Aktien im Fokus

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Aktie steigt rasant: Facebook schürt hohe Erwartungen

In einer geheimnisvollen Mitteilung kündigt Facebook Neues an - und heizt damit die Gerüchteküche an. An der Börse legt die Aktie kräftig zu. Sie kostet wieder mehr als 30 Dollar. Doch Zuckerberg hat noch viel zu tun.

Die Facebook-Aktie hat in den vergangenen drei Monaten rund 50 Prozent gewonnen. Quelle: dpa
Die Facebook-Aktie hat in den vergangenen drei Monaten rund 50 Prozent gewonnen. Quelle: dpa

DüsseldorfDie Erwartungen sind groß. Was wird Mark Zuckerberg am kommenden Dienstag verkünden? Der Chef von Facebook wird ein neues Produkt ankündigen, so viel ist klar. In einer Mail hatte Facebook zu einer Präsentation am 15. Januar in Menlo Park eingeladen: „Come and see what we're building“, hieß es darin; „Kommt und schaut euch an, was wir bauen“.
Seitdem überschlagen sich die Spekulationen, was sich wohl hinter der geheimnisvollen Ankündigung verbergen könnte. Manche Experten meinen, dass Facebook in den Markt für Mobiltelefone einsteigen wird. Derartige Gerüchte halten sich schon lange, obwohl sie Zuckerberg immer wieder vehement dementiert hat. Das Geschäft mit Handys sei für sein Unternehmen nicht lukrativ.

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Die größten Sorgen von Facebook

  • Die Nutzer bleiben aus

    Facebook ist seit seinen Anfängen im Februar 2004 rasend schnell gewachsen. Das Soziale Netzwerk hat mehr als eine Milliarde aktive Nutzer, knapp 600 Millionen schauen sogar täglich vorbei. „Die Größe unserer Nutzerbasis und ihre Bindung an uns ist entscheidend für unseren Erfolg“, erklärt Facebook. Es gebe aber keine Garantie dafür, dass neue Funktionen gut ankämen und die Mitglieder bei Laune hielten. „Auch eine ganze Reihe anderer sozialer Netzwerke hat schnell an Popularität gewonnen, seitdem ist die Zahl der aktiven Nutzer aber zurückgegangen, in manchen Fällen sogar jäh.“ Facebook spielt damit auf den einst großen Rivalen MySpace an; auch die deutschen Konkurrenten SchülerVZ und StudiVZ bekommen den Facebook-Hype drastisch zu spüren.

  • Die Werbung bleibt aus

    Emsige Nutzer sind gut und schön, aber das Geld bringen erst die Werbekunden. Knapp 90 Prozent der Einnahmen stammten im vergangenen Jahr aus Anzeigen. Bislang tut sich die Werbebranche aber noch schwer damit, den Wert von Facebook-Anzeigen zu erkennen, in vielen Unternehmen gelten sie eher als Experiment denn als fester Bestandteil der Kampagnen. Überdies besuchen immer mehr Nutzer Facebook mit dem Smartphone oder Tablet-Computer. Auf den kleinen Bildschirmen der mobilen Geräte lässt sich Werbung jedoch schlechter platzieren. Immerhin konnte das US-Unternehmen bei den mobilen Anzeigen zuletzt deutlich zulegen – ein Hoffnungszeichen für die Investoren.

  • Die Konkurrenz schläft nicht

    Facebook ist zwar die unumstrittene Nummer eins unter den Sozialen Netzwerken, doch das Internet ist groß. „Wir sehen uns in nahezu jedem Bereich unseres Geschäfts Konkurrenz gegenüber, darunter von Firmen wie Google, Microsoft und Twitter“, erklärt Facebook in einem Bericht an die Börsenaufsicht SEC. So hat Google mit Google+ ein eigenes Soziales Netzwerk aufgezogen, das allerdings noch deutlich kleiner ist als der blaue Riese. Es gibt auch starke regionale Netzwerke, Facebook führt namentlich Cyworld in Korea, Mixi in Japan, die Google-Tochter Orkut in Brasilien und Indien sowie vKontakte in Russland auf. Auf dem chinesischen Markt, wo Facebook noch gar nicht vertreten ist, warten die Platzhirsche Renren, Sina und Tencent. „Einige unserer aktuellen und künftigen Rivalen haben deutlich mehr Ressourcen und eine bessere Stellung in bestimmten Märkten als wir.“

  • Die Staatsmacht greift durch

    Die Regierungen haben Facebook im Blick: „Es ist möglich, dass die Regierungen in einem oder mehreren Ländern die Inhalte von Facebook zensieren oder den Zugang zu Facebook einschränken“, weiß das Unternehmen. Denn das Soziale Netzwerk kann ungeahnte Kräfte entfalten – wie der arabische Frühling zeigte. Die jungen Menschen, die auf die Straße gingen, hatten sich nicht zuletzt über Facebook organisiert. Es habe bereits Zensur unter anderem in Iran, Nordkorea und Syrien gegeben, zählt Facebook auf. Alles große Märkte. In anderen Ländern wie Deutschland musste sich Facebook wiederum Kritik an einem laschen Umgang mit dem Datenschutz vorhalten lassen.

  • Die Nerds untergraben das Geschäft

    Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagt, ihm gehe es nicht in erster Linie ums Geldverdienen. Er wolle das Netzwerk vorantreiben. Auf diese Linie hat er auch seine mehr als 3000 Mitarbeiter eingeschworen. „Wir haben eine Kultur, die die Mitarbeiter dazu ermuntert, schnell neue Produkte zu entwickeln und sie rasch einzuführen.“ Diese Firmenkultur vertrage sich aber nicht immer mit dem Geschäftlichen, räumt Facebook ein. „Wir treffen regelmäßig Produktentscheidungen, die unseren Umsatz und unsere Profitabilität kurzfristig schmälern können.“

Nicht weniger wild sind die Gerüchte, Facebook plane den Start einer Suchmaschine, um Google direkt anzugreifen, oder einen Dienst zum Musiktauschen, um iTunes von Apple Konkurrenz zu machen. Am wahrscheinlichsten ist, dass das Soziale Netzwerk seine Aktivitäten im Bereich E-Commerce ausbauen wird. Erste Schritte in Richtung eines Shopping-Portals hat Facebook, etwa mit „Facebook Gifts“, bereits unternommen.
Die Gerüchte haben der Aktie in den vergangenen Wochen nicht geschadet. Der Kurs legte seit Mitte November um 50 Prozent zu. Seit ein, zwei Wochen hat die Rally noch einmal an Fahrt gewonnen. Erstmals kostete die Aktie am Mittwoch wieder mehr 30 Dollar.

Inzwischen beurteilen Analysten das Unternehmen viel positiver. Facebook sei kein anderes Unternehmen, sagte Michael Pachter, Analyst bei Wedbush Securities, dem Wallstreet Journal. „Aber es gibt mehr Hinweise darauf, dass sie anfangen, die Dinge zu tun, von denen wir gedacht haben, dass sie sie tun könnten.“
Ein entscheidender Fortschritt: Facebook hat offenbar einen Weg gefunden, um an Nutzern von Smartphones oder Tablets zu verdienen. Der Umsatz kletterte im dritten Quartal um 32 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Die Anzeigen auf mobilen Geräten steuerten rund 150 Millionen Dollar zum gesamten Umsatz bei. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal hatten die mobilen Anzeigen nur 40 bis 50 Millionen Dollar eingebracht. Mit Spannung wird erwartet, ob sich dieser Trend bei der Vorlage der nächsten Zahlen am 30. Januar bestätigt.

Insgesamt hat Facebook mehr als eine Milliarde Nutzer. Besonders schnell wächst die Zahl der Nutzer, die per Mobilgerät auf die Seite zugreifen. Waren es vor einem Jahr noch 47 Prozent der Nutzer, liegt der Anteil jetzt schon bei 60 Prozent. Täglich werden es mehr.

Zunächst hatte das Netzwerk keine Strategie, um die mobile Nutzung in Werbeerlöse umzumünzen. Das war auch ein zentraler Grund, warum die Facebook-Aktie in den ersten Monaten nach dem Börsengang abstürzte. Das Problem: Auf Smartphones und Tablets gibt es keinen Seitenrand, den man mit Werbung füllen kann. Banner können nur sehr schmal sein und werden selbst dann oft als störend wahrgenommen. Und im Fall von Facebook wird praktisch der gesamte Bildschirm vom Newsfeed mit den Einträgen und Bildern der Freunde gefüllt. Damit bleibt praktisch nur ein Ort, wo Werbung platziert werden kann: mittendrin.

Diese Stimmen hatten den Facebook-Börsengang begleitet

  • Warren Buffett

    Warren Buffett (Star-Investor)

    „Die Idee, dass eine frisch an den Markt gebrachte Firma unter tausenden und abertausenden Firmen weltweit die günstigste Gelegenheit ist, ist einfach dümmlich."

  • Michael Pachter

    Michael Pachter (Analyst bei Wedbush)

    „Die platzierenden Banken haben es völlig vergeigt.“

  • Phillip Goldberg

    Phillip Goldberg (Investor)

    "Orders von Investoren, die am ersten Handelstag Facebook- Aktien kaufen wollten, wurden häufig erst Stunden später ausgeführt. In der Zwischenzeit hatten die Investoren, die diese Aktien kaufen wollten, keine Ahnung, ob ihre Geschäfte ausgeführt worden waren und daher keine Ahnung, ob sie überhaupt Facebook-Aktien hielten."

    Goldberg hat Klage gegen den Börsenbetreiber Nasdaq eingereicht.

  • Mary Schapiro

    Mary Schapiro (SEC-Chefin)

    „Es gibt einige Probleme, die wir uns anschauen müssen, vor allem im Zusammenhang mit Facebook.“

  • Robert Greifeld

    Robert Greifeld (Nasdaq-Chef)

    „Es hat ganz klar Fehler gegeben.“

  • Jim Cramer

    Jim Cramer (Ex-Börsenhändler und TV-Moderator)

    „Es ist unbestritten, dass (Facebook) ein schnell wachsendes und gut geführtes Unternehmen ist und es könnte ein guter Deal sein (…) Nur nicht am Eröffnungstag“.

  • Henry Blodget

    Henry Blodget (Chef der Analyseplattform “Business Insider”)

    “Wenn sich das Wachstum nicht wieder zulegt, ist es schwer zu sehen, wie die Aktie groß zulegen soll“

  • David Rolfe

    David Rolfe (Investmentchef von Wedgewood Partners)

    „Die Wall Street ist ein strenger Lehrmeister. Nun wird von Facebook erwartet, dass das Unternehmen regelmäßig seine Ziele anhebt, um sie dann zu übertreffen.“

  • Simon Lee

    Simon Lee (Analyst bei der Navy Federal Credit Union)

    „Für Facebook ist immer noch eine Menge mehr Platz, und es wird weiterhin mehr Nachfrage nach der Aktie als Angebot geben 

  • Yves Maillot

    Yves Maillot (Head of Investments von Robeco Gestions)

    „Facebooks Preisgestaltung erscheint recht teuer zu sein" Der Börsengang dränge darüber hinaus in ein „sehr schwieriges Umfeld für den US-Aktienmarkt."

  • Tom Taulli

    Tom Taulli (IPO-Experte für Tech-Aktien)

    „Banker werden das Beispiel als Erinnerung für Firmen nutzen, dass sie beim Preis nicht zu hoch greifen sollten. Die Devise 'der Himmel ist die Grenze' gilt nicht mehr.“

  • John Scandalios

    John Scandalios (Leiter Franklin Templeton Technologiefonds)

    „Bei den Geschäftsmodellen gibt es noch viele offene Fragen"

  • Nick Einhorn

    Nick Einhorn (Analyst der Beratungsfirma Renaissance Capital)

    "Es war nicht so aufregend, wie es hätte sein können. Aber ich denke nicht, dass wir den Börsengang als Misserfolg werten sollten."

  • Larry Page

    Larry Page (Gründer und Konzernchef von Google)

    „Wir haben versucht, mehr einfache Leute teilhaben zu lassen.

    In einer Talkshow äußerte sich Page über die Unterschiede zwischen den Börsengängen von Google und Facebook.

Bei der Vorlage der Quartalszahlen sagte Zuckerberg, es habe sich herausgestellt, dass Facebook-Mitglieder viel eher auf Anzeigen in ihrem Newsfeed klicken als am Bildschirmrand. Die Werbung sei damit relevanter für sie. „Ich glaube, dass wir auf lange Sicht mehr Geld im mobilen Geschäft als auf dem Desktop verdienen werden“, erklärte der Facebook-Gründer.

Das US-Analysehaus Bernstein Research gab schon im November eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 33 Dollar für die Aktie heraus. Er glaube, dass das Umsatzpotenzial in den nächsten zwei Jahren unterschätzt werde, schrieb Analyst Carlos Kirjner in einer Studie. Neue Werbeangebote wie etwa der bereits gestartete Newsfeed-Dienst sowie Facebook Exchange legten den Grundstein für die Erschließung weiterer Umsatzströme. Allerdings bleibe Facebook eine riskante Anlage.

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Klage gegen Instagram Private Fotos für Werbezwecke

Gegen den Fotodienst Instagram ist in den USA eine Sammelklage eingereicht worden.

Trotz ihres jüngsten Höhenflugs notiert die Aktie immer noch deutlich unter ihrem Wert zum Börsendebüt – im Mai war das Unternehmen zum Preis von 38 Dollar je Anteilsschein an die Börse gegangen. Ob die Nutzer auf Dauer mit Werbung einverstanden sind, wird sich zeigen. Je stärker Facebook die Vermarktung vorantreibt desto größer wird der Unmut. Facebook stelle sein selbst formuliertes Ziel einer offenen und besser vernetzten Welt in Frage, sagen die Kritiker. In Europa und den USA beschäftigen sich bereits Aufsichtsbehörden mit den datenrechtlichen Problemen. Zuckerberg hat also noch viel Arbeit vor sich. Aber zumindest zeigt der Trend nach oben.

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  • 10.01.2013, 14:28 UhrHarlemjump


    Zuckerberg ist ein Trickser

  • 10.01.2013, 12:50 Uhrarroganzza

    Die fundamentalen Geschäftsdaten haben sich überhaupt nicht geändert. Somit besteht m. E. kein Grund an einen nachhaltigen Aufschwung der Aktie zu denken. Spekulanten ist dies freilich egal...

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