Das Problem im Finanzsektor seien die hohen Hebel auf Finanzprodukte, erläuterte Herbert Berger, Leiter Kapitalmarkt bei der Dresdner Bank. "Diese zum Teil extrem hohen Hebel müssen reduziert werden. Das passiert gegenwärtig", sagte Berger. Hebel (im Englischen: Leverage) bedeutet, dass Finanzakteure Fremdkapital aufnehmen, um die Rentabilität des Eigenkapitals zu erhöhen. Man müsse sich schon fragen, sagt Berger, wie beispielsweise die Fondsgesellschaft Carlyle Capital im angeschlagenen Umfeld überhaupt noch einen Hebel auf ihre Finanzkonstrukte von mehr als 30 habe bewerkstelligen können. Carlyle Capital ist eine Tochter des Private-Equity-Riesen Carlyle Group aus den USA und ist laut "Wall Street Journal" in Gefahr liquidiert zu werden.
Am Markt sei unterdessen zu hören, sagt Berger, dass zum Beispiel Hedge-Fonds das Leverage jüngst bis auf drei reduziert hätten. Die hohen Kursgewinne in den klassischen Finanzierungswährungen Yen und Schweizer Franken zeigten ebenfalls, dass Investoren Zinsdifferenzgeschäfte stark zurückgefahren hätten. Diese so genannten Carry Trades nutzen ebenfalls teils hohe Hebel und gelten mithin als risikoreich.
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Das Thema Kreditklemme werde sich im Verlauf des kommenden halben Jahres beruhigen, prognostizierte Boschke. Die weltweit von den Notenbanken zur Verfügung gestellte Liquidität werde im zweiten Halbjahr für konjunkturlle Impulse sorgen. Boschke wie Berger räumten allerdings ein, dass dieses Szenario dem Risiko weiterer Hiobsbotschaften aus der Finanzbranche unterliege. "Wir haben es momentan mit zwei Welten zu tun", so Berger. Boschke formulierte es so: "Niemand hat die vollständige Transparenz und weiß, wo die wirklichen Risiken liegen." Daher sei es auch noch zu früh Aktien wieder überzugewichten.
Die Dresdner Bank hat vor kurzem die Aktiengewichtung in ihrem Modellportfolio auf "Neutral" von zuvor "Untergewichten" erhöht. Den Startschuss für eine Übergewichtung könne man aber noch nicht geben. Analysten hätten ihre Gewinnprognosen für die Unternehmen zwar schon deutlich gesenkt. "Sie sind aber immer noch zu hoch", sagte der Chefstratege. Man müsse mit weiteren Abwärtstrevisionen rechnen. Die Dresdner Bank erwartet für die Unternehmen im Dax und im Euro-Stoxx-50 in diesem Jahr stagnierende Gewinne. Mit dieser Prognose sei man pessimistisch, fügt Boschke an. Die Konsensprognosen lauteten dagegen auf ein Gewinnplus der 30 Dax-Unternehmen von 7,4 Prozent und von 9,6 Prozent im Euro-Stoxx-50.
