, 22:02 UhrWutbuerger

    Mein Browser (Opera 12.10) meldet einen Virus oder ein "unerwünschtes Programm", wenn ich den Artikel oder die Kommentarseite öffne.

  • 14.11.2012, 17:05 UhrHeisse-Luft

    Der Grund für den Anstieg dürfte eine simple Erklärung haben.

    1. die Verkaufswelle ist ausgeblieben

    2. alle die, die auf heute fallende Kurse gesetzt hat und short gegangen sind, mussten sich schnell eindecken


    Mal sehen, ob es nur ein auflodern oder Strohfeuer in einem kontinuierlichen Abwärtstrend gewesen ist.

    Der faire Wert für die Facebook-Aktie läge für mich bei ca. 6,75 USD. Vorher würde ich die Aktie nicht in mein Depot legen. Oder es müsste sich etwas wesentliches bzw. solides von dem bisherigen Geschäftsmodell ergeben.

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