New York/Paris/BerlinAmerican Airlines und deren Muttergesellschaft AMR haben Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts beantragt. Wie AMR Corp. und AMR Eagle Corp. am Dienstag bekanntgaben, sei dieser Schritt im besten Interesse der Unternehmen und seiner Aktionäre.
Kurzfristig haben die Aktionäre davon nichts als Verluste: Nach entsprechenden Gerüchten über eine bevorstehende Insolvenz waren die Aktien bereits in jüngster Zeit drastisch eingebrochen, heute ging es steil weiter nach unten. An der New Yorker Börse sackte der Aktienkurs von AMR am Dienstag nach Öffnung der Märkte um 85 Prozent ab. Damit lag der Marktwert des Konzerns bei nur noch rund 80 Millionen Dollar.
Die Probleme bei der drittgrößten US-Fluggesellschaft konnte ihren Rivalen aber nichts anhaben. Die Aktien von Branchenprimus United Continental legten um 4,6 Prozent zu. Die Papiere des US-Branchenzweiten Delta verteuerten sich ebenfalls um mehr als vier Prozent. Die Lufthansa-Aktie drehte zeitweise ins Minus, hielt sich später bei 9,05 Euro aber knapp im Plus.

American Airlines, die drittgrößte Fluglinie in den Vereinigten Staaten, steht vor der Pleite. Der Mutterkonzern AMR Corp. beantragte am Dienstag vor einem New Yorker Gericht Gläubigerschutz nach Kapitel Elf des US-Insolvenzrechts.

Wie die Gesellschaft erklärte, läuft der Flugbetrieb aber vorerst normal weiter. American Airlines ist nicht die erste US-Fluglinie, die sich zu einem solchen Schritt gezwungen sieht. Allein in den vergangenen zehn Jahren haben etliche US-Airlines den Weg der geordneten Pleite gewählt – manchmal mit Erfolg, manchmal nicht.

Erst vor drei Jahren beantragte die Billigfluglinie Sun Country Airlines Gläubigerschutz nach Chapter 11 – darunter versteht man in den Vereinigten Staaten den Schutz eines Unternehmens vor dem Zugriff der Gläubiger. Die Regel soll verhindern, dass eine überlebensfähige Firma zerfleddert wird, um Forderungen zu befriedigen. Sun Country Airlines mit Sitz in Minnesota musste den Weg schon einmal beschreiten – das war im Jahr 2001. Seither haben verschiedene Eigentümer versucht, die Fluglinie wieder profitabel zu machen.

Im gleichen Jahr endete auch die Gesellschaft Eos in der Pleite. Sie hatte sich auf einem Nischenmarkt positioniert und transportierte Luxuspassagiere von London nach New York. Eine Widerbelebung unter Chapter 11 war nicht mehr möglich. Die Fluglinie verabschiedete sich mit einem emotionalen Brief, der das „ganz besondere Verhältnis“ zwischen Kunde und Airline hervorhob – danach stellte sie den Flugbetrieb ein.

2008 war für die amerikanischen Airlines ein echtes Krisenjahr - reihenweise taumelten kleine Fluggesellschaften in die Pleite: Kurz vor Eos und den Sun Country Airlines meldete der Billigflieger Frontier Airlines Insolvenz an. Der Flugbetrieb wurde allerdings unter Gläubigerschutz fortgesetzt. Frontier Airlines nannte als Grund für die Insolvenz einen Streit mit dem wichtigsten Kreditkartendienstleister. Dieser habe völlig unerwartet angekündigt, Einnahmen aus dem Ticketverkauf zurückzuhalten.

Ebenfalls im Jahr 2008 steuerte Skybus in die Pleite. Die amerikanische Airline hatte sich als Ultra-Billigflieger positioniert – nach dem Vorbild der europäischen Fluglinie Ryanair. Die Gesellschaft war bereits im Vorjahr in schwere Turbulenzen geraten; so blieben über Weihnachten mehrere ausgebuchte Maschinen am Boden. Die Fluggäste mussten das Fest am Flughafen verbringen.

Auch die seit Jahren angeschlagene Fluglinie ATA beantragte Gläubigerschutz. Die Gesellschaft musste den Flugbetrieb einstellen, tausende Passagiere konnten nicht abheben. Für die Linie wurde die hohe Abhängigkeit von militärischen Charterflügen zum Verhängnis. Als ein wichtiger Auftrag wegfiel, brach die Finanzierung zusammen. Zuvor hatte bereits der Paketdienst Fedex die Partnerschaft teilweise gekündigt.

Aloha Airlines hatte ihren Sitz in Honolulu – bis die Gesellschaft in die Pleite rutschte. Die Firma hatte eine lange, wechselvolle Geschichte. Sie nahm bereits im Jahr 1946 ihren Flugbetrieb auf, lange Zeit beförderte sie Passagiere mit Propellerflugzeugen. Nach finanziellen Schwierigkeiten begann im Dezember 2004 eine umfassende Restrukturierung. Doch das Management konnte das Ruder nicht herumreißen. Auch der Gläubigerschutz unter Chapter 11 rettete die Linie nicht vor dem Untergang.

Im Jahr 2007 erschütterte die Insolvenz der Fluglinie Maxjet die Luftfahrtbranche. Die Gesellschaft, ein US-Billigflieger für die Business-Klasse, hatte an Weihnachten Gläubigerschutz beantragt. Beobachter machten den geringen Komfort für das Scheitern verantwortlich: Maxjet bot den Passagieren nur Liegesitze an, während andere Airlines ihren Kunden in der Business-Klasse schon lange ausschließlich mit Flachbetten aufwarteten.

Delta Airlines gehört zu den großen Fluglinien in den Vereinigten Staaten. Doch die reine Größe schützte das Unternehmen in der Vergangenheit nicht vor finanziellen Turbulenzen. Bereits mehrfach musste die Linie Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragen, um eine geordnete Restrukturierung des Unternehmens zu ermöglichen. Zuletzt rettet Delta sich im Jahr 2005 in die Insolvenz – mit Erfolg. Nach der Pleite hat sich das Unternehmen wieder gut erholt.
American Airlines, die drittgrößte Fluglinie in den Vereinigten Staaten, steht vor der Pleite. Der Mutterkonzern AMR Corp. beantragte am Dienstag vor einem New Yorker Gericht Gläubigerschutz nach Kapitel Elf des US-Insolvenzrechts.
Beunruhigen dürften diese Ereignisse auch die deutsche Gesellschaft Air Berlin, denn die steckt in einer ähnlichen Klemme. Spekulationen über eine Investorensuche bei Air Berlin haben die Aktie der defizitären Fluggesellschaft in den vergangenen Tagen auf Achterbahnfahrt geschickt.
American Airlines hat als einzige große Fluggesellschaft in diesem Jahr Geld verloren - 286 Millionen Dollar allein im zweiten Quartal. Die Airline ist die drittgrößte in den USA und befördert pro Tage etwa 275.000 Passagiere auf 3.400 Flügen.




