Hypothekenkrise und Rezensionsgefahr in den USA hin oder her, trotz erwarteter volkswirtschaftlicher Abkühlung im Winterhalbjahr sehen deutsche Kreditinstitute positiv in die Zukunft. So reiht sich die Deutsche Bank in die Gruppe der Optimisten für das Börsenjahr 2008 ein – erwartet werden allerdings lediglich Kursgewinne im einstelligen Prozentbereich.
FRANKFURT. Die 8 300 Punkte seien für den Deutschen Aktienindex (Dax) für Ende kommenden Jahres eine realistische Zielmarke, sagt Klaus Martini, der die weltweite Anlagestrategie der Deutschen Bank für Privatkunden leitet. Kern des verhalten positiven Szenarios des größten deutschen Kreditinstituts ist die Annahme, dass sich die US-Wirtschaft im kommenden Jahr stabilisiert. Zwar werde die Hypothekenkrise in den Vereinigten Staaten auch 2008 noch belastend wirken, und die Gefahr einer Rezession bestehe weiterhin. Am Abend warnte Bankchef Josef Ackermann bei einer Rede an der Universität Zürich, dass die Krise noch nicht ganz ausgestanden sei. Aggressive Zinssenkungen der US-Notenbank (Fed), die gute Verfassung des amerikanischen Industriesektors sowie ein dank der dynamischen Schwellenländer anhaltendes Exportwachstum stimmen Martini aber zuversichtlich, dass es nach einer „Wachstumsdelle im Winterhalbjahr eine Erholung gegen Ende 2008“ geben wird.
Überhaupt spielen die aufstrebenden Volkswirtschaften aus Sicht der Deutschen Bank eine immer wichtigere Rolle an den internationalen Kapitalmärkten. Die immens wachsende Liquidität in Ländern wie China und Indien, insbesondere aber auch in den Erdöl exportierenden Staaten schaffe eine zusätzliche Nachfrage, die in etlichen Anlageklassen für starke Bewegungen sorge. „Es gibt einen Berg von Liquidität, der nach langfristigen Anlagen sucht“, sagt Martini. So dürften die Devisenreserven asiatischer Notenbanken in den kommenden Jahren nach Prognosen der Bank jeweils um neun Prozent steigen. Und den ölexportierenden Staaten bringe jeder Anstieg des Ölpreises um zehn Dollar etwa 80 Mrd. bis 100 Mrd. Dollar zusätzliche Einnahmen.
Gestützt durch diese große internationale Liquidität, die robuste Weltwirtschaft und die Zinssenkungen der Fed, die nach Meinung der Deutschen Bank den Leitzins bis Mitte nächsten Jahres von derzeit 4,5 bis auf drei Prozent senken wird, ergebe sich ein insgesamt positives Umfeld für die Aktienmärkte, erwartet Martini. Hinzu kämen die Bewertungen der meisten Börsen, die nicht nur im Vergleich zu Staatsanleihen attraktiv seien, sondern mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen zwischen zwölf und 14 auch im langjährigen Durchschnitt nicht hoch seien.
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Nach Meinung anderer internationaler Banken könnten die Kurs-Gewinn-Verhältnisse allerdings schnell steigen, wenn sich die Prognosen für das Gewinnwachstum der Unternehmen in Europa und den USA als zu optimistisch erweisen sollten. Davor hatten zuletzt Strategen der beiden größten US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley gewarnt. Die durchschnittliche Erwartung von neun Prozent Gewinnwachstum für europäische Firmen im Jahr 2008 sei unrealistisch hoch, ist Peter Oppenheimer, Europa-Chefstratege von Goldman Sachs, überzeugt. Er rechnet mit einer Anpassung der Gewinnerwartungen, die auf die Aktienkurse drücken wird.
Ähnlich argumentiert Christian Heger, Chef-Anlagestratege bei HSBC Investments Deutschland. „Der im Durchschnitt erwartete Gewinnanstieg für 2008 passt nicht zu den Erwartungen einer volkswirtschaftlichen Abkühlung“, meint er. Vor allem im ersten Halbjahr des kommenden Jahres stünden die Aktienmärkte vor einer „Welle von Gewinnentttäuschungen“. Immerhin rechnet er aber damit, dass die Unterstützung der Notenbanken sowie die moderate Bewertung an den vielen Börsen die Aktienmärkte vor einem Negativszenario bewahrt.
Deutsche-Bank-Stratege Martini beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass es 2008 doch zu negativen Überraschungen, insbesondere zu einer Rezession in den USA kommt, auf ein Drittel. Er rät Anlegern dazu, die Risiken in ihrem Depot breit zu streuen. Im Musterportfolio der Deutschen Bank (siehe Grafik) finden sich entsprechend neben Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen auch markante Positionen in Hedge-Fonds, Immobilien und Rohstoffen.
