Gagfah, Deutschlands größter börsennotierter Wohnimmobilienkonzern, streitet noch immer über mehr als eine Milliarde Euro Schadenersatz mit der Stadt Dresden wegen angeblicher Vertragsverletzungen bei Wohnungsverkäufen. Außerdem durchsuchte vor wenigen Tagen die Staatsanwaltschaft Düsseldorf Geschäftsräume der Gagfah.
Sie geht dem Verdacht des Insiderhandels gegen Gagfah-Chef William J. Brennan und andere Führungskräfte nach. Beide Auseinandersetzungen belasten den Kurs und erschweren nach Ansicht von Kai Klose, Immobilienaktienexperte des Bankhauses Berenberg, die Verhandlungen über die Refinanzierung der Schulden. Im Laufe des Jahres enden Kreditvereinbarungen über 3,5 Milliarden Euro. Deshalb rät Klose trotz eines Kursabschlags von 68 Prozent auf den Nettovermögenswert (englisch abgekürzt: NAV) vom Kauf der Aktie ab.
Der NAV stellt den Wert des Immobilienvermögens nach Abzug der Schulden da. Das bedeutet: Gelänge es in diesem Fall jemandem, alle Aktien zu kaufen, würde er die Gebäude nach Abzug der Schulden zu einem Drittel ihres Wertes übernehmen.
Mit hohen Abschlägen zum NAV steht die Gagfah nicht allein da. Beim Büroimmobilienspezialisten IVG betragen sie gegenwärtig sogar 71 Prozent. Die Bonner kämpfen wie die Gagfah mit hohen Verbindlichkeiten und noch dazu mit den Folgen weit über Plan gestiegener Baukosten für ihr Megavorhaben "The Squaire" am Flughafen Frankfurt.
Hohe Schulden werden an der Börse bestraft.
Ohnehin ist zu beobachten, dass die Abschläge auf den NAV immer dann hoch ausfallen, wenn auch die Schulden groß sind. Insofern steht die DIC Asset mit einem NAV-Abschlag von 64 Prozent auch nicht viel besser da - so sehr sich DIC-Chef Ullrich Höller auch dagegen wehrt, mit IVG und Gagfah in einen Topf geworfen zu werden.
Die DIC kämpft zusätzlich damit, dass Investoren nach dem Desaster der IVG mit "The Squaire" fürchten, mit Büroimmobilienprojekten in Frankfurt verliere man Geld. Denn die DIC ist gerade dabei, für 600 Millionen Euro auf dem ehemaligen Degussa-Gelände zwischen Bankenviertel und Main das "Maintor" zu erstellen.
In "grünen" Gebäuden sollen 3000 Menschen arbeiten. Zusätzlich werden 200 Wohnungen gebaut. Die von Höller in Aussicht gestellten 100 Millionen Euro Projektentwicklungsgewinn verfehlen an der Börse offenbar ihre Wirkung. Immerhin ist ein Teilkomplex des "Maintors" vorab verkauft, bei einem weiteren steht der Baubeginn bevor, nachdem 70 Prozent der Fläche vorvermietet sind.




