Bruns Breitseite
Das Ehe-Privileg ist anscheinend obsolet

Mit der Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sind nun nur noch Alleinstehende vom Staat benachteiligt. Konsequenter wäre es aber gewesen, den Schutz der Ehe ganz aus dem Grundgesetz zu streichen.
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Die Bürger und die Parteien in Deutschland haben sich schon lange damit abgefunden, dass die Bundesrepublik ein geburtenarmes Land ist. Letzteren ist nichts Wirksames eingefallen, um diesen seit dem Ende der 1960er-Jahre anhaltenden Trend umzukehren. Nun hat das Bundesverfassungsgericht die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der gemäß §6 GG grundgesetzlich privilegierten Ehe angemahnt. Im Resultat werden fortan nur noch Alleinstehende vom Staat benachteiligt.

In der Gruppe der Alleinstehenden befinden sich naturgegeben besonders viele junge Erwachsene. Gleichzeitig hört man aus Regierungskreisen, dass der Zuzug junger gut qualifizierter Menschen ausdrücklich gewünscht und gefördert werden soll. Die Kanzlerin sprach jüngst von einer „Willkommenskultur“, die geschaffen werden müsse, um solche Leute anzulocken. Diskriminierung und Willkommenskultur passen aber nicht zusammen!

Konsequenter wäre es insofern, den besonderen Schutz der Ehe aus dem Grundgesetz gänzlich zu streichen und alle volljährigen Bürger, egal ob alleinstehend oder in einer wie auch immer gearteten Partnerschaft lebend, mit gleichen Rechten und Pflichten auszustatten.

Überhaupt wäre die Politik gut beraten, angesichts unseres schrumpfenden Landes das Grundgesetz auf Streichparagraphen hin zu durchforsten. Es könnte etwa das Amt des Bundespräsidenten samt seiner zwei Dienstsitze (jeweils Schlösser!) ersatzlos gestrichen werden. Außerdem bedarf es einer Zusammenlegung von Bundesländern, um Einsparungen erzielen zu können. Und einem schrumpfenden Land stünden auch verkleinerte Parlamente gut an. Vom Beamtenapparat gilt Nämliches und die vielen Gender-Lehrstühle sind ebenfalls verzichtbar.

Kommentare zu " Bruns Breitseite: Das Ehe-Privileg ist anscheinend obsolet"

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  • Die Kritik am Ehegattensplitting will nicht verstummen. Das liegt vor allem an den fiskalischen Begehrlichkeiten und der Tatsache, dass eheliche Lebensgemeinschaften eine schrumpfende Gruppe sind.
    Sachlich ist der Diskurs völlig mit falschen Argumenten durchsetzt, die jeweils wiederum sachfremden Interessen geschuldet sind.
    So haben vor allem die Konservativen das Splitting mit und für Kinder gerechtfertigt. Das aber ist weder rechtlich noch sachlich richtig. Das Argument wurde lediglich forciert, um nicht logisch und folgerichtig das Familiensplitting argumentativ fordern zu müssen.
    Das Ehegattensplitting ist nichts Anderes als ein Ausgleich für die rechtlichen und sozialen Pflichten, die sich aus der Ehe, auch ohne Kinder, ergeben. Wer das Abschaffen will, muss ebenfalls die Unterhaltspflichten für Eheleute, die sich von nicht Verheirateten unterscheiden angleichen.
    Im Grunde macht das gerade in heutiger Zeit deutlich, was die Abschaffung des Ehegattensplittings bedeutet, eine massive einseitige Entsozialisierung, bei der Pflichten bleiben und die immer magerere Gegenleistung entfällt.
    Der Staat hat die Lücken, die sich durch gesellschaftliche Veränderungen ergeben haben, nicht geschlossen.
    Er hat im Grunde genommen sich am Zeitverzug bereichert, in dem er Kinderlosigkeit wirtschaftlich ausgenutzt hat. auch die Unternehmen haben profitiert, wenn man die Arbeitsbedingungen heute und vor 40 Jahren betrachtet, hat der Ausbeutungsgrad erheblich zugenommen. Das wäre ohne Singles gar nicht möglich gewesen. Das dies ein Schneeballeffekt ist, der mit sinkenden Geburtenraten letztlich ausgeschöpft wurde, interessierte niemanden.
    Letztlich schmarotzen Singles, Politik und Wirtschaft auf Kosten der Familien, auch wenn sie das nicht bewusst in Gang gesetzt haben, sondern lediglich die Vorteile mangelnden staatlichen rechtlichen Ausgleichs genutzt haben.

    H.

  • Leider hat man verkannt, dass sich die Rolle der Ehe geändert hat. Man hat auch verpasst, richtig darauf zu reagieren. Man sollte alle Leute, egal ob verheiratet oder nicht, gleich besteuern, abgestuft nach Einkommen. Man sollte nur noch Leute steuerlich entlasten, die Kinder (bis zur Ausbildung)groß ziehen. Vielleicht kommt das ja noch, irgendwie, irgendwo und irgendwann.

  • ja und wo ist das Problem?

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