WashingtonNach dem vergurkten Facebook-Börsengang haben nun die Anwälte das Sagen. Im Namen von Anlegern werfen sie dem sozialen Netzwerk, den Alteigentümern und den Konsortialbanken um Morgan Stanley vor, bei den Börsenunterlagen geschlampt und wichtige Informationen zu den Geschäftsaussichten verschwiegen zu haben. Stattdessen hätten die Banken vor dem Börsengang ihre Gewinnprognosen gesenkt – dies aber nur ausgewählten Großkunden mitgeteilt. Alle anderen waren ahnungslos. Viele Investoren, die Geld verloren haben, fühlen sich nun abgezockt.
Warren Buffett (Star-Investor)
„Die Idee, dass eine frisch an den Markt gebrachte Firma unter tausenden und abertausenden Firmen weltweit die günstigste Gelegenheit ist, ist einfach dümmlich."
Michael Pachter (Analyst bei Wedbush)
„Die platzierenden Banken haben es völlig vergeigt.“
Phillip Goldberg (Investor)
"Orders von Investoren, die am ersten Handelstag Facebook- Aktien kaufen wollten, wurden häufig erst Stunden später ausgeführt. In der Zwischenzeit hatten die Investoren, die diese Aktien kaufen wollten, keine Ahnung, ob ihre Geschäfte ausgeführt worden waren und daher keine Ahnung, ob sie überhaupt Facebook-Aktien hielten."
Goldberg hat Klage gegen den Börsenbetreiber Nasdaq eingereicht.
Mary Schapiro (SEC-Chefin)
„Es gibt einige Probleme, die wir uns anschauen müssen, vor allem im Zusammenhang mit Facebook.“
Robert Greifeld (Nasdaq-Chef)
„Es hat ganz klar Fehler gegeben.“
Jim Cramer (Ex-Börsenhändler und TV-Moderator)
„Es ist unbestritten, dass (Facebook) ein schnell wachsendes und gut geführtes Unternehmen ist und es könnte ein guter Deal sein (…) Nur nicht am Eröffnungstag“.
Henry Blodget (Chef der Analyseplattform “Business Insider”)
“Wenn sich das Wachstum nicht wieder zulegt, ist es schwer zu sehen, wie die Aktie groß zulegen soll“
David Rolfe (Investmentchef von Wedgewood Partners)
„Die Wall Street ist ein strenger Lehrmeister. Nun wird von Facebook erwartet, dass das Unternehmen regelmäßig seine Ziele anhebt, um sie dann zu übertreffen.“
Simon Lee (Analyst bei der Navy Federal Credit Union)
„Für Facebook ist immer noch eine Menge mehr Platz, und es wird weiterhin mehr Nachfrage nach der Aktie als Angebot geben
Yves Maillot (Head of Investments von Robeco Gestions)
„Facebooks Preisgestaltung erscheint recht teuer zu sein" Der Börsengang dränge darüber hinaus in ein „sehr schwieriges Umfeld für den US-Aktienmarkt."
Tom Taulli (IPO-Experte für Tech-Aktien)
„Banker werden das Beispiel als Erinnerung für Firmen nutzen, dass sie beim Preis nicht zu hoch greifen sollten. Die Devise 'der Himmel ist die Grenze' gilt nicht mehr.“
John Scandalios (Leiter Franklin Templeton Technologiefonds)
„Bei den Geschäftsmodellen gibt es noch viele offene Fragen"
Nick Einhorn (Analyst der Beratungsfirma Renaissance Capital)
"Es war nicht so aufregend, wie es hätte sein können. Aber ich denke nicht, dass wir den Börsengang als Misserfolg werten sollten."
Larry Page (Gründer und Konzernchef von Google)
„Wir haben versucht, mehr einfache Leute teilhaben zu lassen.
In einer Talkshow äußerte sich Page über die Unterschiede zwischen den Börsengängen von Google und Facebook.
Während Morgan Stanley nach Medienberichten vom Donnerstagabend offenbar bereit ist, Anleger zu entschädigen, ermitteln neben den Zivilverfahren auch die US-Börsenaufsicht SEC und die Finanz-Aufsichtsbehörde Finra. Gleichzeitig steht der Technologiebörse Nasdaq eine Klage ins Haus, die wegen einer technischen Panne beim Börsenstart der Aktie viele Geschäfte nicht abwickeln konnte.
Wer klagt hier nun gegen wen, und warum? Wie erfolgsversprechend sind die Klagen, und was könnte Facebook, den Banken und der Nasdaq am Ende drohen? Handelsblatt Online sprach mit Peter J. Henning, Professor für Wirtschaftsrecht an der Wayne-Universität in Detroit und Wirtschaftsblogger für die „New York Times“.
Morgan Stanley und andere Konsortialbanken von Facebook sollen ausgewählte Großinvestoren vorab mit Exklusivinformationen versorgt und sie so vor finanziellem Schaden bewahrt haben – zum Nachteil der Kleinanleger. Finden Sie das in Ordnung?
Es ist beunruhigend, dass eine Firma sich herauspickt, wem sie ihre Analysen weiterreicht und wem nicht. Doch am Ende herrscht sie selbst über ihre Informationen und kann mit ihnen machen, was sie will. Zumindest bis zu einem gewissen Grad.

So argumentieren auch die beschuldigten Banken. Sie sagen, sie hätten keine Regeln verletzt, das sei nur Service für wichtige Kunden gewesen. Normale Geschäftspraxis?
Analysten bei Konsortialbanken ist es verboten, sich bis 40 Tage nach dem Börsengang öffentlich zu dem betreffenden Unternehmen zu äußern. Die einzigen, die Informationen bekommen dürfen, sind also die Kunden der Bank. Das Institut versorgt dann jene großen Investoren, die am meisten Umsatz bringen, mit Wissen. Die einzige Grundlage, die ich nun für eine Klage gegen die Konsortialbanken sehe, ist, dass diese nicht vorschriftsmäßig mit den exklusiven Informationen umgegangen sind. Aber ich weiß nicht, ob das ein berechtigter Vorwurf ist, denn die Analysen gründeten ja auf den Angaben, die Facebook im öffentlichen Börsenprospekt selbst gemacht hatte.
Nicht nur Zivilgerichte beschäftigen sich mit dem Börsengang. Auch SEC und Finra ermitteln. Was droht Facebook, den Banken und der Nasdaq von dort?
Ich denke, die Finra wird sich auf die Banken um Morgan Stanley und die Nasdaq konzentrieren. Die SEC wird prüfen, ob Facebook vor dem Börsengang alles Relevante veröffentlicht hat, und ob die Banken gegen Gesetze verstoßen haben, die die Veröffentlichungen und den Umgang mit Kunden regeln. Ob es hier Verstöße gegeben hat, wird sich zeigen.
Zunächst überhaupt nichts. Allerdings steht Facebook bei der künftigen Veröffentlichung von Quartalszahlen unter dem Druck, Umsatz und Gewinn kontinuierlich zu steigern. Deswegen erwarten Fachleute, dass die Werbung auf Facebook weiter ausgebaut und auch bei der mobilen Nutzung eingeführt wird. Die Werbung von Facebook könnte auch aggressiver werden, um die Klickrate zu erhöhen, die für den Preis der Werbung maßgeblich ist.
Ein genauer Termin steht bislang ebenso wenig fest wie der Ausgabepreis. Experten rechnen für Mai oder Juni mit dem Börsengang. Derzeit steht aber noch nicht einmal fest, ob Facebook an der Technologie-Börse Nasdaq oder an der traditionelleren New York Stock Exchange (NYSE) gelistet wird. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge soll es die Nasdaq werden.
Der Jahresgewinn von einer Milliarde Dollar im Jahr 2011 bei Facebook rechtfertigt eine Bewertung von 100 Milliarden Dollar eigentlich nicht. Zum Vergleich: Apple hat allein im jüngsten Quartal in jeder Woche eine Milliarde verdient und kommt dabei auf einen Börsenwert von 425 Milliarden Dollar. Google hat im gesamten Jahr 2011 rund zehn Milliarden erwirtschaftet und kommt „nur“ auf eine Bewertung von 188 Milliarden Dollar. Die Investoren orientieren sich aber vor allem an den Wachstumsaussichten. Und die werden für Facebook derzeit offenbar besser eingeschätzt als bei etablierten Unternehmen.
Sobald die Details für den Börsengang - insbesondere Datum und Ausgabepreis - feststehen, können Interessenten zu ihrer Bank gehen und danach fragen. Die Bank wird dann die erforderlichen Unterlagen zur Zeichnung besorgen.
„Nur weil es hip ist, sollte niemand versuchen, Facebook-Aktien zu kaufen“, sagt Aktienmarktstratege Thilo Müller vom MB Fund Advisory. Entscheidungshilfen mit konkreten Daten sind der jetzt veröffentlichte Börsenprospekt und Einschätzungen in der Finanzfachpresse. In den Kaufpreis gehen voraussichtlich auch die Erwartungen zum weiteren Wachstum von Facebook ein. Erfüllen sich diese nicht, muss man als Anleger mit sinkenden Kursen rechnen. Dies war auch bei mehreren Börseneinführungen von Internet-Unternehmen im vergangenen Jahr der Fall, etwa beim Musik-Streaming-Dienst Pandora.
Nein, der Facebook-Gründer hat auch künftig das Sagen. Er hält Aktien der Klasse B, die mit jeweils zehn Stimmen verknüpft sind, während normale Anleger mit ihren Aktien der Klasse A nur einfaches Stimmrecht haben. Außerdem haben viele Anteilseigner ihre Stimmrechte an Zuckerberg übertragen, so dass er auf 57 Prozent aller Stimmrechte kommt.

"Nur lauter Nullen und Einsen (001001110001) - das Binärsystem." ...
Brauch jemand die CD, DVD, BD?

Mit der Gier der Itzigs muß man immer rechen.
Dazu sind Vorurteile ja da, damit man gewarnt ist.
Aber na ja....
Manche müssen halt jedes Jahr die selben Erfahrungen
nochmal machen
und wundern sich.

Eine bekannte US-Investmentbank war zudem mit von der Partie und hat vor einigen Monaten mit eigenen Anteils-Käufen (OTC) - welche sie auch agressiv publik gemacht hat - einen solch hohen Börsenwert den unbedarften Anlegern vorgegauckelt, zum "Anfüttern" sozusagen. Die Hütchenspieler in den Fußgängerzonen lassen gerne immer ein Bandenmitglied inkognito mitspielen und ständig gewinnen, so will man fremde Spieler anlocken um sie dann abziehen zu können. Ähnlichkeiten zu den Vorab-Aktien-Käufen der Investmentbank sind natürlich rein zufällig. 4,0 Mrd Umsatz, 1,0 Mrd Gewinn, 100 Mrd Börsenwert, ein wertloses Stimmrecht; solch ein Laden soll das 100-fache des Gewinns wert sein? Da kann man nur feststellen, dass die Dummen nicht nur nicht ausgestorben sind, sondern sich sogar noch rasant reproduziert haben. Der Firmenwert dürfte so bei 12-18 Mrd. USD liegen, was einem Aktienkurs von 5,00 bis 10,00 $ entspräche. Es gibt Stimmen, die bezeichnen diesen Börsengang nicht etwa als Blase oder Mißgeschick, sondern als abgekarteten institutionalisierten Betrug an Anlegern - ich würde dem nicht widersprechen wollen.






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