
FrankfurtWenn es nach Matthias Wissmann geht, müssten sich die Menschen nicht nur um deutsche Autos reißen, sondern auch um die Aktien ihrer Hersteller. „Die deutsche Automobilindustrie ist die weltweit führende, sie gewinnt überall auf der Welt Marktanteile“, sagt der Präsident des Verbands der Automobilindustrie am Dienstag bei der Eröffnung der Automesse IAA.
Doch Branchenkenner teilen Wissmanns Optimismus nicht. „Das klingt zu schön, um wahr zu sein“, sagt Hans-Peter Wodniok, Analyst bei Fairesearch. Egal ob in Nordamerika, in Asien oder im Heimatmarkt Europa: „Die Absatzprognosen sehen in keiner Region wirklich berauschend aus.“ Zudem schwebe über dem Automobilgeschäft das Damoklesschwert der Finanzkrise. „Ich befürchte, dass die Absätze in Europa schon bald schrumpfen werden“, sagt Wodniok.
Kein Wunder also, dass Automobilwerte besonders unter dem jüngsten Abwärtstrend an den Börsen gelitten haben: Der Euro Stoxx Automobiles & Parts, der 13 europäische Hersteller und Zulieferer abbildet, gab seit Ende Juli insgesamt 37 Prozent nach – und damit zwölf Prozent mehr als der europäische Stoxx-Index. Auch die Werte der deutschen Hersteller sind auf Talfahrt.
„Im letzten Jahr haben die Kursgewinne der Autowerte die anderen Branchen deutlich übertroffen. Umso größer ist jetzt die Angst vor einem Absturz, wie er 2008 und 2009 stattgefunden hat“, sagt Michael Punzet, Analyst der DZ Bank.
Dazu kommt: Konjunkturmaßnahmen, die den Absatz künstlich steigern könnten, sind diesmal keine Option. Denn Vater Staat hat sein Pulver verschossen. „Staatliche Unterstützungsmaßnahmen wie etwa die Abwrackprämie wird es in Europa angesichts der derzeitigen Finanzlage wohl nicht mehr geben“, sagt Punzet.




