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08.05.2008 
Johannesburger Börse

Südafrika hält Rekordkurs

von W. Drechsler

Die Johannesburger Börse bleibt ein Phänomen: Trotz stark nach unten korrigierter Wachstumsprognosen für Südafrikas Wirtschaft und eines weiteren Anstiegs der Leitzinsen legen die Kurse an der JSE immer weiter zu. Zuletzt schnellte der Index auf ein Allzeithoch von rund 32 000 Punkten. Damit gehört die JSE auch in diesem Jahr zu den Spitzenreitern unter den Schwellenbörsen.

KAPSTADT. Verantwortlich dafür war neben den festeren Rohstoffpreisen vor allem eine mögliche Offerte des indischen Mobilfunkanbieters Bharti Airtel für MTN, Afrikas größten Mobilfunkbetreiber. Angeblich geht es bei den nun aufgenommenen Gesprächen um eine vollständige oder zumindest mehrheitliche Übernahme der Südafrikaner durch den indischen Rivalen.

Einem Szenario zufolge könnte Bharti Airtel eine Teilofferte für 51 Prozent von MTN unterbreiten; dann könnten die Südafrikaner ihre Erstnotierung in Johannesburg beibehalten. Hinter dem Petrochemiekonzern Sasol ist MTN der größte Konzern, der seinen Hauptsitz am Kap hat. Offenbar ist das MTN-Management zu einer größeren Veränderung der eigenen Besitzstruktur bereit, sträubt sich nach Angaben aus Branchenkreisen aber gegen einen Gesamtaufkauf durch die Inder.

Eine Reihe anderer Unternehmen. darunter das Minenhaus Anglo American aber auch der weltgrößte Brauereikonzern SAB Miller und die Versicherungsgruppe Old Mutual haben ihre Firmenzentrale in den letzten Jahren nach London verlegt und sind am Kap nur noch zweitnotiert.

Zu den Gewinnern der JSE zählte dank des hohen Ölpreises auch das Petrochemieunternehmen Sasol, das mit Hilfe des deutschen Fischer-Tropsch-Verfahrens Kohle und Gas in Benzin umwandelt. Gefragt ist zudem der Goldkonzern Anglogold Ashanti, der am Mittwoch in einem mutigen Schritt den schnelleren Abbau seiner Vorausverkäufe an Gold (Hedging) von 9,2 Mill. auf 6,25 Mill. Unzen ankündigte und zur Finanzierung des Vorhabens Aktien im Wert von zwölf Mrd. Rand platzieren will.Gebremst wird der Goldsektor insgesamt durch den Preisrückgang des Edelmetalls. Zeitweise kratzte Gold in den vergangenen Wochen sogar an der psychologisch wichtigen Marke von 850 Dollar. Zwar hat sich der Goldpreis wieder auf 875 Dollar pro Unze (31,1 Gramm) erholt, doch liegt er über zehn Prozent unter dem im März erreichten Allzeithoch von 1 030 Dollar.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Südafrika steht vor einer harten Bewährungsprobe

Eine durchgreifende Besserung ist hier kaum zu erwarten. Trotz kurzfristiger Entspannung dürften sich die diesjährigen Stromengpässe am Kap noch lange negativ auf die Produktion der Goldförderer auswirken. Anglogold Ashanti rechnet etwa für 2008 mit einem Rückgang auf unter fünf Mill. Unzen. Auch Gold Fields, die Nummer zwei unter den Goldförderern, prognostiziert einen Einbruch in der Produktion um bis zu 20 Prozent.

Der Höhenflug der Börse spiegelt allerdings nicht die Probleme wider, die die Stromengpässe in Südafrika insgesamt ausgelöst haben. Entstanden sind die Engpässe zum einen aus der fehlenden Vorausplanung der Regierung, sie lagen aber auch beim staatlichen Energieversorger Eskom und hatten eine Währungskrise ausgelöst. Viele ausländische Investoren, sagt Finanzmarktexperte David Shapiro, hätten wegen der Vertrauenskrise genau das Geld abgezogen, das Südafrika nun zur Finanzierung seines hohen Leistungsbilanzdefizits von über acht Prozent dringend brauche. Zwei Jahre vor der Fußball WM stehe das Land vor der härtesten Bewährungsprobe seit Abschaffung der Apartheid vor 14 Jahren. Daran ändert auch nichts die leichte Erholung des Rands in den vergangenen drei Wochen. Experten rechnen damit, dass der Druck auf die Währung zumindest kurz- bis mittelfristig anhalten wird.

„Man hat den Eindruck, dass alle im letzten Moment auf den fahrenden Zug aufspringen wollen“, meint Azar Jammine vom Beratungsinstitut Econometrix. Gerade deshalb sei Vorsicht sei geboten. „Gegenwärtig kümmern sich die Anleger weder um die extremen Ausschläge der Börse noch um den enormen Facharbeitermangel am Kap oder die durch die Stromengpässe bedingten Produktionsprobleme der Gold- und Platinminen“ wundert sich Jammine. Südafrika wäre nicht das erste Land, dessen Börsenboom schneller als gedacht in Tränen endet.

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