
FrankfurtFirmenlenker und Aufsichtsräte haben gegenüber normalen Anlegern den Vorteil, dass sie ihr eigenes Unternehmen besser einschätzen können. Deshalb handeln sie oft antizyklisch und kaufen, wenn die Aktienkurse fallen. In jüngster Zeit ist das aber nicht mehr so.
Obwohl der Deutsche Aktienindex (Dax) seit März bereits um etwa 1 000 Punkte gefallen ist, halten sich die Insider an der Börse nach wie vor zurück. "Die Verunsicherung ist bei den Insidern angekommen", sagt dazu Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance, und meint dies auch mit Blick auf die für den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone wichtigen griechischen Parlamentswahlen am gestrigen Sonntag.
Unter dem Strich notiert das Insider-Barometer, das das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) gemeinsam mit Commerzbank Wealth Management alle zwei Wochen exklusiv für das Handelsblatt berechnet, weiter im neutralen Bereich. Aktien dürften sich demnach in den kommenden drei Monaten weder besser noch schlechter als andere Anlageklassen entwickeln. Grundlage zur Berechnung des Insider-Barometers sind die Käufe und Verkäufe, die Firmeninsider an die Finanzaufsicht Bafin melden müssen.
Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.
Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.
Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.
Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.
Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.
Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.
Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!
Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.
Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.
Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.
Auffällig ist dabei aber, dass es mit gleich zwei Dax-Firmen auch bei den Käufern prominente Beispiele gibt. Bei der Deutschen Telekom kauften drei Vorstände insgesamt Aktien über mehr als 390 000 Euro. Kein schlechtes Geschäft: Seit den Käufen zwischen Ende Mai und Anfang Juni ist der Kurs der T-Aktie gestiegen - auch wenn sie seit Jahresanfang immer noch zu den schlechtesten Dax-Werten gehört. Doch Vorstände und Aufsichtsräte der Telekom glauben ganz offensichtlich an die Aktie: Seit 2011 haben Insider ausschließlich gekauft, und zwar Aktien im Wert von insgesamt knapp 2,7 Millionen Euro. Verkäufe von Insidern wurden bei der Telekom nicht registriert.
Auch die Experten der Commerzbank empfehlen die T-Aktie zum Kauf. Operativ entwickle sich der Konzern solide weiter, und für die kurzfristige Kursentwicklung sei gut, dass die Telekom nach dem gescheiterten Verkauf der US-Tochter an AT&T neue Optionen für den Verkauf prüfe.





