
HB FRANKFURT. Die Diskussion um eine Beteiligung der Banken an der Rettung Griechenlands hat den Sektor Börsianern zufolge am Mittwoch europaweit unter Druck gesetzt. Die EU-Kommission hatte Forderungen nach "Haircuts" - also einem Schuldenerlass der Banken - bislang eine Absage erteilt.
Der europäische Index für die Finanzbranche gab mehr als vier Prozent nach. Im Dax war die Commerzbank, die mit 3,1 Mrd. Euro in Griechenland engagiert ist, das Schlusslicht. Ihre Aktie verlor fünf Prozent auf 5,80 Euro. Aktien der Deutschen Bank gaben 2,4 Prozent auf 51,33 Euro nach.
Unter Verkaufsdruck standen auch die französischen, spanischen und Schweizer Institute. Sie sind die größten Gläubiger des Mittelmeer-Anrainers. Societe Generale notierten mehr als fünf Prozent tiefer, Credit Agricole verlor mehr als sieben Prozent. BBVA und Santander gaben ebenfalls rund fünf Prozent ab. UBS gaben 3,3 Prozent nach.
Eine Beteiligung privater Geldinstitute an der Rettung Griechenlands hätte enorme Folgen für die Branche. Die Banken müssten dabei einen Teil des an den griechischen Staat verliehenen Geldes abschreiben. "Der Hauptgedanke ist, dass die Geldgeber aus dem Privatsektor eine gewisse Summe zur Restrukturierung der Schulden des Landes beisteuern", sagte Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer in Brüssel .
Würde man die griechischen Schulden von 300 Milliarden Euro um die Hälfe verringern, könnte das Land wahrscheinlich an die Märkte zurückkehren und wieder Kapital aufnehmen, meinte Mayer. Fünfzig Milliarden Euro könnten beispielsweise von privaten Investoren übernommen werden.
Im Gegensatz zu anderen Kreditinstituten ist die Deutsche Bank von den Finanzproblemen Griechenlands kaum betroffen. Die Hypo Real Estate und Commerzbank, die selbst durch staatliche Rettungsmaßnahmen vor dem Kollaps bewahrt wurden, haben den Griechen indes rund elf Milliarden Euro geliehen. Griechenland braucht bis zum 19. Mai dringend 8,5 Milliarden Euro für eine fällige Staatsanleihe. Es wurde aber nach einer Abwertung seiner Bonds auf Ramschstatus durch eine Rating-Agentur noch teurer für den Euro-Staat, sich neues Geld an den Kapitalmärkten besorgen.
Die EU-Kommission hat Forderungen aus der deutschen Politik und Wirtschaft nach einer Umschuldung Griechenlands eine klare Absage erteilt. Die Fraktionen von Union und FDP machen sich jedoch für eine Beteiligung von Banken, Versicherungen und Pensionskassen an der Unterstützung Griechenlands stark. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich Anfang der Woche zurückhaltend zu der Idee geäußert, auch private Investoren in ein Rettungspaket für Griechenland mit einzubeziehen.




