Bruns Breitseite Aktionäre brauchen mehr Rechte!

Die schweizerische Initiative gegen Abzocker kann der Aktienkultur in Deutschland helfen - mehr als es alle deutschen Regierungen in den letzten zehn Legislaturperioden zusammen getan haben.
  • Christoph Bruns
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Anlagestratege-Kolumne von Christoph Bruns
Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Zum Verständnis der aktuellen Diskussion um die schweizerische Abzockerinitiative ist es hilfreich, den kapitalmarkthistorischen Gesamtzusammenhang der Situation ins Auge zu fassen. Wie viele andere Entwicklungen auch, sind die in Rede stehenden Phänomene ein Zeichen der sogenannten Globalisierung, die im Kern eine Amerikanisierung der Welt ist.

Dies sieht man deutlich an der Sprachhoheit der Angelsachsen, die den Finanzmarktbereich charakterisiert. Bei der Vergütung leitender Angestellter börsennotierter Unternehmen geht es um einen Aspekt der sogenannten ‚Corporate Governance‘, wofür das Deutsche den sperrigen Ausdruck der ‚Wohlverhaltensregeln zur Unternehmensführung‘ zu bieten hat.

Während der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts entstand nach dem Zusammenbruch des Sozialismus in Russland und im sonstigen Osteuropa ein großes Überlegenheits- und Siegesgefühl des Westens. Man sprach von Friedensdividende und die Stunde des Shareholder Value sollte im Gefolge des Triumphes der Marktwirtschaft heranrücken.

Unter diesem Motto wurde die Hybris der Welt-AG bei Daimler unter dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Schrempp und der Wahn der Deutschen Telekom unter ihrem Chef Ron Sommer ersonnen. Die Aufsichtsräte winkten wohlwollend durch.

Vodafone kaufte Mannesmann für 186 Milliarden Euro und Time Warner erwarb AOL für 154 Milliarden US-Dollar. Die Marktwirtschaft stand ohne Wettbewerb da und es galt nun, den Triumph des Kapitalismus über die Zentralverwaltungswirtschaften im Sinne einer eigentümerorientierten Wirtschaftsordnung auszubauen. Amerikanische Aktiengesellschaften, führten und führen diese Entwicklung bis heute an.

Krone der Entwicklung war die Zahlung von 139 Millionen Dollar an Richard Grasso durch die damals nicht gewinnorientiert arbeitende New Yorker Börse NYSE. Dann aber schlug der klassische ‚Prinzipal-Agent‘-Konflikt zu. Denn jene, die die Entwicklung im besten Eigeninteresse vorantrugen, waren keineswegs die Eigentümer sondern nur deren auf Zeit bestellte leitende Angestellte.

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4 Kommentare zu "Bruns Breitseite: Aktionäre brauchen mehr Rechte! "

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  • Und selbstverstaendlich sollten die Eigentuemer auch diejenigen in die Spitzenpositionen holen duerfen, die sie fuer die besten halten. Ohne jede Quote fuer Katholiken, Bayern, Frauen, Behinderte, Rentner, Behinderte usw.

  • Im Kern trifft der Artikel sicherlich zu: Die Eigentümer sollen entscheiden was mit dem Geld passiert. Dass wieder einmal die hohe Besteuerung bemüht wird, auch wenn dieser Einwand durchaus seine Berechtigung hat, lenkt vom eigentlichen Problem ab. Es werden dringend stärkere Aktionärsrechte benötigt, egal wie hoch der Gewinn besteuert wird. Auch wenn das Klischee schon zum 100. Mal bemüht wurde, aber wenn man sich zudem vor Augen hält, dass die Bankerboni die Dividenden regelmäßig um mehr als das Zehnfache übersteigen, erscheinen 1/3 Steuern auf den Gewinn fast als angemessen...
    In welchem Unternehmen, in dem der Eigentümer noch die Fäden in der Hand hält, würde so ein Unfug passieren?

  • Volle Zustimmung! Die Eigentümer (Aktionäre) müssen bestimmen können, wieviel Gehalt Ihre "Manager" erhalten. Alles andere ist gegen jede Vernunft und dient nur einigen wenigen geldgierigen Managern sich die Taschen auf Kosten der Eigentümer zu füllen! Die Argumentation, "in den USA verdienen die Manager aber so viel" ist lächerlich. Dann sollen die Manager sich eben um einen Posten in den USA bewerben. JEDER (!) ist ersetzbar!

  • "Wer die hohen Rechtsgüter Eigentum und Vertragsfreiheit stärken will, der muss für eine Stärkung der Aktionärsrechte eintreten. Die Eigentümer, nicht der Staat oder die Gewerkschaften müssen entscheiden dürfen, wer ihr Unternehmen leitet und welche Zahlungen und Zusagen er dafür erhalten soll."

    Ein wichtiger und richtiger Punkt,
    - aber warum hat die Wirtschaftspresse das nicht schon lange thematisiert. Die Forderung ist längst überfällig.

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