Aktien im Fokus

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Nokia-Aktie: Alles nur ein Witz

Die Aktionäre von Nokia sind einiges gewohnt. Doch das ist selbst für sie neu: Nach wilden Spekulationen spielt die Aktie völlig verrückt. Der angebliche Interessent bezeichnet die Übernahmegerüchte als "Witz".

Die Nokia-Aktie hat drastisch an Wert verloren. Quelle: Reuters
Die Nokia-Aktie hat drastisch an Wert verloren. Quelle: Reuters

FrankfurtWas ist dran an den Gerüchten um Nokia? Die chinesische Computerfirma Lenovo stehe vor der Übernahme des kriselnden Handy-Konzerns, hieß es am Morgen an der Börse. Der Aktienkurs von Nokia schoss darauf um 17 Prozent in die Höhe. Die Nachrichtenagenturen meldeten: „Übernahmegerüchte treiben Nokia an“.

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Doch der Europa-Chef von Lenovo, Gianfranco Lanci, wies die Gerüchte uncharmant zurück. Er hätte einfach sagen können, an einer Übernahme sei nichts dran. Stattdessen machte er Nokia auch noch lächerlich. „Das muss ein Witz sein“, sagte er.

So schnell wie die Aktie gestiegen war, so jäh stürzte sie daraufhin wieder ab. Doch dann wurde es noch verrückter: Trotz des harten Dementis legten die Papiere am Nachmittag kurzzeitig wieder um zehn Prozent zu.

Geldanlage Der gnadenlose Niedergang der Nokia-Aktie

  • Geldanlage: Der gnadenlose Niedergang der Nokia-Aktie
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  • Geldanlage: Der gnadenlose Niedergang der Nokia-Aktie

Einst war die finnische Firma der größte Handyhersteller der Welt. Mit einem Börsenwert von fast 300 Milliarden Dollar war sie außerdem eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Doch Nokia verschlief die Entwicklung von Smartphones. Dem iPhone von Apple hatte man nichts entgegen zu setzen. Auch gegenüber Samsung ist Nokia zurückgefallen.

An der Börse verloren die Anteilsscheine der finnischen Firma in den vergangenen Jahren drastisch an Wert.  Vor fünf Jahren kostete die Aktie noch fast 30 Euro, vor drei Jahren waren es knapp zehn Euro, inzwischen liegt sie bei rund zwei Euro.

Wer den Markt der Smartphones regiert

  • Apple

    Platz 1: Mit einem Marktanteil von 18,4 Prozent führte Apple im zweiten Quartal des Jahres den Smartphone-Markt an. Insgesamt 20, 34 Millionen Smartphones lieferte der Hersteller in diesem Zeitraum an den weltweiten Handel. Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von über neun Prozent. Verglichen mit dem Vorjahr konnte Apple damit sogar eine Steigerung von über 140 Prozent erzielen.

  • Samsung

    Platz 2: Direkt hinter Apple reiht sich der südkoreanische Rivale Samsung mit einem Marktanteil von 17,8 Prozent ein. Insgesamt 19,6 Millionen Smartphones brachten die Koreaner im zweiten Quartal in den weltweiten Handel. Damit hat sich der Hersteller selbst übertroffen: Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von fast 56 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ist das sogar eine 600-prozentige Steigerung.

  • Nokia

    Platz 3: Mit einem Marktanteil von 15,1 Prozent hat es Nokia trotz der Verluste bei den Smartphones im zweiten Quartal noch unter die drei Besten geschafft. 16,7 Millionen Modelle lieferte der Hersteller aus - das sind 31 Prozent weniger als noch im ersten Quartal.

  • RIM

    Platz 4: Ebenfalls Verluste machte RIM im zweiten Quartal des Jahres. Mit 13,2 Millionen ausgelieferten Smartphones erreichte der Hersteller einen Marktanteil von 12 Prozent, musste im Vergleich zum Quartal zuvor aber einen Rückgang von fast 11 Prozent in Kauf nehmen.

  • HTC

    Platz 5: Der Marktanteil der HTC-Smartphones lag im zweiten Quartal bei 10,8 Prozent. Insgesamt fast 12 Millionen Modelle brachte der Hersteller in den Handel und steigerte damit sein Ergebnis aus dem Quartal zuvor um fast 25 Prozent.

  • Motorola

    Platz 6: Motorola-Smartphones erreichten im zweiten Quartal einen Marktanteil von 4 Prozent. 4,4 Millionen Modelle brachte der Hersteller in diesem Zeitraum in den weltweiten Handel und steigerte sein Ergebnis aus dem ersten Quartal damit um mehr als sieben Prozent.

  • Sharp

    Platz 7: Der japanische Elektronikkonzern Sharp hat mit 1,48 Millionen ausgelieferten Smartphones im zweiten Quartal einen Marktanteil von 6,8 Prozent erreicht. Im Vergleich zum ersten Quartal konnte der Konzern sein Ergebnis um 1,3 Prozent steigern.

  • Andere

    Unter ferner liefen: Alle anderen, weniger nennenswerten Hersteller machten im zweiten Quartal mit rund 22,7 Millionen ausgelieferten Smartphones zusammengenommen einen Marktanteil von 20,6 Prozent aus. Im Vergleich zum Quartal zuvor entspricht das einer Steigerung von fast 31 Prozent. Betrachtet man den gesamten Markt, so wurden im zweiten Quartal weltweit über 1,1 Milliarden Smartphones der verschiedenen Hersteller ausgeliefert. Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von 7,5 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ist es sogar eine Steigerung um rund 82 Prozent.

Die Deutsche Bank hat das Kursziel für Nokia nach den jüngsten Quartalszahlen von 1,80 auf 1,70 Euro gesenkt. Ohne einen Strategiewechsel beim Betriebssystem sei eine nachhaltige Stabilisierung des Marktanteils unwahrscheinlich, schrieb Analyst Kai Korschelt in einer Studie.

Für viele Aktionäre wäre ein Übernahmeangebot die Erlösung, vielleicht sogar die letzte Hoffnung. Das erklärt auch, warum der Kurs so stark reagiert, wenn entsprechende Gerüchte aufkommen.

Intraday-Chart: Die Nokia-Aktie spielt verrückt.
Intraday-Chart: Die Nokia-Aktie spielt verrückt.

Die Marktkapitalisierung liegt nur noch bei 7,1 Milliarden Dollar. Der Gegenwert sieht auf den ersten Blick nicht schlecht aus: Nokia sitzt immer noch auf Cash-Reserven von 3,8 Milliarden Dollar. Außerdem dürfte die Marke an sich einiges wert sein.

Doch statt eine Offerte abzugeben, macht sich die Konkurrenz auch noch lustig wie die Reaktion von Lenovo zeigt. Offenbar muss der Kurs erst noch weiter fallen, bis sich ein Interessent meldet.

"Nokia kommt dem Boden immer näher. Das Zeitfenster für eine mögliche Übernahme schließt sich", sagt Pete Cunningham vom Marktforschungsinstitut Canalys Insight. Er hält es für sehr unwahrscheinlich, dass jemand ein Gebot für Nokia abgibt.

Die Aktionäre geben die Hoffnung dennoch nicht auf.

Mit Material von Reuters

  • 02.08.2012, 23:18 Uhr3mini3

    Was mir generell auffällt: Die Diskussion über WP 7.5 oder WP 8 Tauglichkeit wird überall herausgehoben. Meiner Meinung nach sind die Lumia Geräte sehr weit gereift, und vor allem in ein sehr schönes gestaltetes Umfeld integriert.
    Und gegenüber Android muss sich das nicht verstecken. Warum hier alle Welt nur noch einem HTC oder Samsung nachläuft ist mir anhand dessen nicht zu erklären.

  • 02.08.2012, 02:47 UhrLeChiffre

    Mit Verlaub: Die neu eingeführte Marke "Lumia" ist wegen des Update-Debakels von WP7.5 auf WP8 schon beschädigt, Telekom bietet deshalb schon nicht das Lumia 900 an, schlechte Verkäufe in den USA, WP7.5-Marktanteile stagnieren, Nokia verkauft nicht einmal die Hälfte seiner Smartphones (!) mit WP, hat dennoch Symbian endgültig beschädigt, gehen hohes Risiko mit der "nur WP"-Strategie ein, Feature-Phone-Markt schrumpft schneller als erwartet, da Android-Phones immer günstiger (selbst Elop hat das Problem erkannt), schlechte Zeiten für Navteq-Sparte durch Konkurrenz von Apple Maps und Google Maps, mit Nokia Siemens ein großes Risiko am Bein, hohe Restrukturierungskosten und hohe Unternehmensverluste. Selbst Patentverkäufe werden nicht mehr ausgeschlossen.

    Dem gegenüber steht der große Patentschatz, die Bekanntheit der Marke "Nokia" und die Hoffnung auf ein erfolgreich(er)es WP8.

    Schon die Tatsache, dass Microsoft eher ein Tablet in Eigenregie produziert, anstatt es von Nokia machen zu lassen, spricht nicht unbedingt für Nokia.
    Auch dass sich noch nicht mal Microsoft für Nokia interessiert.

  • 01.08.2012, 20:57 Uhrhvh100

    Sehr gut beobachtet. Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass man bei den Investment-Bank Abteilungen mit mächtigen und finanzstarkten Gegnern zu tun hat, die mit erheblicher krimineller Energie ausgestattet sind und unter der Protektion der politischen Kaste agieren. Selbst wenn man als Privatanleger richtig liegt, kann man erhebliche Verluste einfahren, weil die US Finanzmafia Unternehmen einfach in der Nähe des manipulierten Tiefstpreises übernehmen kann. Das nennt man dann freiwilliges, öffentliches Übernahmeangebot. In der Regel spendiert man dann Anlegern mit 90% Kursverlusten einen Aufpreis von 10%. Mehr aber nicht. Denn man ist ja nicht von der Wohlfahrt. :-)

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