Die Marktkapitalisierung an den globalen Aktienmärkten dürfte dem Vermögensverwalter Jens Ehrhardt zufolge 2010 kaum weiter steigen. Einige im Vorjahr noch dank des Engagements von Hedge-Fonds heiß gelaufene Anlageregionen würden sich wieder abkühlen, sagte der Experte am Freitag.
Analyse: Aktienmarktkapitalisierung dürfte 2010 kaum zulegen
dpa-afx FRANKFURT. Die Marktkapitalisierung an den globalen Aktienmärkten dürfte dem Vermögensverwalter Jens Ehrhardt zufolge 2010 kaum weiter steigen. Einige im Vorjahr noch dank des Engagements von Hedge-Fonds heiß gelaufene Anlageregionen würden sich wieder abkühlen, sagte der Experte am Freitag. Ehrhardt verwies als Beispiel auf einzelne Märkte wie Australien, Brasilien und China, aber auch auf die Schwellenländer insgesamt. Seiner Meinung nach dürften zudem die aktuellen Konjunkturprogramme lediglich ein Strohfeuer ausgelöst haben. Es sei wenig wahrscheinlich, dass es nun zu einem selbst tragenden Aufschwung kommen werde.
Darüber hinaus sprächen vor allem in den USA auch fundamentale Gründe gegen eine schnelle Erholung, fuhr Ehrhardt fort. So sei die Gewinnsituation bei den kleinen und mittleren Unternehmen besorgniserregend und die jüngsten Daten zum US-Arbeitsmarkt hätten widersprüchliche Signale gesendet. Falls die Arbeitslosigkeit in Zukunft tatsächlich weiter steigen sollte, könnten auch die Preise am Immobilienmarkt wieder unter Druck geraten. Der Preisverfall in diesem Sektor gilt allgemein als Auslöser der Finanzmarktkrise.
China Wird Nach MÖGlichem RÜCksetzer Wieder Attraktiv
Zudem dürfte die Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten Ehrhardt zufolge kaum für Steuererhöhungen zur Finanzierung der großen Schuldenlast zu begeistern sein. Auch von Seiten der institutionellen Anleger seien nur wenige Impulse zu erwarten. So seien die Barreserven der US-Fonds auf etwa vier Prozent des gesamten Fondsvermögens gesunken. "Die professionellen Anleger haben ihr Pulver weitestgehend verschossen", meinte der Experte.
Demgegenüber rückten Anlagen in China verstärkt in den Fokus. Zwar ist auch dieser Markt Ehrhardt zufolge kurzfristig überkauft. Allerdings könnte es in nächster Zukunft zu einem Rücksetzer kommen, so dass sich dann ein Einstieg wieder lohnen könnte. Schließlich hätten die Anlageinvestitionen in dem Land bereits das Niveau des Euroraums sowie der USA erreicht und dies lasse ein weiteres Wachstum erwarten. Zudem habe in den letzten Jahren die Zahl der Hochschulabsolventen deutlich zugenommen. Diese Entwicklung stimme ebenfalls zuversichtlich, meinte der Vermögensverwalter.
Pharma, Telekom und BAU Interessant
Mit Blick auf die Einzelwerte seien US-Aktien derzeit deutlich teurer bewertet als europäische Papiere. Zudem seien defensive Aktien gegenüber zyklischen Titeln aktuell relativ billig. Insofern bevorzugt Ehrhardt momentan dividendenstarke Werte aus dem Pharmasektor wie zum Beispiel Novartis
, Nestle oder Roche
Holding . Mit diesen könnten Anleger auf den Aufschwung der Schwellenländer setzen, ohne direkt in diesen überhitzen Markt einsteigen zu müssen.
Auch wenig konjunktursensible Titel aus der Telefonbranche wie etwa KPN
böten hohe Ausschüttungen, hieß es. Interessant seien ebenfalls Aktien von Bauunternehmen wie etwa Hochtief
oder Bilfinger Berger
. Diese würden von den derzeit anziehenden Infrastrukturprojekten profitieren.