Die EZB hat kurz vor Weihnachten etwas Druck aus dem Kessel gelassen. In einer beispiellosen Aktion erklärten die Währungshüter, dass sie den Banken fast eine halbe Billion Euro für die kommenden drei Jahre zur Verfügung stellen werden – fast zum Nulltarif. Dieses Geld parken die Institute entweder gleich wieder bei der EZB. Oder sie kaufen Papiere am Anleihemarkt ein. Deshalb dürften auch die jüngsten Anleiheauktionen für Spanien und Italien so erfolgreich gelaufen sein. Gleichzeitig senkte die EZB die Mindestreserveanforderung, so dass die Banken weniger Sicherheiten bei der Zentralbank hinterlegen müssen. Das Ergebnis dieser Geldpolitik: Die Banken in der Euro-Zone können sich über eine noch nie dagewesene Flut an Liquidität freuen. Immerhin ist der ganz große Bankencrash, den einige Beobachter noch vor wenigen Wochen befürchtet hatten, dadurch erst mal abgewendet.
Bei sechs Deutschen Banken hatte die Europäische Bankenaufsicht Eba im vergangenen Jahr Lücken bei der Kapitalausstattung festgestellt, insgesamt rund 13 Milliarden Euro. Bis Ende Juni haben sie Zeit, das Geld zu beschaffen. Vergangenen Freitag mussten sie der Eba ihre Pläne vorlegen. Das Handelsblatt fasst zusammen, wie die Banken die fehlenden Milliarden auftreiben wollen.
Rund 5,3 Milliarden Euro fehlen der Commerzbank. Konzernchef Martin Blessing legte im Januar seine Pläne auf den Tisch. Er will sogar eine Milliarde Euro mehr beschaffen - aus eigener Kraft. Keine Staatshilfen, vorerst auch kein Geld von der Allianz. Knapp 60 Prozent des Fehlbetrags hat die Commerzbank schon reingeholt durch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im vierten Quartal 2011. Auf weitere 1,2 Milliarden hofft die Bank in den ersten beiden Quartalen 2012. Die Risikoaktiva seien bereits um 17 Milliarden Euro reduziert worden, was den Kapitalbedarf um weitere 1,6 Milliarden gesenkt habe, sagte Blessing.
Die Deutschen Bank braucht 3,2 Milliarden Euro. Bankchef Josef Ackermann will die Lücke mit einbehaltenen Gewinnen und dem Abbau von Risikopositionen schließen. Beobachter gehen davon aus, dass er die Vorgaben übererfüllen wird. Offiziell hält sich die Bank bis zur Bilanz-Pressekonferenz am 2. Februar bedeckt. Der mögliche Verkauf von großen Teilen des Asset Managements ist in den Berechnungen nicht berücksichtigt, auch nicht die geplante Veräußerung der BHF-Bank.
Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) hat einen Kapitalisierungsbedarf von 2,5 Milliarden Euro. Rund 1,7 Milliarden Euro hat sie bereits beschafft; der größte Teil stammt vom Land Niedersachsen. Am Freitag berichtete die NordLB, dass sie ihr Kernkapital nochmals um bis zu eine Milliarde Euro stärken wird, um die noch offene Lücke von 820 Millionen Euro zu schließen. Die letzte Milliarde soll durch Wandlung Stiller Einlagen, Beteiligungsverkäufe und die Einbehaltung von Gewinnen hereingeholt werden.
Rund 1,5 Milliarden Euro fehlen der Landesbank. Bereits im Dezember 2011 wurde die Lücke geschlossen. Das Land Hessen hatte zu diesem Zwecke seine Stillen Einlagen über 1,92 Milliarden Euro in hartes Kernkapital gewandelt. Die Eba hatte dies bei ihren Stresstests damals aber noch nicht berücksichtigt. Plan erfüllt.
Die Düsseldorfer sind ein Sonderfall. Zwar hat die Eba eine Kapitallücke von 224 Millionen festgestellt. Dieser Befund ist inzwischen aber völlig wertlos. Mit Zustimmung ihrer Träger und auf Geheiß von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia wird die angeschlagene Landesbank bis zum 30. Juni nicht nachkapitalisiert, sondern aufgelöst.
353 Millionen Euro muss Bankchef Wolfgang Kirsch auftreiben. Er will dies tun, indem er ordentliche Gewinne erwirtschaftet - und diese dann einbehält.
„Die negativen Faktoren sind allesamt bekannt, kurzfristig verbessert jedoch die günstige Refinanzierungsmöglichkeit über die EZB die Situation“, sagt Marco Herrmann von der Fiduka Depotverwaltung. Bankaktien würde er trotzdem nicht kaufen, er warnt vor übermäßigem Enthusiasmus: „Das, was die EZB an dreijährigem Tender ausgegeben hat, ist auch wieder als Guthaben bei der EZB zu finden. Die Institute vertrauen sich untereinander nicht. Sie gehen wahrscheinlich von ihrer eigenen Bilanz aus und sagen, bei den anderen sind wir entsprechend auch vorsichtig. Da ist schon ein großes Misstrauen vorhanden – und das von Insidern, mit besserem Einblick in Bankbilanzen.“
Die Zukunft der europäischen Banken steht und fällt mit einer Lösung für die Schuldenkrise. Die wiederum muss die Politik bewerkstelligen. Und deshalb ist sie auch so unberechenbar. Auch nicht klar ist, inwieweit die Behörden die Banken künftig schärfer regulieren werden, was wiederum die Gewinne belasten dürfte. Nicht besonders gewagt ist dagegen die Vermutung, dass die Banken nicht so bald wieder so gut verdienen, wie vor der Finanzkrise. Eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent wird so schnell kein Bankchef als Ziel ausgeben.
„Die Aktien sind vielleicht kurzfristig sehr günstig, aber ist das eine Wachstumsstory? Bankaktien sind und bleiben ein gefährliches Spiel“, sagt Herrmann von Fiduka. Allenfalls „als kurzfristiger Trade“ seien Bankaktien einen Blick wert.
So denken viele Investoren. An Tagen wie heute bricht die Unsicherheit durch. Nachdem die Ratingagentur S&P drei französische Banken herunter gestuft hat, geben Bankaktien europaweit nach. Für Unruhe sorgt außerdem, dass es immer noch keine Einigung auf einen Schuldenschnitt für Griechenland gibt. Noch ist nicht klar, auf wie viele ihrer Forderungen die Banken „freiwillig“ verzichten müssen. An solchen Tagen sind diejenigen kleinlaut, die meinen, Bankaktien hätten ihren Tiefpunkt erreicht. Dann haben die Oberwasser, die sagen: Schluss ist erst bei Null.
Bin schon lange invstiert, allerdings in Asien. ^^
Da ist noch lange nicht die Luft raus.
Bin schon drin. Aber mit nem stop loss ^^ man muss ja nciht zuviel Risiko eingehen
Die Commerzbank wird sicher noch ein bisschen nachlegen und wieder hochjagen...spätestens bei 3.50 ist dann Schluss.





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