
DÜSSELDORF. So haben sich die Anleger den Weg aus der Misere nicht vorgestellt: Der weltgrößte Handyhersteller Nokia schließt mit dem US-Softwarekonzern Microsoft einen Pakt, um die rasante Talfahrt auf dem margenstarken Smartphone-Markt zu stoppen. Die Finnen wollen fortan statt auf das eigene Betriebssystem Symbian auf das Microsofts-Pendant Windows Phone setzen.
Doch die Märkte reagieren entsetzt auf die Allianz: Nokia-Aktien schmierten am Freitag um mehr als 14 Prozent ab und schlossen im Xetra-Handel bei 6,97 Euro per Anteilsschein. "Das ist eine Offenbarung, dass Nokia mit seiner Plattform-Strategie auf ganzer Linie gescheitert ist, und es betont den Ernst der Lage für das Unternehmen", urteilt Analyst Geoff Blaber von CCS Insight.
Nokia-Anteilseigner sind Leid und Abstieg gewohnt: Die Anteilsschein wurden auf der Spitze der New-Economy-Blase bei 66 Euro gehandelt. Als die Blase platzte, sackten die Scheine innerhalb von zwei Jahren um mehr als 80 Prozent ein. Die nächsten Jahre wurden zur Durststrecke, erst 2007 keimte die Hoffnung unter den Anlegern wieder auf, die Titel könnten sich wieder erholen. Zumindest kurzfristig taten sie das auch. Als Apple in der Mitte dieses Jahres sein iPhone in die Läden brachte, war der kurze Traum vom Aufschwung schnell wieder ausgeträumt.
Seit 2007 haben Nokia-Papiere rund 52 Prozent verloren. Auch im letzten Jahr, als die Börsen weltweit haussierten, rutschten die Aktien um 13 Prozent ab. Und im neuen Jahr läuft es nicht besser: Seit Jahresfrist trieb es die Aktien fast neun Prozent ins Minus. Die Vorlage von Quartalszahlen waren dabei in der Vergangenheit häufig ein Garant für heftige Kursschwankungen: Aktien-Abstürze zwischen 10-14 Prozent nach Veröffentlichung waren in den letzten drei Jahren eher die Regel denn die Ausnahme.
Hersteller wie RIM, Apple oder HTC jagen den Finnen in Quartalsschritten Marktanteile ab. Die Touchscreen-Smartphones von Nokia seien nicht bedienungsfreundlich und wenig innovativ, nörgeln die Kritiker.
Nur selten ging der Trend in die andere Richtung: Wer etwa Anfang des letzten Jahres bei den Finnen einstieg, konnte sich drei Monate später über einen satten Buchgewinn von 30 Prozent freuen. Bis zum Jahresende hatten die Papiere sämtliche Gewinne aber wieder abgegeben. In Anlegerforen unkt man daher mittlerweile, die Aktien seien in Depots von besonders risikofreudige Spekulanten unabkömmlich.
Zusätzlichen Druck könnten die Titel demnächst noch von anderer Seite bekommen: Moody’s und Standard & Poor's hatten zuletzt angekündigt, ihr Nokia-Kreditrating überprüfen zu wollen.
Kein Wunder also, dass Marktbeobachter den Nokia-Aktien derzeit wenig zutrauen: Von 24 Analysten raten zurzeit nur sieben zum Kauf, neun sagen "Verkaufen". Besonders drastisch äußerten sich nach dem jüngsten Rückschlag die Analysten von Bernstein: Für einen Konzern mit überdimensionierten Strukturen und mangelnder Reaktionsbereitschaft wie Nokia klinge eine Partnerschaft mit einem anderen Riesen nicht wie das richtige Mittel, schrieb Analyst Pierre Ferragu in einer Studie. Sein vernichtendes Urteil: "Verkaufen" mit einem Kursziel von fünf Euro.
Typischer Fall von Managementversagen.
So ab 2006 hätte man mal einen Symbian-Nachfolger entwickeln sollen, was aus Kostengründen unterblieben ist. Lieber hat man am Uralt-System herumgebastelt und gefrickelt, auf dass die Quartalsberichte schön aussehen. Dieses Kurzfrist-Denken rächt sich eben auf die Dauer!
irgendwann werden Firmen arrogant und hören ihren Kunden nicht mehr zu. Allein die Modellbezeichnungen, unübersichtlicher geht's ja kaum noch.





1 Kommentar
Alle Kommentare lesen