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Die nächste Insolvenz: Solar-Pleitewelle vernichtet Milliarden

exklusivDie Pleitewelle in der Solar-Branche geht weiter - und wieder verlieren die Anleger viel Geld. Mittlerweile haben die großen Solarkonzerne an der Börse mehr als 20 Milliarden Euro verloren.

Für die deutsche Solarindustrie herrscht Sonnenfinsternis. Quelle: dpa
Für die deutsche Solarindustrie herrscht Sonnenfinsternis. Quelle: dpa

DüsseldorfSchon wieder eine Pleite einer Solarfirma: Der Solar-Anlagenbauer Centrotherm hat am Mittwoch den Antrag auf Insolvenz gestellt. "Wir sind nicht zahlungsunfähig", mühte sich eine Sprecherin um Schadensbegrenzung. Der Aktienkurs brach um 80 Prozent auf 0,42 Euro ein. Ein Analyst kommentierte: „Another solar bites the dust“; frei nach dem Musiktitel von Queen „Another one bites the dust“, zu deutsch: „Ein weiterer beißt ins Gras“.

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Der Fall Centrotherm reiht sich ein in eine Serie von Pleiten der Branche. In den vergangenen Monaten sind reihenweise Solarkonzerne in Schwierigkeiten geraten, darunter auch der ehemalige Marktführer Q-Cells.

Das sind die Gewinner der Solarkrise

  • Führender Solarkonzern

    Yingli-Chef Liansheng Miao zählt nicht zu den Managern mit Manieren. Seine Gesprächspartner lässt er gerne einmal warten, und ein Wort in Englisch kommt ihm nicht über die Lippen. Aber Reden zählt sowieso nicht zu seinen Stärken, Miao ist ein Macher, einer, der innerhalb weniger Jahre einen der weltweit führenden Solarkonzerne geschaffen hat.

  • Rekordverluste

    Die im Jahr 1998 gegründete Firma Yingli Green Energy hat sich neben Trina Solar und Ja Solar aus der Masse der chinesischen Firmen herausgeschält. Dem negativen Branchentrend können sich aber selbst die Vorzeigekonzerne nicht entziehen. Wegen des ruinösen Preiskampfs schrieb Yingli im abgelaufenen Jahr bei einem Umsatz von 2,3 Milliarden Dollar einen Rekordverlust von einer halben Milliarde Dollar.

  • Hoffnung dank Auftaktquartal

    Auch Ja Solar und Trina haben tiefrote Bilanzen, aber ihre Kosten bleiben dank starker Gewinne in früheren Jahren unter Kontrolle. Das Auftaktquartal macht Hoffnung: Der in den USA gelistete chinesische Photovoltaikhersteller Ja Solar weitete im ersten Quartal seine Gesamtkapazität auf 366 Megawatt aus - und übertraf damit die Analystenschätzungen. Der Umsatz sank zwar leicht von 309 auf 254 Millionen Dollar.

  • Starke Auslieferungen

    „Das ist aber eine deutliche Verbesserung gegenüber den vergangenen Quartalen, als die Zahlen teilweise 50 Prozent unter denen des Vorjahres lagen“, sagte Walter Vorhauser von der Close Brothers Seydler Bank. Grund für die Trendwende waren unerwartet starke Auslieferungen. Mit geringeren Verlusten und weniger stark gesunkenen Umsätzen ist man in der Branche gegenwärtig schon zufrieden.

  • In China wettbewerbsfähig

    Ja Solar, Trina und Yingli sind in China wettbewerbsfähig. Das sollte sich auszahlen, denn als Folge der schwachen Nachfrage in Europa will Chinas Regierung den heimischen Bau von Solarprojekten fördern. Und über die Verluste brauchen sich Yingli, Ja Solar und Trina letztlich ohnehin nicht zu sorgen. Peking betrachtet die Solarindustrie als Schlüsselbranche - Pleiten sind da nicht vorgesehen.

Nicht nur die Mitarbeiter sind Leidtragende der Pleitewelle. Die Krise der Branche trifft auch Tausende Anleger. Einst galten Solaraktien als große Hoffnungsträger der Börse. Der Solarenergie gehöre die Zukunft, hieß es. In den ersten Jahren legten die Kurse der Unternehmen kräftig zu. Den Höchststand erreichten die meisten Papiere Ende 2007. Ein Anteilsschein von Centrotherm kostete damals gut 67 Euro.

Das sind die Verlierer der Solarkrise

  • Q-Cells größte Pleite

    Unter den Pleiten der Solarindustrie sticht ein Name hervor: Q-Cells. Der einst weltgrößte Hersteller von Solarzellen war zum Höhepunkt des Solarbooms 7,8 Milliarden Euro wert. Damit stand Q-Cells kurz vor dem Sprung in den Dax. Doch das ist Geschichte. Heute ist die Firma aus dem ostdeutschen Thalheim insolvent.

  • Fehlendes Kostenbewusstsein

    Die Ursache dafür liegt in einem jahrelangen Missmanagement und einem fehlenden Kostenbewusstsein. Millionen investierte die Gesellschaft sinnlos in verschiedene Dünnschichttechnologien, bis kein Geld mehr übrig war. Geblieben sind Schulden und Produktionsstätten in Sachsen-Anhalt und Malaysia, die im weltweiten Wettbewerb als wenig konkurrenzfähig gelten.

  • Phoenix stemmt sich gegen die Krise

    Gegen die Krise stemmt sich auch Phoenix Solar: Der Preisverfall bei Solarmodulen ließ den Umsatz der mittelständischen Firma 2011 um ein Drittel auf 394 Millionen Euro einbrechen. Unter dem Strich steht ein Verlust von 86 Millionen Euro.

  • Kleine Erfolge

    Immerhin: Die Umstrukturierung zeigt kleine Erfolge: Im ersten Quartal 2012 machte Phoenix Solar 38 Millionen Euro Umsatz und nur eine Million Euro Verlust. Eine wirkliche Trendwende ist das aber nicht. Auftragsrückgang und Restrukturierungskosten belasten stark. Im laufenden Jahr erwartet Phoenix Solar einen weiteren Umsatzrückgang und einen operativen Verlust zwischen 19 und 25 Millionen Euro.

  • First Solar auf Verliererstraße

    Auf der Verliererstraße befindet sich auch First Solar. Der US-Konzern gehört zwar neben der chinesischen Suntech zur Weltspitze, doch das ändert sich. First Solar produziert Dünnschichtmodule, die erheblich günstiger sind als Siliziummodule.

  • Markt fällt weg

    Da die Energieausbeute aber geringer ist, werden die Module von First Solar in großen Freiflächenprojekten verbaut. Diese werden aber gerade in Deutschland nicht mehr gefördert. Der weltweit wichtigste und früher vor allem margenträchtigste Markt fällt damit weg. Als Reaktion darauf muss First Solar massiv sparen - ein gerade erweitertes Werk in Deutschland soll wieder geschlossen werden.

Auf ihrem Höhepunkt waren die großen deutschen Solarkonzerne – Solarworld, SMA Solar, Q-Cells, Conergy, Solon, Solar Millennium, Centrotherm, Phoenix Solar – nach Berechnungen von Handelsblatt Online mehr als 25 Milliarden Euro wert. Heute kommen alle zusammen nur noch auf einen Börsenwert von 1,12 Milliarden Euro.

Davon entfallen 863 Millionen Euro auf SMA Solar. Das Unternehmen aus Nordhessen ist das einzige, dessen Aktie nicht total abgestürzt ist. Die anderen haben seit dem Höchststand mehr als 97 Prozent verloren.

  • 12.07.2012, 07:05 UhrPandora0611


    Wenn die Sonne untergeht
    ========================

    Und wieder meldet ein Unternehmen aus der Solar-Branche Insolvenz an. Sie sterben wie die Fliegen, weil ihr "Geschäftsmodell" auf Subventionen aufgebaut ist. Bleiben diese aus oder werden zurückgefahren, gehen sie pleite.

    Hierzu auch ein Bericht aus der SZ:
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/insolvenz-von-evergreen-solar-wenn-die-sonne-untergeht-1.1131831

    "Schock für die Sonnenindustrie: Die Insolvenz des Herstellers Evergreen Solar hat die deutsche Branche alarmiert. An den Börsen stürzten die Aktien von Solarenergiefirmen ab. Wie anfällig ist die Branche wirklich?"

  • 11.07.2012, 20:14 Uhrthieln

    Der Beleg für ein chinesisches Dumping rfordert eine COO
    Betrachtung im Rahmen der gesamten Wertschöpfungskette.
    Dies erfordert das man sich monatelang mit dem doch sehr komplexen Thema beschäftigt und etwa ein bis zwei Aktenordner
    an Berechnungen durchführt. Es sprengt den Rahmen dieses Forums. Ein gutes Beispiel ist dEr letzte Quartalsbericht von LDKSolar. Man fertigt für 42$ pro kilo Silizium und verkauft für 20$. Wacker fertigt in Deutschland 20% günstiger und verliert Marktanteil. Ich bin seit 6 Jahren in dem Thema beruflich aktiv und bin gerne bereit jedem das zu zeigen .Die Komplexität erfordert allerdings viel Zeit, die sogenannte Experten sich nicht nehmen( Vegetarier
    im Fleischerladen )

  • 11.07.2012, 18:57 Uhrsieg-fried

    Was ein auch hier angesprochenes Unternehmen anbetrifft, frage ich mich seit einiger Zeit, wie die ihr Spitzenpersonal aussuchen. Vom headhunter vorgestellt, aus dreien ausgewählt und nur kein Rückblick auf BELEGBARE Leistungen in der Vergangenheit. Kann schiefgehen.
    Grinsend und vom dreifach-putt Coba profitierend, Euer Siggi.

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