FRANKFURT. Der Chemie-Distributeur Brenntag geht bei seinem Börsendebüt, das für den 29. März geplant ist, auf Nummer sicher. War vor wenigen Wochen noch in Marktgerüchten die Rede davon, dass bei der Emission bis zu zwei Drittel des Volumens aus dem Besitz von Altaktionären kommen soll, so ist dieser Anteil jetzt im offiziellen Angebot deutlich geschrumpft. Von den inklusive Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) angebotenen 14,95 Mio. Aktien, stammen lediglich 4,45 Mio. Papiere vom Beteiligungsfonds Brachem (DE000A1DAHH0).
Die überwiegende Anzahl von 10,5 Mio. Papieren kommt aus einer Kapitalerhöhung. Bei einem Ausgabepreis zwischen 46 und 56 Euro fließen dem Mülheimer Unternehmen zwischen 483 und 588 Mio. Euro zu. Von einem Erlös von 500 Mio. Euro plus X war bereits vor Wochen die Rede. „Unser Großaktionär hat sich seit seinem Einstieg bei Brenntag immer sehr verantwortungsbewusst gezeigt“, sagte Vorstandschef Stephen Clark nur sehr allgemein zum aktuellen Angebot.
Brenntag ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer im Bereich der Chemie-Distribution. Damit ist das im Jahr 1874 gegründete Unternehmen Bindeglied zwischen den großen Chemieproduzenten und gut 150000 Kunden weltweit. Brenntag mischt die Chemikalien und verpackt sie um in verbraucherfreundliche Größen. 10000 Produkte gehören zum Sortiment.
Da der Markt für Chemie-Distribution weltweit extrem zersplittert ist, genügt Brenntag im Moment ein Anteil von 6,9 Prozent, um unangefochten an erster Stelle zu stehen, es folgen die beiden US-Unternehmen Univar (6 Prozent) und Ashland (2,8 Prozent). Die Kunden kommen aus völlig unterschiedlichen Branchen wie Pharma, Ölfeldausrüstung, aus der Mode oder der Gebäudereinigung.
Der Anteil der frei handelbaren Aktien soll nach dem Börsengang zwischen 25,2 und 29 Prozent liegen. Das ist abhängig davon, ob die Nachfrage der Anleger so groß ist, dass der Greenshoe ausgeübt wird. Trotz dieses eher geringen Anteils dürfte nach aktuellem Stand einer Aufnahme in den MDax, in dem die 50 mittelgroßen Werte vertreten sind, in den kommenden Monaten kaum etwas entgegen stehen.
Von Seiten der Investoren, bei denen das Management bereits in den vergangenen Wochen auf Roadshow war, sind die Reaktionen durchaus wohlwollend. Weil die aktuelle Marktlage allerdings eher den Käufern in die Karten spielt, übt man sich dort offiziell in Zurückhaltung. Hinter vorgehaltener Hand lobt so mancher Fondsmanager indes die Solidität des Geschäfts, die übersichtliche Verschuldung und die große Erfahrung des langjährigen Managements.
Mit dem Erlös aus dem Börsengang soll ein teures Mezzanine-Darlehen über 400 Mio. Euro abgelöst werden. „Wir müssen diese Schulden zwar erst im Jahr 2016 zurück zahlen, ein vorzeitiges Ablösen würde unseren Zinsaufwand aber erheblich reduzieren“, sagt Finanzvorstand Jürgen Buchsteiner.




