Bruns Breitseite: Die Aktie ist die Königin der Sachwerte

Bruns Breitseite
Die Aktie ist die Königin der Sachwerte

Die Deutschen sind seltsame Anleger. Sie setzen auf Staatsanleihen, Derivate und illiquide Anlagen. Aktien sind ihnen dagegen suspekt. Ein groteskes Verhalten.
  • 11

Deutschland gilt internationalen Kennern beim Thema Aktienanlage bestenfalls als Schwellenland. Während in den meisten Industrieländern die Aktienanlage zentraler Baustein der langfristigen Vermögensbildung und insbesondere der Altersvorsorge ist, tun sich die Deutschen mit der Beteiligung an börsennotierten Unternehmen schwer. Dieser Befund wird noch grotesker, wenn man bedenkt, wie beliebt Sachwertanlagen wie Immobilien, Gold, Schiffsbeteiligungen, Solaranlagen und Windräder sind. Hier zeigt sich die Lenkungswirkung steuerlicher Rahmensetzungen. Dabei hat die dynamische Sachwertanlage Aktie eine überlegene Historie und viele klare Vorteile gegenüber den vorgenannten Anlagen auf ihrer Seite.

In den vergangenen sechzig Jahren  hat sich Deutschland zu einem ökonomischen Riesen entwickelt. Wenngleich die Wirtschaftswunderzeiten mit ihren hohen volkswirtschaftlichen Wachstums- und Geburtenraten (man beachte den Zusammenhang beider Größen!) der Vergangenheit angehören, zählt Deutschland zu den wohlhabendsten Ländern der Erde. Geschaffen wurde der materielle Wohlstand in den Unternehmen des Landes. Es gehört zu den zentralen ökonomischen Grunderkenntnissen, dass materielle Werte beziehungsweise Wohlstand nur durch unternehmerisches Tun geschaffen werden. Dass die wohlhabendsten Deutschen ohne Ausnahme durch unternehmerischen Hintergrund zu ihrem Wohlstand gelangt sind, ist kein Zufall. In anderen Ländern finden wir ein ganz ähnliches Bild vor.

Es stellt sich daher die Frage, wie sich Bürger sinnvoll an der Wirtschaft und deren Wertschöpfung sowie ihrer Dynamik beteiligen können. Erst die Existenz von Börsen macht es möglich, Anlegern die Gelegenheit zu bieten, ihr Geld in einem oder mehreren dort notierten Unternehmen eigener Auswahl arbeiten zu lassen. Der inhaltliche Kern der Aktienanlage besteht folglich darin, sich am wirtschaftlichen Lebenswerk der Unternehmer zu beteiligen. Das ist ein Privileg.

Seite 1:

Die Aktie ist die Königin der Sachwerte

Seite 2:

Ein deutscher Sonderweg

Kommentare zu " Bruns Breitseite: Die Aktie ist die Königin der Sachwerte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Vollkommen richtig!
    Ergänzen sollte man noch zur Problematik

    "habe ich lieber einen guten Tropfen Rotwein im Keller, ein paar schöne Antiquitäten, eine interessante Münzsammlung, ein Häuschen irgendwo anders"

    Wertschwankungen bzw. Marktschwankungen - hier als "Börsenschwankungen" bezeichnet - gibt es auch bei den oben genannten Anlagen: Nur gibt es eben keine laufenden Kurse die einem auf den ersten Blick auf evtl. vorhandene Verluste bzw. Wertschwankungen hinweisen. Zudem ist die Transparenz bei derlei Anlagen äußerst mau - ein Sammler kann sich vielleicht mit Wein/Antiquitäten beschäftigen bzw. diese bewerten, jemand der im Immobilienbereich stark ist diese - aber ein "Normalbürger"? Der überschätzt im Regelfall den Wert der "Anlagen" maßlos - oder wird von jemandem mit Sachkenntnis bei einem Verkauf über den Tisch gezogen. Zudem ist der Markt wesentlich illiquider, was einen zügigen freien Verkauf zu einem angemessenen Wert erschwert; über den volkswirtschaftlichen Nutzen von derlei Anlagen (Wein/Antiquitäten) kann man ebenfalls (wie übrigens auch bei Gold/Rohstoffanlagen) nur spekulieren...


  • Einkommena aus Aktien werden in Deutschland viel zu hoch besteuert. Der Aktionär ist Teilhaber an einem Unternehmen und trägt das Risiko des Unternehmens. Geht das Unternehmen pleite, ist der Aktienkurs bei Null.
    Als Anteilseigener gehört ihm der Gewinn des Unternehmens.
    Dieser wird in der AG mit der Kapitalertragsteuer belegt und bei der Ausschüttung als Dividende mit der Abgeltungssteuer. Gewinnt das Unternehmen an Wert und steigt die Aktie im Kurs wird beim Verkauf der Veräußerungsgewinn besteuert. Alles zusammen gerechnet liegt die Steuer auf den Unternemensgewinn insgesamt bei fast 50 %.
    Bei persönlicher Grenzsteuersatz liegt weit darunter.
    Wenn man dann noch Aktien mit einem Wertpapierkredit kauft, kann es sein, dass die Höhe der Abgeltungssteuer Steuer die Höhe der Dividenden übersteigt.
    Der Staat betätigt sich da auch als Moloch.
    Den Vielfraß will ich nicht beleidigen und ihn mit dem Staat gleichsetzen.

  • Aktien sollen Sachwerte sein? Modern geführte Unternehmen reduzieren ihre Sachwerte auf ein Minimum um gebundenes Kapital freizusetzen. Der Wert eines Unternehmens steckt eher in geistigem Eigentum und im Geschäftsmodell. Das kann sich auch schnell mal in Luft auflösen. Wer hätte z.B. gedacht, dass die Nokia Aktie eimal unter 2 Euro kostet? Die Bewertungen sind selbst bei "soliden" Dax-Unternehmen extremen Schwankungen unterworfen. Kleinere Unternehmen sind manipulationsanfällig. Für die normalen Kleinanleger bleibt die Börse ein Glücksspiel in dem die meisten verlieren. Die Deutschen haben sich an Aktien ordentlich die Finger verbrannt und daraus gelernt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%