Aktien im Fokus

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Verrückte Aktie: Zocken mit der Commerzbank

Die Commerzbank wird zum Zockerpapier: Tagelang ging es für die Aktie nur nach unten. Auch heute sah es zunächst nach Verlusten aus. Jetzt schießt der Kurs nach oben. Ein prominenter Investor hat genug vom Zocken.

Die Coba legt am Donnerstag um acht Prozent zu - findet die Aktie endlich Halt? Quelle: Reuters
Die Coba legt am Donnerstag um acht Prozent zu - findet die Aktie endlich Halt? Quelle: Reuters

Die Commerzbank treibt ihre Anleger zur Verzweiflung. Gerade erst hat sie ihre Anteilseigner um mehr Geld gebeten. Die stimmten bei der Kapitalerhöhung im Mai zähneknirschend zu, dem Institut weitere Aktien im Wert von 2,5 Milliarden abzukaufen. Immerhin versprach die Bank, dass damit endlich alles besser werden sollte. Doch stattdessen wurde es schlimmer.
In den vergangenen vier Wochen hat die Commerzbank ein Viertel ihres Wertes verloren. Das ist erstaunlich. Denn viel Wert war ohnehin nicht mehr da. In dieser Woche beschleunigte sich die Talfahrt sogar noch. Bis heute. Zunächst ging es erneut um drei Prozent auf 5,56 Euro abwärts, am Nachmittag schoss der Kurs dann plötzlich nach oben. Jetzt liegt die Aktie acht Prozent im Plus bei 6,29 Euro.

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„Wer zocken will, kann das gern tun“, sagt Max Otte. Der Investor und Wirtschaftsprofessor aus Köln zockt nicht mehr. Er hatte die Aktie zeitweise im Portfolio. Doch als die Kapitalerhöhung anstand, stieg er aus. Die Hoffnung, dass sie in absehbarer Zeit wieder auf die Beine kommt, hat er - wie so viele andere Anleger auch - verloren. Übrig bleiben die, denen die Kursschwankungen gelegen kommen: Die Aktie ist zum Spielball der Spekulanten verkommen.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

  • August 2008

    Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

  • September 2008

    Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

  • November 2008

    Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

  • Dezember 2008

    Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

  • Januar 2009

    Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

  • April 2011

    Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

  • Oktober 2011

    Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

  • Juni 2012

    Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

  • März 2013

    Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

  • Mai 2013

    Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

„Die Commerzbank hat einen Ruf, immer auf jeder Bananenschale auszurutschen. Sie haben in den letzten fünf Jahren vier Mal ihr Kapital erhöht - und eine weitere Kapitalerhöhung wäre keine große Überraschung“, sagte Fondsmanager Matthew Beesley, der das globale Aktiengeschäft bei Henderson Global Investors leitet. Nach seiner Einschätzung sind die Geschäftsaussichten für die Commerzbank ausgesprochen düster - was auch die Bemühungen um eine weitere Stärkung der Kapitaldecke erschweren dürfte.

„Bei der Commerzbank-Story gibt es nichts Attraktives“, sagt Dirk Becker, Analyst bei Kepler Capital Markets. Sein Fazit: „Es gibt gegenwärtig keinen Grund, die Aktie zu kaufen.“ Der Analyst verweist auf die Kapitalerhöhung und ein schwaches Ergebnis im ersten Quartal. Das zweite Quartal werde kaum besser ausfallen und der Ausblick für den weiteren Jahresverlauf und 2014 sei schwach. Man könnte auch noch die Probleme mit der Schiffsfinanzierung anführen oder das Engagement in Anleihen aus Südeuropa. Die Commerzbank kam Ende März auf 2,9 Milliarden Euro bei Verbindlichkeiten in Portugal und von 12,2 Milliarden Euro in Spanien.

Dennoch fällt eine Erklärung für den Kursrutsch in den vergangenen Wochen nicht leicht. Eigentlich sind alle Probleme der Bank nicht neu. Trotzdem werfen Investoren das Papier reihenweise aus dem Depot. Auch wenn nach dem jüngsten Kursrückgang ein negatives Szenario bereits eingepreist sei, überwögen nach wie vor die Risiken, schrieb Analyst Stefan Bongardt von Independent Research in einer Studie. Sein Kursziel senkte er am Montag von sieben auf 5,50 Euro - innerhalb von wenigen Tagen hat sich die Vorhersage schon fast erfüllt.

Von zwölf Analysten, die seit Juni ein Urteil abgegeben haben, raten laut Bloomberg sechs zum Halten und vier zum Verkaufen. Immerhin gibt es zwei Analysten, die den Mut haben, eine Kaufempfehlung auszusprechen.

  • 04.07.2013, 20:21 UhrLautensclager

    Das Commerzbankgesindel ist doch viel zu eng mit Bouffier (CDU) und Konsorten verfilzt. Alles noch eine Muschpuke in dieser Bullen- und Banksterstadt Frankfurt am Main.

  • 04.07.2013, 19:36 Uhr3_Monkeys

    @ th235

    Genau und Anzeigen sollte man den Staat und die Bafin auch noch!!! Den Staat weil er diese Bank mitkontrolliert und die Bafin die nur eine Strohkontrollorgang ist.

    Sooft die Bafin schon weggesehen hat und wie oft der Staat schon die Gelder der Bürger verschwendet hat, brauch man wohl nicht mehr anzudeuten.

    Anzeige aber nur in Brüssel, denn die decken auch mal auf und nicht nur ab.

  • 04.07.2013, 18:55 Uhrth235

    @ zu Zugereister,
    die kann man haftbar machen im Sinne des §§ 263,266 StGB.
    Übersetzt: Fall der Untreue von Vermögenswerte der Teilhaber, hier Aktionäre. Betrug: Vortäuschen und erregen eines Irrtums, dass die bilanziellen Daten in Ordnung sind und immer wieder blauäugig den Aktionären für das kommende Geschäftsjahr Dividende gezahlt werde. Was aber nicht eintrete. Nur, jetzt kommt der Knackpunkt, die Staatsanwaltschaft schreitet nicht ein, was ich schon angestrengt habe. Die macht nichts. Das fällt dann unter § 258 a StGB i.V.m. §13StGB (Strafvereitelung im Amt)

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