2007 bescherte Eigentümern deutscher Aktien ein Wechselbad der Gefühle: Fulminanter Start, Absturz im Sommer und dann ein passabler Jahresausklang – zumindest für die großen Aktien-Werte und Tech-Titel. Auch für Analysten war es ein Jahr der Herausforderungen; die US-Subprime-Krise und ihre Folgen vor allem für die Finanzbranche sah niemand kommen.
FRANKFURT. Die besten Analysten allerdings konnten auch diese schwankungsreiche Zeit nutzen: Mit ihren Aktienempfehlungen hätten Anleger zum Teil kräftige Kursgewinne verbuchen – oder zumindest ihre Verluste begrenzen können. Den lukrativsten Kauf-Tipp gab Industrie-Analyst Philippe Bumm vom Broker CA Cheuvreux ab. Wer sein Kaufvotum für den Solarzellenhersteller Q-Cells befolgt hätte, hätte einen Kursgewinn von 187 Prozent eingestrichen. Umgekehrt hätte sein Kollege Joachim Müller Investoren mit seinem Verkaufstipp für die krisengeschüttelte Industriekreditbank IKB vor einem Verlust von 79 Prozent bewahrt.
Für Anleger kann es also einträglich sein zu wissen, wer zuverlässige Aktienempfehlungen und genaue Gewinnschätzungen abgibt. Neben solider handwerklicher Arbeit gehört sicherlich auch Glück für das richtige Timing zum Erfolg der Analysten.
Für Investoren macht es Sinn zu wissen, wo sie zuverlässige Informationen über Dividendenwerte bekommen. Als Wegweiser dienen unabhängige Unternehmen, die die Arbeit von Analysten beobachten und prüfen und das Ergebnis in Rankings veröffentlichen. Das US-Analysehaus Starmine hat die besten Analysten für deutsche Aktien des vergangenen Jahres ermittelt. Das Handelsblatt prämierte gestern Abend gemeinsam mit Starmine die Top-Analysten – bereits zum fünften Mal.
Infografik: Wer die besten Aktienempfehlungen gab
Das US-amerikanische Researchhaus, das seit zehn Jahren die Arbeit von Analysten untersucht, bewertet dafür die Qualität von Aktienempfehlungen und die Genauigkeit von Gewinnschätzungen. Um die besten Analysten für deutsche Dividendenwerte heraus zu bekommen, überprüfte Starmine für Aktienempfehlungen 751 Analysten und für Gewinnschätzungen 1221 Experten von 109 Wertpapierhäusern, die 366 deutsche Dividendenwerte beobachten. Für den Award qualifizieren konnten sich allerdings insgesamt nur 215 Analysten. Seine Ergebnisse verkauft Starmine an Kreditinstitute, zuletzt auch immer stärker an institutionelle Investoren wie Anbieter von Investmentfonds und von Hedge-Fonds.
„2007 war ein schwieriges Jahr“, sagt Stuart McLean, Europa-Chef von Starmine mit Blick auf die Ergebnisse. „Wer gut differenzieren kann und sich schnell genug auf die raschen Kurswechsel am Markt einstellte, hat gut abgeschnitten“, sagt er. Am besten gelang es den Analysten laut McLean bei Empfehlungen von Aktien mit mittlerer Marktkapitalisierung zwischen 0,5 und einer Milliarde Euro. Bei den großen Titeln waren die von Starmine ermittelten Ergebnisse geringer, im Minus lagen sie hingegen bei kleinen Werten.
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Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wer sich in welcher Branche am besten geschlagen hat
Nach Sektoren haben sich die Software- und IT-Analysten am besten geschlagen. Sie erzielten gegenüber einem Referenzindex das größte Plus. Am schwersten hatten es – was wenig überrascht – die Finanzanalysten; aber auch die Beobachter der Telekom- und Autobranche lagen vergleichsweise häufig daneben. Das Jahr sei besonders hart gewesen, was Wechsel in der Branche und den Wettbewerb anging, sagt McLean. Das erkläre auch die zahlreichen neuen Namen in den Rankings. Gleichwohl gibt es Analysen, die es regelmäßig auf die obersten Plätze schaffen. Dazu gehören zum Beispiel der Spezialist der Gesundheitsbranche, Martin Possienke von Equinet oder der Software-Analyst Knut Woller und sein Industrie-Kollege Michael Tappeiner von Unicredit.
Infografik: Wer am besten die Gewinne geschätzt hat
Unter den besten Brokerhäusern schafften es acht der zwölf ausgezeichneten Häuser aus dem vergangenen Jahr wieder auf die Bestenliste. Rang eins teilen sich der französische Broker CA Cheuvreux und die italienische Unicredit mit jeweils zehn Awards. In den vergangenen Jahren waren die Unicredit-Analysten aus München unter ihrem alten Namen Hypo-Vereinsbank stets unter den Top-Häusern zu finden. Cheuvreux rückte in den vergangenen beiden Jahren vor. Beide Häuser hätten „sehr stimmige Analyse-Systeme“, lobt McLean.
Die Unicredit-Analysten bemühen sich nach Aussage von Research-Chef Andras Heine, Details-Kenntnisse mit der Branchensicht zu verknüpfen und in „hektischer Zeit nicht zu hektisch zu sein.“ Die Cheuvreux-Analysten dürfen kein „Halten“-Votum vergeben. „Wir brauchen verwertbare Informationen für unsere Kunden“, sagt Chef Bernd Laux. Mit vier ausländischen Brokern in der Spitzengruppe werden so viele Ausländer wie nie zuvor ausgezeichnet. „Broker tragen dem seit Jahren zunehmenden Interesse von Investoren am deutschen Markt Rechnung“, sagt McLean. Deutsche Häuser beherrschten allerdings weiterhin vor allem den Bereich der Small Caps.
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