
ebe/HB NEW YORK. Die mit Spannung erwartete Rückkehr des US-Autokonzerns General Motors an die Börse nimmt konkrete Formen an. Der einst größte Autohersteller der Welt hat bei der Börsenaufsicht SEC am Mittwoch den Börsengang beantragt, der in New York und Toronto erfolgen soll. Demnach sollen bei dem IPO-Projekt "Morgendämmerung" neben Stammaktien auch 100 Millionen Vorzugsaktien verkauft werden, um institutionelle Investoren anzulocken.
Mit dem eingenommenen Geld - Wall-Street-Kreise spekulieren auf ein Volumen von 14 bis 18 Mrd. Dollar - will GM seine hohen Schulden beim Steuerzahler teilweise begleichen. Die US-Regierung hatte den Konzern im Vorjahr mit mehr als 50 Mrd. Dollar Staatsgeld vor dem Finanzkollaps bewahrt. Erwartet wird, dass das Finanzministerium zunächst rund ein Fünftel seiner gut 300 Millionen Aktien verkauft und damit seinen Firmenanteil von derzeit 61 Prozent auf unter 50 Prozent senkt.
GM war im Juni 2009 in die Insolvenz gegangen, hatte dies aber schon eineinhalb Monate später wieder hinter gelassen. Durch die Insolvenz hatte sich GM 40 Mrd. Dollar Schulden entledigt. Der Konzern hat zudem in einer Rosskur Kosten gesenkt, Werke geschlossen und Marken wie Pontiac, Saab und Hummer fallen gelassen. Gleichwohl benötigt GM Geld, etwa für den Umbau bei seiner verlustbringenden deutschen Tochter Opel und die Bedienung von Pensionsansprüchen.
Auch der kanadische Staat, der ebenfalls Geld zugeschossen hatte und mit 12 Prozent an dem Autobauer beteiligt ist, könnte Aktien verkaufen. General Motors selbst kündigte an, nur Vorzugsaktien herauszubringen. Diese sind nicht stimmberechtigt. Das Volumen und der genaue Zeitpunkt des Börsengangs sind weiter offen.
GM werde zunächst keine Dividende auf Stammaktien zahlen, hieß es. Als Risiken nannte GM im Börsenprospekt schwache Umsätze sowie unterfinanzierte Pensionskassen.
Erwartet wird der Börsengang - einer der größten in der Wirtschaftsgeschichte - für Oktober oder November, je nachdem wie schnell die Behörden arbeiten. Wenn es gelänge, GM bis November wieder auf den Kurszettel zu bringen, könnte Präsident Barack Obama nach Meinung von Experten die umstrittene Rettungsaktion als Erfolg feiern und als Argument im Wahlkampf nutzen. Im November finden in den USA Kongresswahlen statt. Sowohl Regierungsvertreter als auch Vertreter von GM haben einem Zusammenhang mit den Wahlen mehrfach bestritten.




