Markus Nöth, Privatdozent an der Universität Mannheim, unterscheidet bei gleich laufendem Verhalten der Investoren, ob dieses rational oder irrational begründet ist. Rational sei etwa, wenn die Anleger auf Basis gleicher Informationen ihre Engagements eingehen. Hingegen sei der Herdentrieb dadurch geprägt, dass „man sich so verhält wie andere, ohne darüber nachgedacht zu haben, ob dies überhaupt rational ist“. Oder mit anderen Worten: Dem Verhalten liegen keine Informationen zu Grunde, die es rechtfertigen.
Zum Teil hängt der Erfolg eines Engagements an der Börse auch von der Fähigkeit ab, das irrationale Verhalten anderer Börsenteilnehmer richtig einzuschätzen. Das haben im Jahr 2002 die Unternehmensberatung McKinsey und das Bonner Laboratorium für experimentelle Wirtschaftsforschung in einem spieltheoretischen Experiment herausgefunden. Die Untersuchung wies nach, dass Anleger tatsächlich die „Entscheidungen anderer Investoren imitieren“. Es habe aber auch eine ganze Zahl von Anlegern gegeben, die – entgegen dem Herdentrieb – die jeweils andere Investitionsmöglichkeit wählten. Die Forscher erklären dies mit dem „Misstrauen der Anleger gegenüber der rationalen Entscheidungskompetenz ihrer Vorgänger“. Allerdings hat auch das Stemmen gegen den Trend – „contrarian behavior“ genannt – nur selten zu höheren Gewinnen geführt.




