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Insider-Barometer: Topmanager zeigen der Börse, wo es lang geht

Nach oben, zur Seite, oder im freien Fall: Mit Hilfe des Insider-Barometers ziehen Forscher Schlüsse aus den Orders von Topmanagern. Trotz aller Erkenntnisse hat das Modell aber auch seine Grenzen.

Das Insider-Barometer zeigt an, ob der Aktienmarkt künftig nach oben, seitwärts oder nach unten tendiert. Quelle: dpa
Das Insider-Barometer zeigt an, ob der Aktienmarkt künftig nach oben, seitwärts oder nach unten tendiert. Quelle: dpa

FrankfurtSeit mittlerweile fast sechs Jahren veröffentlicht das Handelsblatt zusammen mit dem Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der Uni Aachen und dem Commerzbank Wealth Management das sogenannte Insider-Barometer. Grundlage dafür sind die Orders von Vorständen, Aufsichtsräten und deren nahen Angehörigen für Aktien von Unternehmen, bei denen sie Insiderinformationen haben. Diese Kauf- oder Verkaufsaufträge müssen sie innerhalb von fünf Werktagen an die Börsenaufsicht Bafin melden. In Deutschland gilt diese gesetzliche Pflicht seit dem Jahr 2002, in den USA bereits seit den 60er-Jahren.

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Die Forscher werten die auf der Bafin-Website (http://ww2.bafin.de/database/DealingsInfo/) veröffentlichten Orders aus – und ziehen daraus Schlüsse für den Gesamtmarkt und für Einzeltitel. Bei den Einzeltiteln kommt es häufig vor, dass die Unternehmensinsider kaufen (oder verkaufen), obwohl die Analysten das genaue Gegenteil empfehlen. Dieser sogenannte Contrarian-Effekt des Insider-Barometers ist für Privatanleger besonders interessant, weil sie so eine der Marktmeinung gegenläufige Einschätzung erhalten – und zwar von Personen, die einen viel tieferen Einblick in die Perspektiven eines Unternehmens haben als „normale“ Investoren.

Das Insider-Barometer zeigt an, ob der Aktienmarkt künftig nach oben, seitwärts oder nach unten tendiert. Bei Barometerständen über 110 Punkten beispielsweise können Investoren in der Regel Zusatzrenditen erwirtschaften, wenn sie am deutschen Aktienmarkt einsteigen. Im umgekehrten Fall empfiehlt sich bei einem Barometer-Stand von unter 90 Punkten der Einstieg in Aktien nicht. Im Bereich zwischen 90 und 110 Zählern entwickeln sich die Aktienmärkte in der Regel wie alle anderen Anlageklassen. Aktuell liegt das Insider-Barometer noch bei 114 Punkten. Eigentlich kein Grund zur Panik, möchte man meinen. Doch nur, weil hier die Kauf- und Verkaufsorders der vergangenen drei Monate eingehen, ist die Tendenz noch positiv. Kommt es weiter kaum zu Käufen, aber zu einer steigenden Zahl an Verkäufen, dann könnte das Barometer schon bald deutlich fallen.

Für Wissenschaftler sind Käufe und Verkäufe von Vorständen und Aufsichtsräten ein dankbares Forschungsfeld. In den USA befassen sich die Forscher schon seit den 1960er-Jahren damit. „Insider sind besser informiert und erzielen mit ihren Transaktionen eine signifikante Überrendite gegenüber dem Gesamtmarkt“, erkannten die US-Forscher Lorie und Niederhoffer 1968. Manager kaufen oder verkaufen oft schon Monate vor den Umschwüngen am Aktienmarkt, fiel bei der Beobachtung auf.

Das war etwa im Frühjahr 2003 so, als der Beginn des Irak-Kriegs den Dax auf 2200 Punkte sinken ließ. Die Topmanager, von der guten Lage ihrer Unternehmen überzeugt, kauften damals massiv am Aktienmarkt zu. Nur einmal haben die Insider – wie der gesamte Markt – deutlich zu spät reagiert. Als die Kurse Mitte 2008 wegen der Finanzkrise massiv nachgaben, setzten viele Manager noch auf eine gute Entwicklung ihrer Unternehmen. Dass aus der Finanzkrise eine weltweite Wirtschaftskrise wurde, erkannten sie nicht. Das zeigt, dass das Modell auch Grenzen hat. Letztlich gleichen Firmenchefs den Privatanlegern noch in einem anderen Punkt: Irren ist menschlich.

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