„Die klassische Sektorrotation wird am Markt zunehmend durch eine Einzelwert-Betrachtung verdrängt“, sagt Johannes Reich, Leiter des Aktiengeschäfts und Partner beim Bankhaus Metzler. Derzeit rät er Anlegern zu einer konservativeren Anlagestrategie, da „der Druck auf den Markt noch nicht vorüber“ sei. Dies begünstige allgemein große Standardwerte, da in schwierigen Zeiten Liquidität gefragt sei. Außerdem empfiehlt Reich einen Blick auf Unternehmen mit hohem Cash-Bestand, die von den Turbulenzen im Kreditgeschäft kurzfristig wenig betroffen sind.
Nur bedingt hilfreich ist nach Meinung von Experten zurzeit dagegen ein Blick auf Bewertungskennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – sowohl auf Unternehmens- als auch auf Sektorebene. Dass nicht alles, was optisch günstig erscheint, tatsächlich attraktiv sein muss, zeigt etwa der Bankensektor. Mit einem durchschnittlichen KGV von zehn auf Basis der erwarteten Gewinne gehören europäische Banken laut Credit Suisse gemeinsam mit Versicherern und speziellen Finanzdienstleistern zu den günstigsten Branchen.
Der Ausblick für die Institute ist aber weniger günstig: „Wenn die Zahlen für das dritte Quartal auf den Tisch kommen, dürften viele Analysten ihre Gewinnschätzungen für den Sektor zurücknehmen“, erwartet LBBW-Stratege Neumann.
