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28.11.2005 

Viele Protagonisten der Hightech-Spekulationsblase haben nach einer mehr oder weniger langen Schamfrist wieder einträgliche Betätigungen gefunden. Neben der Bewahrung ihres Lebensstandards scheint sie der Drang zu treiben, ihre grandiosen Fehlprognosen zu rechtfertigen. Blodget und Grubman lassen sich selbst von einem Berufsverbot nicht abschrecken.

Ein Blick zurück: Im Jahr 2000 jagt Blodget seiner Konkurrentin Meeker den Titel als bester Internetanalyst der Wall Street ab, den das renommierte Magazin "Institutional Investor" jährlich vergibt. Was viele Privatanleger nicht wissen: Sein Arbeitgeber Merrill Lynch, verwendet Blodgets stets optimistischen Studien auch als Türöffner, um bei den bejubelten Unternehmen lukrative Investment-Bankingmandate für Kapitalerhöhungen und Fusionsberatung zu akquirieren. Um die Akquise zu stützen, empfiehlt Blodget selbst Aktien wie Goto.com zum Kauf, die er in einer privaten E-Mail als "Stück Müll" bezeichnet. Denn sein Jahresbonus hängt daran, wie viele Deals Merrill mit "seinen" Internetfirmen einfädelt.

Grubman treibt beim New Yorker Finanzriesen Citigroup das gleiche Spiel - nur noch aggressiver . In der breiten Öffentlichkeit ist der Mann mit den dunklen, buschigen Brauen und der Lücke zwischen den oberen Schneidezähnen weniger bekannt als der telegene Blodget. Doch mit einem Jahresgehalt von 26 Millionen Dollar stellt Grubman den blonden Wunderknaben in den Schatten, der immerhin zehn Millionen Dollar nach Hause trägt. Die Millionen erhält Grubman nicht für brillante Analysen, sondern für die zahllosen Investment-Banking-Aufträge, die seine Jubel-Kommentare und seine exzellenten Firmenkontakte bringen.

Mary Meeker, die Morgan-Stanley-Analystin mit der Vorliebe für schwarze Hosenanzüge, scheint da aus anderem Holz geschnitzt. Statt um Investment-Banking-Aufträge zu werben, weist sie mit ihrem Veto Dutzende obskurer Internetbuden ab, die Morgan Stanley als Emissionsbank für ihren Börsengang gewinnen will. So etwas wäre Blodget und Grubman nie eingefallen. Doch auch die unnahbare Internetkönigin wird schwach: Nachdem viele von ihr verschmähte Börsenkandidaten andere Emissionsbanken finden und die Aktienkurse in die Höhe schießen, lockert sie ihre Prinzipien.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die beiden schlimmsten Beispiele der korrupten Wall Street

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